Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 28 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316296-3316325--50853-3378155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
wurde. Diese Tatsachen bedeuten wieder einen' kleinen Schritt vorwärts in der sozialen Hilfsarbeit der jüdischen Frau. Wenn der Verband auch langsam vorangeht, so ist doch mit Sicherheit eine gesunde Entwicklung desselben zu erwarten. Gemeinsam ist man an verschiedenen Orten mit der Vorbereitungsarbeit zu Ortsgruppengründungen beschäftigt. Jüdische Frauen und Mädchen, die bereit sind, an diesem edlen Werke mitzuarbeiten, werden gebeten, ihre Adresse einzusenden an die erste Schriftführerin des Verbandes, Frau Dr. Bodenheimer, Köln a. Rh., Richmodstraße 6. Gesellschaft zur Forderung der Wissenschaft des Judentums In den Räumen des D. J. G. B. war Montag den 6. Juli l. J. der Ausschuß der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums zu längern geschäftlichen Beratungen versammelt. Der Geschäftsbericht konstatierte eine weitere Zunahme der Mitgliederzahl, die zurzeit über 1100 beträgt, sowie das Erscheinen mehrerer, teils von der Gesellschaft herausgegebener, teils von ihr subventionierter Schriften, wie des 1. Bandes des Maimonideswerkes, der 2. Auflage der trefflichen Schrift von J. Eschelbacher, „Das Judentum und das Wesen des Christentums", der Vorträge von N. Porges über den französischen Bibelexegeten Joseph BechorSchor und von J.Guttmann über Kant und das Judentum. Diese beiden Vorträge gelangen demnächst zur Verteilung an die Mitglieder der Gesellschaft; sonst erhielten diese noch außer dem Jahrbuche 1908 den ersten Band der gesammelten Schriften von David Kaufmann s. A. Noch im nächsten Herbst wird eine weitere wertvolle Schrift, „Die Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter", aus der Feder des Züricher Privatdozenten Dr. Caro, erscheinen. In eingehender Beratung verhandelte sodann der Ausschuß über die eigenen wissenschaftlichen Arbeiten der Gesellschaft, von deren erfreulichem Fortschreiten die einzelnen Kommissionen Kenntnis geben konnten, und nahm hierauf den Bericht des Berliner Universitätsprofessors Dr. N. Müller über seine Katakombenforschungen in Rom, zu deren Ermöglichung die Gesellschaft dem verdienstvollen Gelehrten einen namhaften Betrag bewilligt hatte, entgegen. Ober diesen Bericht werden wir demnächst ausführlicher referieren. Zum Schluß bewilligte die Versammlung noch eine Reihe von Subventionen für das kommende Geschäftsjahr, um das Erscheinen mehrerer für die Wissenschaft des Judentums verdienstlicher Arbeiten zu ermöglichen. Vom „Kiriath Sefer" Herr Beikind, der Leiter der Schule „Kiriath Sefer", hat die Schule neu eingerichtet und wieder eröffnet Es ist ihm gelungen, Herrn Wilkansky, absolvierter Agronom der landwirtschaftlichen Hochschulen in Breslau und Königsberg, für die Schule zu gewinnen. Die Not der New Yorker Juden Die schreckliche Not unter der jüdischen Bevölkerung des Eastends in New York hält an und verschlimmert sich von Tag zu Tag. Die United Hebrew Charities erhalten aus allen Teilen des Stadtviertels Hilfegesuche. Nach einer Aufstellung des geschäftsführenden Vorsitzenden dieser Organisation, Mr. Mathias D. Waldmann, ist zur Linderung der Not monatlich die Summe von wenigstens 15000 Dollars, d.s. 60000 Mark erforderlich. Die israelitischen Kultusgemeinden in Ungarn im Jahre 1906 . T: Nach dem Ungarischen Statistischen Jahrbuch, Neue Folge XIV, gab es im Königreich Ungarn am Ende des Jahres 1906 579 Muttergemeinden und 1769 Filialgemeinden. Von den Muttergemeinden waren 271 reformiert und 308 orthodox, von den Filialgemeinden 499 reformiert und 1270 orthodox. Unter den 411 Rabbinern waren 170 reformiert und 241 orthodox; unter den Rabbinatsverwesern, deren Zahl im ganzen 1241 beträgt, gab es 377 reformierte und 864 orthodoxe. Das orthodoxe Element überwiegt also in Ungarn bei weitem. Hermann Strucks neue Herzlradierung Das Herzlbild von Hermann Struck, das wir in dieser Nummer veröffentlichen, dürfte den meisten unserer Leser noch nicht bekannt sein. Es war zuerst in der Kunstausstellung des Haager Kongresses ausgestellt und