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Die Welt · 1908-06-12 · 23 (12.6.1908) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
23 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Palästinakommission konnte nichts weiter tun, als belehrend und aufklärend zu wirken. Hingegen ist sie bei der Gründung der Hamburger Palästina - Handelsgesellschaft, welche dem Import palästinensischer Waren gewidmet ist, tätig gewesen. Leider hat es diese Gesellschaft nicht verstanden, in Palästina größere Geschäftsverbindungen anzuknüpfen, anderseits ist sie durch Verluste beim griechischen Korinthengeschäft infolge des Konkurses eines großen griechischen Kaufmannes so mitgenommen, daß es kaum wahrscheinlich ist, daß sie diesen Schlag überstehen wird. Im allgemeinen kann man aber sagen, daß zwar gewöhnliche kleine Betrügereien, z. B. durch Beschwerung der Wolle mit Steinen und Schmutz, auch in Palästina häufig vorkommen, daß aber solche Schwindelgeschäfte, wie sie die griechischen Kaufleute Konstantinopels, Griechenlands und Kleinasiens machen, bei den jüdischen und arabischen Kaufleuten Palästinas so gut wie ausgeschlossen sind. Der Mißerfolg der Palästina-Handelsgesellschaft ist also keineswegs den palästinensischen Zuständen zur Last zu legen. Im übrigen wird ja der Handel in erheblichem Maße von der Anglo-Palästine Co. in Jaffa, Jerusalem und Beirut unterstützt, jener von dem Jewish Colonial Trust finanzierten Bank, die im letzten Jahre nicht weniger als 2 Millionen Mark an jüdische Kaufleute ausgeliehen hat und auch schon mit einer zahlreichen, arabischen und christlichen Kundschaft arbeitet. Besonders erfreulich ist es, daß diese Bank sogar die Anerkennung unserer Gegner gefunden hat, und daß die durchaus bureaukratisch geleitete und daher Neuerungen gegenüber wenig zugängliche Jewish Colonisation Association, J. C. A. genannt, allmählich anfängt, sich derselben an Stelle der christlichen Banken für kleinere Geschäfte zu bedienen. Bedauerlich ist es aber, daß noch immer keine wirklich kapitalkräftigen jüdischen Kaufleute es der Mühe wert gefunden haben, sich als Exporteure oder Importeure in den Küstenstädten Jaffa, Haifa, Gaza zu installieren. Jetzt, wo sie in den dortigen Kaufleuten so ausgezeichnete Landeskundige und an der Bank einen so guten Rückhalt besitzen, sollte es doch nicht allzu schwer sein, mit den griechischen und arabischen Kaufleuten zu konkurrieren und den Export der großen Artikel, wie Gerste, Wolle, Sesam etc., in die Hände zu bekommen, zumal da doch der Handelsumsatz Palästinas in geradezu erstaunlicher Weise zunimmt. Z. B. stieg der Gesamtwert des Imports und Exports von Jaffa von 1905 und 1906 um 40 °/o, d. h. von 830 000 £ auf 1 160 000 £, und zwar verteilt sich die Zunahme in ungefähr gleicher Weise auf Einfuhr und Ausfuhr. Der Petroleumimport hat sich in den letzten 6 Jahren verdoppelt, was speziell dem steigenden Petroleumverbrauch der Landbevölkerung und der Zunahme der Petroleummotoren zuzuschreiben ist, die wiederum eine Folge der Anlage neuer Orangengärten ist. Aber auch die Baumwollwaren und besonders Baumaterialien, Holz und Eisen, werden in schnell steigender Menge eingeführt infolge der großen Bautätigkeit in den jüdischen Kolonien und den Städten Jerusalem, Jaffa und Haifa. In Jerusalem sind vor wenigen Wochen 200 neu erbaute Häuser vollendet worden, und in