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Die Welt · 1908-07-31 · 30 (31.7.1908) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
30 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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riet Groinem, nicht „ins erste Feuer" mit. den. Kindern zu rücken. Die ganz Sicheren müssen voran. Und sollte irgendeine Schwierigkeit , wegen der vielen Kinder dieser einen Familie entstehen, so /war Rat vorhanden. Dwoire z. B. war eine alleinstehende Frau und hatte den Vorzug, eine Tochter in Amerika zu besitzen. Die wird man doch hereinlassen, ajso Aus St. Petersburg erhalten wir die Mitteilung, daß dort sensationelle Nachrichten über den Zionismus im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen in der Türkei verbreitet werden. Ganz besonders soll der „Wjeczer" fabelhafte Nachrichten darüber enthalten. Auch englische Zeitungen bringen Telegramme — ebenfalls aus Petersburg — über denselben Gegenstand. Wir sind ermächtigt, zu erklären, daß alle diese Nachrichten durchwegs auf Erfindung beruhen.. Deutschland Bayerischer Gruppenverbandstag zu München Am 19. Juli tagte in der bekannten „Protest"gemeinde.München der Vertretertag der bayerischen Zionisten, elf Jahre, nachdem die hiesige Gemeinde den Zionismus totgeschlagen zu haben glaubte. Um es gleich vorwegzunehmen, nahm am Festabend der Führer der orthodoxen bayerischen Juden Herr S. Frankel, teil, der unserer Bewegung sehr nahe steht. Der Vorkämpfer der orthodoxen Jugend Bayerns, Herr Ehrmann, gab an derselben Stelle in offener Freude den Gedanken kund, daß, wenn er auch noch nicht Zionist sei, er doch mit den Zionisten Hand in Hand gehen wolle und in ihnen gute Freunde erblicke. Damit hat ein gut Teil der bayerischen Juden ihre Stellung völlig geändert. Aus Feinden unserer Bewegung sind sie zu Freunden geworden, und eine Reihe hat sich schon der Partei angeschlossen. Wenn es auch noch nicht die Kultusgemeinde ist, die den Zionismus anerkennt, so gehört doch die Zeit, wo widerhallos der Zionismus bekämpft und verdächtigt worden ist, einer überwundenen Ära an. Die Verhandlungen selbst boten Anregung in Hülle und Fülle. Die Delegierten, die aus Regensburg, Memmingen, Unterfranken etc. herbeigekommen waren, beteiligten sich neben den Münchener Herren lebhaft an der Debatte, die besonders die bayerischen Verhältnisse streifte. In dem Vordergrund der Diskussion, die sich an ein in jeder Weise vorzügliches Referat, das im ganzen veröffentlicht gehört, von Herrn J. Fränkel anschloß, standen die Fragen, die sich mit den jüdischen Gemeindeverhältnissen befaßten. Das veraltete Judenedikt, das seit fast 100 Jahren im Lande Gültigkeit hat, sieht eigentlich nur die Ausübung der synagogalen und rituellen Forderungen, nicht aber die charitativen, sozialen oder gar nationalen Aufgaben vor und hindert, deren Ausführung stat uterigemäß. Als eine der Hauptforderungen stand die Forderung nach dem Proportional-Wahlsystem für die Gemeinden zur Debatte. In Bayern ist dasselbe in der letzten Zeit äußerst populär geworden, so daß es z. B. bei den Städteverwaltungen eingeführt wird. Des weitern harren noch die Ausländer der Berechtigung des passiven Wahlrechtes für die Gemeindewahlen. Eine Kommission, bestehend aus dem selbst bei Antizionisten als Autorität geltenden Gg. Rechtsanwalt Dr. Eli Strauss, Herrn J. Fränkel und einigen weiteren Herren wird voraussichtlich die Forderungen des Tages für Reorganisation der jüdischen Gemeinden formulieren und versuchen, für dtelben die Zustimmung der masgebenden Faktoren-zu gewinnen. Da jetzt die jüdischen Gemeinden gar nicht' daran denken, irgend welche Änderungsmaßregeln zu treffen — so bedürftig ihrer auch ihr Institut ist, — kann eine derartige Aktion sicher nur nützen. Besonders hinzuweisen ist hierbei , auf die Bewegung zur Gründung jüdischer Volksschulen, da die bayerischen Schulen rein katholische oder protestantische sind. könnte sie. einige Kinder auf ihr Konto Brritflehmen. Chaim'l ünd Frau wurden auch mit einigeti -Kinderh^eschert: Diese Bescherung