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Die Welt · 1908-07-03 · 26 (3.7.1908) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
26 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Organisationen in Deutschland im Sinne des Breslauer Beschlusses gewünscht. Ausgeschlossen hiervon sei jedoch der Zentralverein, dessen Programm in einigen Punkten unsern Anschauungen durchaus widerstrebt. Ferner wurden die Arbeiten und Gründungen des Palästinaamtes einer sachlichen und durchaus freundlichen Kritik unterzögen, und ist den Mitgliedern der Ortsgruppe dringend empfohlen worden, jene Bestrebungen durch eigene Beteiligung und Anregung auch in nichtzionistischen Kreisen nach Kräften fördern zu helfen. Kanada Die zionistische Bewegung in Kanada macht erfreuliche Fortschritte. Wir berichteten jüngst von der Einweihung des Zionistenheims in Toronto. Heute sind wir in der Lage, unsern Lesern ein Bild dieses prächtigen Gebäudes zu geben, das einen deutlichen Beweis für die Stärke der zionistischen Organisation und den Opfermut unserer Gesinnungsgenossen in Kanada bildet. Auch die Sammlung für den Parteifonds wird jetzt von unsern kanadischen Gesinnungsgenossen mit Eifer betrieben. Versammlungsberichte liegen uns vor aus Montreal (Kadimah), Toronto (B'nai Zion, Daughters of Zion) und vom Zionistischen Mädchenverein in Montreal, der jüngst auf einer Versammlung 150 Dollars (600 Mark) für den Parteifonds aufbrachte. Amerika Die Vorbereitungen für die XI. Jahreskonferenz des Federatiori of American Zionists sind in vollem Gange. Nach den bisherigen Meldungen ist zu erwarten, daß die Konferenz ungewöhnlich stark besucht sein wird und die Delegierten aus den entferntesten Bezirken, Florida, Texas, Kalifornien usw. anwesend sein werden. Gelegent- . lieh der Konferenz soll am 12. Juli im Theater von Atlantic City eine große Massenversammlung stattfinden. Zur Herzljahrzeit hat die Federation einen Aufruf erlassen, in dem sie auffordert, anläßlich dieses Gedenktages Versammlungen zu veranstalten, deren Ertrag dem Herzlwald zufliesen soll. In Wilmington und Houston sind neue Vereine gegründet worden. Eine hebräische Mittelschule in Palästina Vor etwa Jahresfrist hatte die Leitung des Misrachi beschlossen, eine Mittelschule in Palästina zu gründen. Nach genauer Orientierung und in Berücksichtigung der Urteile maßgebender Persönlichkeiten in Palästina, endlich auch nach Rücksprache mit den Leitern der\ großen Organisationen, welche das Schulwesen in Palästina beeinflussen, hielt der Misrachi Jaffa für geeignet dort seine Schule zu eröffnen. Nachdem sich auch Herr Oberrabbiner Kuk-Jaffa mit dem Projekte einverstanden erklärt hat, soll die Eröffnung der untersten Klasse baldmöglichst erfolgen. Die Schule soll, dem Prinzipe y'ynri. a"D~in b"' entsprechend, ihren Zöglingen eine gründliche jüdische Bildung aus Tnach und Schass vermitteln und sie zugleich befähigen, als pflichtbewußte, gesetzestreue Juden ihren Lebensunterhalt durch tedliche Arbeit selbständig zu erwerben. Die Unterrichtssprache wird das Hebräische sein; Arabisch, als Landessprache, soll vom zweiten Schuljahr an gelehrt werden und eine europäische Sprache nur in den oberen Klassen und nur in dem Umfang, als es die Handelsbeziehungen Jaffas resp. Palästinas erfordern. Auf diese Weise hofft der Misrachi, die strebsamen und tüchtigen Elemente, welche heute infolge der zu hohen Bewertung der europäischen Sprachen im Unterrichtsplan der palästinensischen Jugend zur Auswanderung verleitet werden, zur Seßhaftigkeit in Palästina zu erziehen. Ein erweiterter Schulrat soll demnächst gebildet werden. Demselben werden neben den bisherigen Initiatoren anerkannte, führende Männer des gesetzestreuen Judentums angehören. Spezialbericht über den Ersten Westösterreichischen Zionistentag Sonntag den 28. und Montag den 29. Juni tagte in Brünn der Parteitag der weslösterreichischen Zionisten. Der Eröffnung ging eine Konferenz des vorbereitenden Ausschusses voran. Da es nicht gelungen war, in der Organisationsfrage eine Einigung zu erzielen, wurden zu diesem Punkt der Tagesordnung zwei Referenten bestimmt. - Im Auftrage des Ausschusses eröffnet Herr Adolf Böhm (Wien) um lyi3 Uhr nachmittags ■ den Parteitag. Er weist auf die Vorgeschichte der Brün-ner Konferenz hin, die die Einberufung des Parteitages; beschlossen hatte, begrüßt die Delegierten und nimmt die Wahl des Bureaus vor. Zum. Vorsitzenden wurde Herr. Bechert (Teplitz), zu Stellvertretern die Herren Drl S: Werner . (Iglau) und Dr. Engl a ender (Wien) gewählt Als - Schriftführer fungierten die Herren Gallus, Altar