Jaffa ist die Bautätigkeit eine verhältnismäßig noch größere; die jüdische Baugesellschaft Agudath Bauth, die auch von unseren offiziellen Institutionen ein größeres Darlehen erhalten wird, beabsichtigt sogar, demnächst einen ganz neuen Stadtteil in Jaffa der Bebauung zu erschließen. Auch in Haifa rüstet sich alles auf den in den nächsten Jahren ganz sicher eintretenden Aufschwung; Haifa ist ja der Ausgangspunkt der Hedschasbahn, der Hafen soll dort ausgebaut werden, und dann wird er mit Hilfe der jetzt beschlossenen Bahnverbindung mit Jerusalem auch wohl der Haupthafen des palästinensischen Fremdenverkehrs werden. Vorläufig ist die jüdische Gemeinde dort noch sehr klein, aber es ist zweifellos, daß sie sich schnell entwickeln wird, namentlich wenn, wie zu erwarten ist, der Hilfsverein dort eine Schule und das Technikum gegründet haben wird. Energischen Kaufleuten ist daher vor allem zu empfehlen, sich an diesem bald einer rapiden Entwicklung entgegengehenden Platze anzusiedeln; neben der Zunahme des Warenexportes und Importes kommen auch die Lieferungen für die Regierung und die Verwaltung der Hedschasbahn sehr in Betracht, die größtenteils von Haifa aus vergeben werden. Zur Ermöglichung solcher größeren Geschäfte kann die Einrichtung einer Filiale der Anglo-Palestine Co. in Haifa nicht dringend genug angeraten werden. Industrie. Einer korporativen Behandlung weit besser zugänglich als der Handel ist die Industrie: Um diese zu fördern, hat die Palästinakommission die Gründung eines Palästina-Industrie- Syndikates veranlaßt, das, vorläufig mit 100 000 Mk. begründet, momentan mit Vorarbeiten in Palästina beschäftigt ist. Der Arbeitsplan des Syndikates geht nicht dahin, selbst Industrie in Palästina zu betreiben, sondern informative Materialien zu erlangen, Konzessionen zu erwerben und zu verwerten, Projekte auszuarbeiten und die. Finanzierung der Betriebsgesellschaften in die Hand zu nehmen. Selbstverständlich ist das Syndikat genötigt, sehr vorsichtig zu arbeiten, um nicht gezwungen zu sein, sein kleines Kapital auf Jahre hinaus festzulegen. Es wird im wesentlichen von der Unterstützung der vom Syndikat zur Reife gebrachten Projekte durch das Privatpublikum abhängen, ob die Tätigkeit des Syndikats eine fruchtbringende sein wird; würden wir uns hierin täuschen, so würde das Syndikat durch Begründung einer einzigen Industrie sein Kapital bald erschöpft haben. Infolge des starken Wunsches vieler russischer und rumänischer Stammesgenossen, ihre Kapitalien und ihre Arbeitskraft.in Palästina zu fruktifizieren, ist schon mancher Anfang einer Industrie geschaffen worden, ich erinnere nur an die größeren Mühlenbetriebe, wie z. B. Serubabel in Jerusalem, an die Ölraffinerie und Seifenfabrik Hathid bei Ramleh und Haiffa, an die Steinsche Maschinenfabrik in Jaffa, die schon zwei Jahre hindurch über 20°/o Dividende gezahlt hat und jetzt im Begriffe steht, nachdem sie sich als englische Gesellschaft hat eintragen lassen, ihr Kapital zu erhöhen. In dieser Beziehung läßt sich noch vieles machen, besonders bezüglich der keramischen und der Konserven-Industrie, sowie in bezug auf Spinnerei und Weberei. Anfänge sind schon vorhanden, aber meist fehlt es an Kapital oder an Fachkenntnis, zuweilen auch an beiden. Für den ruhigen Beobachter des Landes kann es einem Zweifel nicht unterliegen, daß die nächsten Jahre der