Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 26 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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^-^r^'i^S-^- L^fESiftELT- .10.;.......................;,,......„,.,.= ein neues Lebensprinzip in Jerusalem verkündet, dessen Krone Arbeit . und. Freiheit heißt. Schon hat dies, wenn , auch nicht materiell, so doch ideell Wunder gewirkt, und es gibt wohl wenige Menschen in Jerusalem, zu. denen nicht eine dunkle. Kunde vom „Bezalel" oder seinem wundersamen „Rabbi" gedrungen wäre. Und ein guter, ein jugendlicher und .ernster Hauch liegt über dem neuen, stolzen. Hause. : Dann versuchten sie .ein Beth-Am zu schaffen, mit weiten Vortrags- .und Leseräumen, -freilich kein echtes Volkshaus,. — denn wer vermöchte schon die Brücke zu schlagen zu den Zehntausenden, -deren Kinder kaum noch zu uns kommen werden. Und wir selbst."haben; dazu noch sehr geringe Kräfte. So ist es-doch, ein Haus für uns, ein Sammelpunkt der nationalen Gemeinde, die, wenn sie ernst arbeitet, weite Wirkungen üben kann. Doch haben wir auch das Recht, vor den Kolossalmauern der Vergangenheit von unserer Gegenwart zu sprechen, vor den Erinnerungsstätten der Propheten. von den : manchmal so kleinen Truppen auf neuen Wegen? Vergängliches und Unvergängliches, — wer aber vermag dies in Jerusalem zu scheiden? Wer wagt es, das eine zu gestehen und, das andere schlankweg zu leugnen? Und mich dünkt, daß wir gerade hier, wo unsere Geschichte mit der Natur wie verwachsen ist, ein Anrecht,-ja eine Pflicht an uns haben. Wie ein goldenes Sternennetz hängt die Nacht über uns. Hügel auf und ab dämmert es in der Ferne. . Und die Perspektive der Weite verschwindet wie das Maß der Höhe. Es ist eine jener Nächte,; von denen sie sagten, daß Jerusalem dann dem Himmel näher sei als irgendeine Stadt der Erde. Und hinter den Steinen, hinter den Mauern der Vergangenheit und den Ruinen der Gegenwart, regt sich etwas. Irgendein Erwachenwollen vor dem Erwachen, irgend ein erstes Leuchten, das. dem ersten Morgenstrahl ,voraüfgeht, irgendeine Kraft, die noch nicht weiß, ob sie morgen stürzen oder bauen wird. Und wir wissen nicht, was das Erwachen sein wird. No. 26 Aus meinem Notizbuch 40 000 Menschen sind in Uganda vor Hunger gestorben. So berichten sämtliche englischen Zeitungen. Und dort in Uganda — fügen die Blätter hinzu — ist der „Hungertod" keine Phrase, keine „licentia poetica". Es ist nichts gediehen, es fehlte an Nahrungsmitteln, und das Hungersterben begann. Weite Flächen sind mit den von der Sonne gebleichten Gerippen der Hungeropfer bedeckt. „Die Zahl ist etwas zu hoch gegriffen" — schreibt die „Times". Aber sie leugnet nicht, daß die Hungersnot viele Tausende Opfer verschlungen hat. Eine große Dürre — erklärt das Cityblatt — hat die wenigen Weideplätze verödet. Das Vieh blieb ohne Futter; -es -begann hinzusiechen, wurde meist geschlachtet oder starb. Die Menschen nährten sich, so lange sie konnten, vom Aas der Tiere; das eßbare Gemüse war verzehrt, man aß Gras und Baumrinde.. Die Menschen wurden immer schwächer;, keine Zufuhr, keine Wege, die englische Verwaltung sah sich der Not im Innern des Landes hilflos gegenüber, man erfuhr zu spät und man hatte auch keine Mittel usw. Der wohlgelungene Beschönigungsversuch schließt mit einem erbaulichen Hinweis auf Indien. „Kamen ja ähnliche Dinge . auch in Indien vor." ••...