entsprach .zwar ..nic^t .ganz den Intentionen ChaimTs; denn er würde es vorziehen;-dort als der Vater eines einzigen Sohnes zu erscheinen!, den er in Amerika suchen wollte, aber er mußte' sfäft den Interessen der Gemeinschaft unterwerfen., (Schluß-fojgt) Das Referat über Agitation und Organisation hielt'" Herr O p p e n h e i m e r, der interessante' Anregungen in der Hinsicht gab,*;; die' zionistische Bewegung müsse mehr die sozialen Verhältnisse studieren und durch soziale Einrichtungen die Masse packen. Der Vortrag bot durch eingehendeAnführung .voh: Mitteln und, Wegen einen längeren Vorwurf für die Debatte. Die Forderung'des Herrn Referenten, die Agitation mehr auf das Land resp:d^e Kleinstadt auszudehnen, kann nicht genügend' unterstrichen'weTderi. Es ist wohl möglich, hierdurch die Zähl der bayerischen Zioriisteri \ bedeutend zu-vermehren. Im Verlaufe.des weiteren Nachmittags hielt.noch,,Herr .FeJlx Teilhaber an Stelle des verreisten Herrn Dr. Blöde das. Palästina^ .referat, das ausdrücklich den Unterschied des Palästinensisntus des Hilfsvereins und der Zionisten präzisierte. Der Zionismus,ist nicht der Jischub für andere (für russische Juden), sondern der .Gedanke an die. eigene Rückkehr ins Vaterland. Wenn die Forderung an das Hinübergehen jedes einzelnen auch eine viel zu radikale sei, so müsse doch jeder Zionist die Möglichkeit einer solchen erwägen, zu mindesten sich vorstellen. " Gerade im heutigen Stadium sej es nötig, diesen Standpunkt zu betonen, wo es nötig sei, gewisse jüdische und kulturelle Zentren in einiger Zeit . in Palästina zu schaffen. Seien diese einmal da, dann könne sich das Land selbst besser entwickeln und die Einwanderung anlocken. ÄUerdings wäre der Gedankengang des Referenten, ein sehr weitgehender, der .wohl kaum, in der Volksversammlung am Platze, sei, im trauten Kreise müsse es aber um so entschiedener ausgesprochen .werden.. . > Der Festabend brachte eine sowohl , was den Inhalt, als die Form anlangt. gleich. vorzügliche Herzl-Gedenkrede von Rechtsanwalt Engen Mayer, Ansprachen von vielen Vereinen, von der Verbindung im K. Z.V. Jordania, von dem. Verein jüdischer Studenten, der Vereinigung jüdischer Akademiker, dem Mekor .Chajimi.den Vertretern der fremden Ortsgruppen etc, die .der ziomstichen Ortsgruppe zeigten, daß treue Freunde an. der Regeneration des Müchener Judentums mitarbeiten.' Jüdische Lieder, „die Hatikwah," „Dort wo die .Zeder".u. a., die dem feierlichen Tone des Festabends angemessen waren, verkürzten die Stunden .des Beisamenseins; Mit einer Sammlung für den Herzlwald, die über. 100. JC ergab, schloß diese gelungene Tagung. . Altona: Die Frauen Vereinigung der zionistischen Ortjgriippe Hamburg-Altona ist dank der Gebefreudigkeit der Mitglieder in diesem Sommer in der Lage, eine weit größere Anzahl schwacher, erholungsbedürftiger Kinder als bisher in die Tageskolohie" zu schicken. Statt der überfüllten Insel Ross ist in diesem Jahr Neumühlen mit seinem prächtigen. Strand und seinen herrlichen Parkanlagen zum Erholungsplatz erkoren. Österreich Bad Gräfenberg: Am 19. Juli veranstaltete und leitete Lehrer Auerbach, Posen, eine Herzl-Gedenkfeier, die sehr würdig, verlief und vom besten Badepublikum stark besucht war. Der Prolog {„Dem toten Fürsten" von Israel Auerbach) wurde von Sylvi Karger, Breslau, wirkungsvoll gesprochen. Nach Begrüßung der Anwesenden durch den Leiter hielt Kurarzt Dr. Sadger die Tendenzrede, welcher eine stilvolle hebräische Ansprache von Rubinstein, Lodz, folgte. Zwei Deklamationen („Das Schiff im Sturm" von- Loewe und „Die Grüne"; von Morris Rosenfeld) wurden von: Lehrer A. bezw. Perlmutter, Lodz, vorgetragen. Alle Darbietungen wurdenmit Beifall und Begeisterung aufgenommen. An einen populären Hinweis des Vorsitzenden auf den Herzlwald , schloß - sich eine Sammlung, welche ■—nach Abzug der Unkosten — das .'stattliche Resultat von 21 Bäumen ergab. (Ausweis in der „Welt" und „Jüd. Rundschau?;) Mit dem Gesänge der „Hatikwah^ .endete die erhebende Feier, , , AUS DER BEWEGUNG

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