palästinensischen Industrie einen nicht unbedeutenden Aufschwung bringen werden, besonders wenn in zwei Jahren die beschlossene Eisenbahn Haiffa- Jerusalem fertiggestellt sein wird. Kleinindustrie. Erfreulich ist es, daß man in Palästina nicht mehr ausschließlich auf Hilfe von außerhalb wartet, sondern daß man dort jetzt Organisationen schafft, um sich selbst zu helfen. Und in der Tat ist die Kleinindustrie in Palästina noch einer bedeutenden Ausdehnung fähig. So bezweckt die vor kurzem gegründete Gesellschaft Bnei Jehudä in Jerusalem allgemein die Hebung von Gewerbe und Industrie in Palästina; sie hat eine kleine Weberei errichtet und plant eine Wollspinnerei. Ihre Abteilung Kodesch Mikodesch (Heiliges vom Heiligen) will die Herstellung von Kultgegenständen für den lokalen Gebrauch und den Export organisieren: Leuchter, Tiffilin, Mesusoth, Megiloth, Bibel, Hagadah, Gebetbücher usw. sollen dort für die ganze Welt hergestellt werden. Auch Kreditvereine werden jetzt überall unter Mithilfe der Anglo Palestine Co. gebildet; so zählt der Kreditverein in Jaffa 190 Mitglieder und hat im vorigen Jahre 60 000 Fr. Darlehen seinen Mitgliedern gewährt; auch ein Tischlerverein existiert in Jaffa. Die Anglo Palestine Co. hat nicht weniger als 500 000 Fr. jüdischen Industriellen, Fabriken etc. im letzten Jahre als Darlehen gegeben. Kunstgewerbe. Die Palästinakommission hat sich außer der Gründung des Palästina-Industrie-Syndikats auch durch die Gründung der Kunstgewerbeschule „Bezalel" um die Industrie verdient gemacht. Es ist ja bekannt, daß diese Schule jetzt eines der schönsten Häuser Jerusalems bewohnt, das, zusammen mit dem Nachbarhause, vor kurzem mit Mitteln des Nationalfonds angekauft wurde. Während das zweite Haus, das vermutlich später das Museum beherbergen wird, noch von einer amerikanischen Schule bewohnt wird, ist das Haus des Bezalel schon bezogen worden. Gerade jetzt hat die Einweihung stattgefunden, und zwar wurde damit eine Ausstellung der Schülerarbeiten verbunden, die derart starken Besuch, und zwar auch seitens der offiziellen Kreise, wie der Konsulate und Behörden, aufwies, daß viele Leute keinen Zutritt erlangten und die Ausstellung deshalb verlängert werden mußte. Zweifellos ist Palästina ein Land, wo das Kunstgewerbe zu großer Blüte gebracht werden kann, wenn es den orientalischen Stil den westlichen Bedürfnissen anzupassen versteht, und es ist das Bemühen der beiden Hauptlehrer des Bezalel, des Bildhauers Prof. Schatz und des berühmten Malers Hirszenberg, diese Verbindung in einer solchen Weise herzustellen, daß neben dem allgemeinen orientalischen Milieu auch die jüdische Eigenart und die palästinensische Lokalnuance hierbei nicht zu kurz kommt. Es tut mir leid, konstatieren zu müssen, daß der Bezalel seitens der Zionisten bisher nicht die Sympathie gefunden hat, die er verdient; wenigstens spricht sie sich nicht in tatkräftiger Förderung aus. Von den ca. 600 Mitgliedern, die der Verein Bezalel jetzt besitzt, sind kaum die Hälfte bewußte Zionisten. Eine kleine Förderung und Agitation seitens der Ortsgruppen resp. die Bildung von Lokalkomitees, würde genügen, um die Zahl der Mitglieder zu verdoppeln, und damit die Kunstgewerbeschule aus ihrer finanziellen Unsicherheit resp. aus ihrer Abhängigkeit von nicht zionistischen Faktoren zu befreien.

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