Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-06-26 · 25 (26.6.1908) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
25 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316322--50775-3378074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 25 dies|kelt 13 Ausgaben. Bureauunkosten............Jt 2343.80 Agitationsunkosten...........„ 349.30 Gruppenverbändeuukosten.......„ 200.— Zentralkomiteeunkosten.........■„ 909.45 Jetziger Bestand............„ 1640.45 JL 5443.— Etat 1906 07. Einnahmen. Betriebsfonds 1905/06 .........JL 1640.45 Schekelquote (15 °/o).........-. „ 1002.— Landesbeiträge............„ 2931.25 J6 5573.70 Ausgaben. Bureauunkosten............JL 2859.14 Agitationsunkosten (Gruppenverbandsbeihülfen usw.)............ n 723.49 Broschürenagitation inkl. Abschreibungen . „ 787.81 Versendung der Broschüre „Jüdische Volksbewegung" .............„ 703.20 Betriebsfonds.............„ . 160.06 JL 5573.70 Aus unsern Etats ergibt sich, daß die Einnahmen aus Landesbeiträgen nicht gewachsen sind. Wir sind aber auf eine Verstärkung dieser Einnähmen angewiesen, da wir Abzüge von den Schekelgeldern nicht mehr machen dürfen, während wir früher 25 Prozent und dann 15 Prozent einbehalten durften. Es wird Aufgabe des Delegiertentages sein, nach dieser Richtung Beschlüsse zu fassen, denn unsere Ausgaben zu verringern, ist uns nicht möglich. Dieselben sind bereits so niedrig als möglich bemessen, und wir sind leider häufig gezwungen, Anträge auf Zuschüsse, die besonders von neugegründeten Gruppen an uns gerichtet werden, abzulehnen. Eine Verringerung unserer Ausgaben, die im laufenden Jahre bereits'jetzt 5600 JL betragen, ist auch schon deshalb nicht möglich, v/eil die Zahl unserer Korrespondenten von Jahr zu Jahr wächst. So stehen wir jetzt mit Vertrauensmännern in 170 Orten in Verbindung. Für das laufende Rechnungsjahr können wir einen Etat noch nicht vorlegen, da dasselbe, wie schon gesagt, erst mit dem 30. Juni schliesst, doch ergeben die bisherigen Einnahmen und Ausgaben, daß sich das Bild gegen das Vorjahr nicht ändern wird. Für das Jahr 1906/07 ist unser Rechnungswesen, einschliesslich der Nationalfondverwaltung, durch Herrn Dr. Hans Heymann als Revisor geprüft worden. Die Tätigkeit des Zentralbureaus hat sich somit in der zum Bericht stehenden Zeit im grossen und ganzen in denselben Bahnen bewegt, wie in den Vorjahren. Wir haben uns im wesentlichen darauf beschränken müssen, den Ortsgruppen das Agitationsmaterial zur Verfügung zu stellen und allgemeine Anregungen für die Propaganda zu geben. Dagegen ist es uns nur in seltenen Fällen möglich gewesen, neue Gruppen zu schaffen. Nach dieser Richtung waren wir vollkommen auf die Initiative einzelner Ortsgruppen und Vertrauensmänner angewiesen. Abhilfe Hesse sich nur schaffen, wenn ein besoldeter Parteisekretär angestellt werden könnte, oder wir sonst in grösserem Maße Gelder für die Gründung neuer Ortsgruppen verwenden könnten. Die Frage der Erhöhung unserer Einnahmen ist umso dringender, als wir ja auch jetzt mit denselben nicht mehr auskommen. Wir schlagen daher vor, daß die bisherige Verpflichtung der Ortsgruppen zur Aufbringung der Landesbeiträge dahin erweitert wird, daß jede Ortsgruppe in Zukunft so viel Landesbeiträge abzuführen hat, als die Zahl der Schekelzahler beträgt. Bisher war diese Verpflichtung nur auf diejenigen Schekelzahler beschränkt, welche Mitglieder der Ortsgruppen sind. Die nunmehr geforderten Mehrleistungen werden zum großen Teil von den Ortsgruppen dadurch gedeckt werden können, daß überall darauf hingewirkt wird, daß auch die nichtorganisierten Schekelzahler den Landesbeitrag entrichten. Soweit dies nicht gelingt, würden allerdings die Ortsgruppen zu den Kosten der Zentrale geringe Zuschüsse aus ihrer Kasse leisten oder für ihre Mitglieder die Landesbeiträge erhöhen müssen. Dann glauben wir in der Lage zu sein, auch diejenigen Wünsche zu befriedigen, welche wir bisher aus Mangel an Mitteln nicht erfüllen konnten und unsere propagandistische Tätigkeit weiter auszubauen. Gronemann. Hantke. Leszynsky. Wollsteiner. Auszug aus der Rede von Dr. Schemarjah Lewin „Die kulturellen Aufgaben in Palästina" Nach all den Debatten, die hier geführt worden sind, will es mir beinahe scheinen, daß der alte Streit innerhalb der zionistischen Bewegung, dem längst die Spitze abgebrochen wurde, mit erneuter Kraft auf beiden Seiten in