•So sieht das Eldorado aus, um das so viel unter uns herumgestritten worden ist. Als die Expedition zu einem abfälligen Urteil gelangt war, wollten manche. Leute nichts davon hören. Es wurde protestiert,- getobt, gewütet . Und man hört noch so manche sagen: daß man dieses Angebot nicht angenommen hat, — das war ein Verbrechen! . Und was alles aus der Uganda-Episode geworden ist! Ich möchte . unseren „Ugandisten" obige Nachrichten und die Erklärung der „Times" zur Beachtung empfehlen. Aber ich fürchte, sie werden behaupten, die „Times" sei zione-zionistisch ... Das Pferderennen in Rechöboth. Wenn man. am •großen Derbytage zufällig nach Paris oder nach London versehlagen ist, wird man von dem Menschenström zum Rennplatz mit den Logen, mit denr beflaggten Tribünen mitgerissen und förmlich nach dem-Rennplatz getragen. Und spielt man nicht und ist man weder Sportsman noch Genealoge auf dem -Pferdegebiete, so erscheint das Ganze als eine leere, erkünstelte Emotion für Luxusmenschen, die nichts Besseres zu tun haben. Man wird von diesem Eindruck nicht frei, auch wenn man hie und da in Büchern und in Zeitungen die bekannten Gemeinplätze gelesen hat: die Hebung der Rassenzucht; der Wetteifer der Pferdezüchter ist ein wichtiger Faktor in der Entwickelung des Ackerbaues, der Viehzucht usw. '. Diese Gedanken sind gar nicht so tief, daß es schwer wäre, sie zu erfassen. Aber ich glaube, so sehr wir uns manchmal solche Begriffe aneignen und so eifrig wir uns, manchmal nicht ohne Er-" folg, einbilden, für diese Dinge ein wirkliches Interesse zu haben, uns fehlen doch die richtigen Beziehungen,, oder sie sind nur ganz . entfernte: Was geht uns die Pferdezucht an? Geht unsereiner auch einra,al hin und amüsiert sich; da wird ihm spontan ein-gewisses. Interesse abgerungen, ein impulsiver Sprung, aber nach allem erschemt der „jüdische Verstand" und fragt: Wozu diese Narreteien? ' In der Tat sind es keine Narreteien, und der jüdische Verstand ist in. dieser-; Beziehung gar nicht vernünftig. Es ist die'Tragik des träumerischen Grübelns und des Zwecksuchens, es ist die banale und blasierte. Pfiffigkeit städtischer Philister, die sich künstlich aufregen können, für die aber die Dinge an sich'wertloser Plunder sind. Die Dinge wachsen, wie es sich gehört, nur aus der Natur und aus einer normalen Entwickelung heraus. Sie mögen in ihren Anfängen noch so klein sein, aber sie sind wahr. Sollen in Palästina jüdische „sportsmen" entstehen, so werden sie auch wahr sein, wahrer als ein Ephrussi.'der zwar sehr kavaliermäßig tut, dem es doch besser paßt, über .die Cowess nachzudenken. Hier ist alles Manier, geschickt oder plump nachgeahmt; dort ist alles wahr, — auch die sogenannten „Narreteien". Es wird immer interessant sein, den Judenin Palästina in seinen menschlichen Momenten zu belauschen, wenn er das Superkluge und Hyperblasierte des Ghettos abgestreift und zu sich selbst gekommen - ist. Es zeigt sich dann, daß in ihm der allgemeine Mensch steckt. Der Zionismus ist eben ein Heimweh nach-diesem wahren Menschtum, .das uns sowohl im alten wie im neuen Ghetto in der schlichten, geradlinigen. Form fehlt Ein Wall von Theorien, von fremden Meinungen, Vorurteilen, von angelernten, anempfundenen, halb geglaubten, halb gedankenlos nachgesprochenen .Mödeworten "und herkömmlichen Werturteilen schiebt sich zwischen unser natürliches Empfinden -und unsere Manier. Die fremden Kultureinflüsse trüben die . Naivität unseres subjektiven Empfindens und verhindern-die Aufrichtigkeit des per sönlichen Bekenntnisses. Schule und Erziehung, gesellschaftliches Leben, Zeitschriften und Bücher belehren/ regen an; wecken Teilnahme .und Wertgefühle, aber-sie sind nicht ursprünglich unser: sie werden empfundeif utiter ' der Mächt der Suggestion und der feinen Sitte. Der Jude des alten'.wie des neuen Ghettos läßt sich einreden, was" schön und häßlich, was bewunderungswert und was zu tadeln:sei, aber er wagt nicht das eigene Empfinden, wenn es von der für maßgebend geltenden Mode abweicht unbefangen zu äußern, aus Furcht den Namen eines gebildeten Menschen zu verlieren. ..-Er ist in diesem Sinne unfr,ei.. Vieles würde er über aafe^Si^s^^^