und Schönhof. In den Legitimationsausschuß wurden die Herren Eckstein (Troppau), Leop. Sitz mann (Wien) und Widmann (Prag) gewählt Vors. Bechert begrüßt insbesondere den zum Parteitag entsendeten Vertreter der autonomen Judengemeinde-Pohrlitz und dankt dem vorbereitenden Ausschuß für seine Bemühungen um die Organisierung des Parteitages. .Herr Finzi (Troppau) erläutert seinen Organisationsentwurf. Eine Einigung mit dem Korreferenten Herrn Dr. E. Margulies war nicht zu erzielen. Die zu schaffende Organisation soll ein Verband der westösterreichischen Distrikte sein, es soll zugleich eine Vereinigung von West und Ost zu einer Gesamtorganisation angebahnt werden. (Beifall.) Korref. Dr. Emil Marguli es (Trautenau) bestreitet zunächst, daß der Parteitag die Schaffung einer Organisation durch Majorisierung irgendeiner Gruppe beschließen könne. Die österreichische Landesorganisation besteht noch zu Recht. Die westösterreichischzionistische Organisation kann nur ein föderativer Verband der Distrikte sein. Es muß jeder Distriktorganisation überlassen bleiben, über die Zugehörigkeit ihrer Mitglieder zur Organisation autonom zu entscheiden. Das Zentralkomitee kann nur eine kollegiale Behörde sein. Zwischen den Referenten ergeben sich somit folgende Differenz- -punkte. 1. Nach Dr. Margulies soll der Obmann des Zentralkomitees von demselben gewählt werden. Herr Finzi befürwortet die Wahl des Präsidenten durch den Parteitag. 2. Herr Dr. M. verlangt, daß ins Zentralkomitee nur im Distrikte wohnende Gesinnungsgenossen entsendet werden können. Der Referent verwirft diese Einschränkung. 3. Der Referent verlangt einen 50% hohen Schekelanteil zur Erhaltung des Zentralkomitees. Dr. Margulies fordert die "volle Abführung des Schekels an das Aktionskomitee. . Der Verband ist von den Distrikten zu erhalten, die für sich aucheine Rückvergütung vom A. C. verlangen können. Vorsitzender Bechert unterbricht die Sitzung, um dem gewählten dreigliedrigen Ausschuß die Möglichkeit zu geben, über ein Kompromiß schlüssig zu werden. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen stellt im Auftrage des Ausschusses" Herr Finzi die Bedingungen zusammen, unter welchen ein Zustandekommen der Organisation möglich erscheint a) Dem zu gründenden Verbände gehören die Distrikte mit ihren Mitgliedern an., b) Die Distrikte behalten die ihnen zustehende Autonomie, als Teile der österreichischen Landesorganisation, c) Eine Statutenänderung, die die Einschränkung dieser Autonomie inolviert, setzt die Zustimmung aller drei Distrikte voraus, d) Die Vollzugsorgane der Organisation sind der westösterreichische Zionistentag, Zentralkomitee und Zentralbureau. Im Zentralkomitee haben auch die geschäftsführenden Leiter der Distrikte Sitz und Stimme, e) Die Kosten zu Erhaltung des Zentralbureaus werden von den drei D.-K. aufgebracht, eine Heranziehung der Mitglieder zur direkten Beitragsleistung ist nicht statthaft, f) Der Verband scheidet die innere Landespolitik aus seinem Tätigkeitsbereich gänzlich aus. Es wird nunmehr über die Vorschläge des Komitees und der Referenten die Generaldebatte eröffnet. Fritz Low (Proßnitz) wünscht die Vereinigung, den engen Zusammenschluß, der Zionisten und nicht der Distriktskomitees. Das würde eine Macht darstellen. Das frühere Landeskomitee war nicht so schlecht. Wir haben keinen Einfluß in den Kulturgemeinden, darin liegt die Schwäche der Partei. Das Organisationsstatut ist schließlich gleichgültig, wenn nur. die Männer da sind, die die Arbeit richtig leiten. Redner ist für die volle Ablieferung der Schekel, . jedoch gegen die Seßhaftigkeit der Zentralkomiteemitglieder, d." h. gegen die Bedingung, daß nur in ihrem Distrikte wohnende Gesinnungsgenossen die Distriktsorganisation, im Z.-K. vertreten können. Der Obmann des Z.-K. soll vom Parteitag'gewählt werden, soll er Führer und nicht bloß Geschäftsführer sein. Dr. Werner (Iglau) wünscht «inen.Zusammenschluß mit der galizischen Landesorganisation. Dr. E. Margulies scheint im Besitze eines imperativen Mandats zu sein. Seine Bedingungen sind ultimativ. Das ist unzulässig. A. Böhm (Wien): Wir gehen einer Integration entgegen. Ein gesamtösterreichische*s Landeskomitee gibt es jedoch nicht und wird' es in absehbarer Zeit nicht geben. Redner wendet sich gegen die Seßhaftigkeit der Distriktsvertreter. Die Beweggründe des Korreferenten Dr. Margulies sind ja zur Genüge 'evident. Es ist das die Gegnerschaft gegen die innerpolitische Betätigung, die zu solchen Vorsichtsmaßregeln rgreifenläßt - Man muß. aber, auch für

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