Vordergrund tritt. Wieder haben wir gehört von der verschiedenen Auffassung des Zionismus, von seiner östlichen und westlichen Antithese, von dem verschiedenen Gepräge, das ihm gegeben werden soll. Auf der einen Seite wird der Zionismus mehr als Form aufgefaßt, in die man den verschiedenen Inhalt noch hineinzudenken hat, auf der anderen Seite wird mehr vom Inhalt des Zionismus gesprochen, von einem bestimmten Inhalt, der dem Gesetze der Undurchdringlichkeit gemäß keinen Nebeninhalt zuläßt. Nun dürfen wir aber nicht vergessen, daß der Zionismus nicht nur eine Bewegung darstellt — der Zionismus ist hauptsächlich eine Lehre, und wenn wir ihn sogar von der praktischen Seite betrachten, so darf er noch immer seinen Hauptcharakter als Anwendung einer bestimmten Weltanschauung auf die endgültige Lösung der Judenfrage nicht einbüßen. Der Streit kann sich nur um praktische Fragen drehen, aber auch in Bezug auf solche Fragen ist in dem Zionismus als Weltanschauung die Grenze gegeben, die nicht überschritten werden darf. Droht eine bestimmte Taktik den Zionismus zu verdunkeln, seine innere Kraft und Tiefe abzuschwächen, so ist sie von vornherein nicht annehmbar. Da also der Zionismus in sich eine bestimmte Lehre enthält, so darf es nicht befremdend erscheinen, geschweige gar empörend wirken, wenn manche von uns auf unseren Delegiertentagen von Zeit zu Zeit rein theoretische Erörterungen vorbringen, um auf den Ursprung des Zionismus zurückzukommeu und seine ideellen Momente in unserem Gedächtnisse wachzurufen. Eine Lehre, wie die, auf der der Zionismus basiert, ist kein mathematischer Lehrsatz, welcher nicht wiederholt zu werden braucht, wenn er einmal scharf eingeprägt wurde. Die innere Kraft des Zionismus als eines Bestandteiles der allgemeinen nationalen Frage besteht in seiner Dynamik, in seiner fortwährenden Entwicklung, Erweiterung und Vertiefung. Noch eins dürfen wir nicht außeracht lassen. Nicht Bewegungen als solche haben die Welt erobert oder neue Welten geschaffen, sondern die Ideen, die die Bewegungen hervorriefen, und zwar diejenigen Ideen, die das moralische Bewußtsein in einem Teile der Menschheit wachriefen. Die großen Reformatoren auf verschiedenen Gebieten des Lebens verdanken ihren Sieg dem prophetischen Funken, der ihnen innewohnte. Und wenn es sich sogar in erster Reihe um rein irdische Güter handelte. Nicht das Streben nach irdischen Gütern als solche bildete den Kernpunkt von bestimmten Lehren, sondern das Prinzip der Gerechtigkeit und der Gleichheit, das diesem Streben zugrunde gelegen und ihm Intensivität und innere Kraft verliehen hat. Jede Lehre, wie das Leben im allgemeinen, hat zwei Seiten, und diese können nicht treffender bezeichnet werden, wie mit den alten Namen: Halacha und Hagada. Heine, der kein Kenner des Judentums, aber ein großer Ahner desselben war, schildert meisterhaft in seinem wunderbaren Lie<i über Rabbi Jehuda Halevy die Halacha und die Hagada, indem er iene mit einer Fechtschüle, wo heiß gekämpft wird, diese mit dem wunderschönen Garten der Semiramis vergleicht. Und wenn es zu heiß wird im Kampfe auf dem Schlachtfelde der Halacha, dann begeben wir uns in den schönen Hagadagarten, „jener seligen Geheimwelt, jener großen Offenbarung, die wir nennen Poesie", und wir schöpfen dort neue Kraft zum weiteren Kampfe. Nur eine solche Bewegung, die auf diesen beiden Momenten der Halacha und der Hagada begründet ist, und wo die beiden Momente abwechselnd oder parallel wirken, ist lebens- und entwicklungsfähig, denn jede Bewegung kann nur als Synthese dieser beiden Momente betrachtet werden. Und nun möchte ich wünschen, daß unsere Gesinnungsgenossen im Westen nicht so einseitig werden, indem sie ihr Augenmerk nur auf die Halacha richten, die Grenzen des Zionismus so weit erweitern wollen, daß vom eigentlichen Zionismus nur sehr wenig übrig bleibt. Es liegt nicht der Gedanke fern, diese Schuld ausschließlich den westlichen Zionisten zuschieben zu wollen. Denselben Fehler haben wir in den letzten Jahren in Rußland begangen. Er wird jetzt auch in Österreich gemacht, und ich kann nur warnen vor seiner Wiederholung in Deutschland, denn er muß mit logischer Notwendigkeit auf den Zionismus abschwächend und verdünnend einwirken. Es ist keine Anekdote, was ich hier vorführen will, auch bitte ich Sie, betrachten Sie es nicht als Witz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.