erregte dort wegen seiner großzügigen Auffassung berechtigtes Aufsehen. Theodor Herzl, der Mann, der ungekrönte König, das ist die Idee dieses Bildes, für dessen Wiedergabe die zahlreichen Freunde des Künstlers unter unsern Lesern uns sicher dankbar sein werden. KORRESPONDENZEN Berlin, den 13. Juli 1908. Hochgeehrte Redaktion! Den falschen Ausstreuungen gegenüber, die seit längerer Zeit im In- und Auslande über die Tätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden und neuerdings besonders geflissentlich verbreitet werden, sehe ich mich veranlaßt, das Nachstehende in bezug auf unsere Hilfsaktion für die Auswanderer vor der Öffentlichkeit klarzustellen. Auf Veranlassung des Hilfsvereins der Deutschen Juden fand, wie bekannt, eine Konferenz am 4. und 5. Dezember 1904 in Frankfurt a. M. statt. Auf dieser Konferenz wurde beschlossen: „daß die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Auswanderung von Land zu Land überwacht werde," „daß ein „internationales Zentralbureau für die jüdischen Auswanderer aus dem östlichen Europa" gebildet werde." Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat. darauf gemeinschaftlich mit der Großloge für Deutschland in Gemäßheit der Frankfurter Beschlüsse, die Arbeit in Deutschland weiter ausgedehnt, der er sich auch bereits vor der Konferenz mit großen Opfern an Geldmitteln unterzogen hatte. Es war eine zwiefache Aufgabe zu erfüllen; als Landesorganisation für Deutschland hatten wir zu fungieren, und es mußte von uns zugleich ein internationales Zentralbureau für die jüdischen Auswanderungsangelegenheiten in Berlin, angegliedert an den Hilfsverein, ins Leben gerufen werden. Das war im Jahre 1904/5. Im Jahre 1906 schlössen sich darauf die Ica und die Alliance in Paris den Arbeiten unseres Zentralbureaus für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten in dankenswerter Weise an und gewährten uns für einen bestimmten Teil der Auswanderung ihre Beihilfe und zwar die Ica mit 75°/o und die Alliance mit I0%>. Es muß hervorgehoben werden, daß diese Subventionen für die von uns ins Leben gerufene Organisation als solche nicht verwendet werden durften und nicht verwendet wurden, daß alle Lasten für unsere Komitees an der Grenze, in den Hafenstädten und im Innern Deutschlands für die von uns gegründeten Herbergen, Verpflegungsstationen und. Krankenanstalten sowie auch die Ausgaben für einen beträchtlich näher abgegrenzten Teil der Auswanderung selbst nach wie vor vom Hilfsverein getragen worden sind. Um ein Bild zu geben von den Summen, die trotz der dankbar anzuerkennenden Subventionen der Hilfsverein aus eigner Kraft für die Auswanderung aufgebracht hat und noch aufbringen muß, sei auf die nachstehenden Zahlen verwiesen, die übrigens auch in unseren Jahresberichten klar und deutlich angegeben sind. Für die Auswanderung verausgabte das Zentralbureau f. j. Auswanderungsandavon gelegenheiten Hilfsverein Ica Alliance im Jahre 1904,5 rund 310 000 Jt 310 000 Jt k. Züsch.- k. Züsch. „ „ 1906 „ 453 256 „ 253 402 „ 176 342 23 512^- „ 1907 „ 400 000 „ 221 932 „ 157 119 „ 20 949 „ „ „ 1908bish. „ 100 000 „ 83 386 „ 14 288 „ 2 326 „ Seit Ende 1904, also seitdem die große Auswanderungsbewegung einsetzte bis heute, sind durch uns für die Auswanderung 1 213 256 Jt ausgegeben worden. Davon entfielen auf die Ica.............. 347 749 Jt „ „ Alliance........... 46 787 „ und „ den Hilfsverein ...... . . 868 720 „ Laut Schreiben der deutschen Konferenzgemeirischaft vom 25. Juni 1908 erreichte alsdann die Mitarbeit der Alliance an diesen Aufgaben am 1. April dieses Jahres überhaupt ihr Ende. Die Zahlen werden genügen, um die Öffentlichkeit über unsere Tätigkeit auf dem Gebiete des Auswanderungswesens zu unterrichten und sie in den Stand zu setzen, alle falschen Ausstreuungen auf diesem Gebiete wie auch auf andern Gebieten als das zu nehmen,- was sie sind. Ich bedaure, die Öffentlichkeit mit diesen Darlegungen befassen zu müssen; aber. sie sind eine Notwendigkeit, nachdem von den verschiedensten Seiten Anfragen wegen Klarstellung an mich gelangt sind. In größter Hochachtung , Dr. Nathan Geschäftsführer des* Hilfsvereins der Deutschen Juden im Ehrenamt