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Die Welt · 1908-06-12 · 23 (12.6.1908) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
23 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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BKg«^^^".!^ 14 DIE3§gELT wieriger und schwerer Arbeit wirtschaftlieh etwas machen ließe. Selbst in wissenschaftlichen Werken wurde von der Verödung und Verkarstung des Landes infolge der Entwaldung und ruchlosen Ausbeutung gesprochen. Die Erfolge der deutschen und jüdischen Kolonisten waren noch nicht so in die Augen springend und vor •allem noch nicht so bekannt, wie sie es heute sind; auch beschränkten sie sich auf kleine Ausschnitte des Landes. Und Leuten, die nicht gewohnt sind, aus kleinen Symptomen Großes abzuleiten, kann man es nicht verargen, daß sie nicht wagten, aus dem derzeitigen durchaus nicht rosigen Stande der Kolonien eine glänzende Zukunft zu prognostizieren, zumal da ihnen stets versichert wurde, die Kolonien seien ein Kunstprodukt der Geberlaune Baron Rothschilds, und die deutschen Templergemeinden hielten sich auch nur kümmerlich durch Frachtf uhrwerk und Gemüseversorgung der Städte. Was also Anfänge einer weitgehenden Entwickelung waren, betrachteten sie als belanglose Zufallserscheinungen. Daher war es nur natürlich, wenn man die Theorie aufstellte, man dürfe in Palästina nicht an wirtschaftliche Arbeiten herantreten, bevor man nicht von der türkischen Regierung ausreichende und weitgehende Konzessionen erlangt habe. Denn was nütze sonst die ganze Arbeit; jederzeit könne die Regierung einschreiten und die Früchte der langen und mühsamen Vorarbeiten vernichten oder für sich in Anspruch nehmen, wobei diejenigen, die Arbeit und Kapital in das Land hineingesteckt hätten, dann leer ausgehen würden. Eine natürliche Konsequenz war, daß man zuerst nach dem Ganzen strebte: Autonomie in Palästina oder nichts, war die Parole. Als man sah, daß die Autonomie nicht so leicht erreichbar sei, begnügte man sich mit der Forderung eines möglichst weitgehenden Charters. Die Juden sollten in Palästina die Rechte vom Sultan erreichen, welche die britische Südafrika-Cbartered-Company von der englischen Regierung für Rhodesia erhalten habe. Aber stets hieß es, wenn man fragte, was sollen diejenigen Zionisten denn tun, die nicht zu der kleinen auserwählten Schar der Politikverständigen gehören, so war und mußte die Antwort sein: Bereitet euch vor und haltet euch parat, bis das Signal zum Aufbruch ertönt. Das ist nun leichter gesagt als getan. Wir sehen es schon bei jeder Parade, wie schwer es ist, stundenlang sich parat zu halten und Gewehr bei Fuß auf das Signal zu warten. Aber jahrelang das zu tun, das hieße etwas Unmögliches fordern. So wurde man ungeduldig. Die Ungeduld verlangte mit der Zeit gebieterisch beschwichtigende Maßregeln. Hierzu gehörte vor allem die schon auf dem 2. Kongreß 1898 beschlossene Gründung einer Jüdischen Kolonialbank, die zwar im wesentlichen nur als finanzielles Instrument zur Erlangung der öffentlich-rechtlichen Sicherung des erstrebten Gemeinwesens gedacht war, die aber doch gleichzeitig auch zur Förderung der Industrie und des Ackerbaues im Orient dienen sollte. Auch die schon auf dem 1. Kongreß 1897 angeregte Idee, einen Nationalfonds zu schaffen, die auf dem 4. Kongreß, im Jahre 1900, zum Beschluß erhoben wurde, gab Gelegenheit zur Arbeit, die das Warten etwas versüßte. Freilich war der Nationalfonds bestimmt, um in Palästina Boden für das jüdische Volk erst anzukaufen, wenn der Charter erlangt sei; immerhin wurde jedoch, zur Beschwichtigung der Ungeduldigen, gestattet daß schon vorher, auch ohne öffentlich-rechtliche Sicherung, Boden für einige vorbereitende Arbeiten gekauft werden dürfe, wie z. B. für ein Lehrgut, eine landwirtschaftliche Versuchsstation und ein genossenschaftliches Gut, welchen Käufen sich später solche für das ländliche Schulinternat Kiriath Sefer, für den Bezalel und zuletzt für die Ölbaumspende hinzugesellten. Die schon auf dem ersten Kongreß gebildete Kolonisationskommission, sollte hingegen nur der Erforschung des Landes dienen; die Anträge zur Errichtung von Musterwirtschaften und Ackerbauschulen, die am 2. Kongreß gestellt worden waren, wurden pietätsvoll durch Überweisung an einen Kolonisationsausschuß begraben. Zwar gestattete man, daß auf den späteren Kongressen allerlei Beschlüsse betreffs der jüdischen Kolonisation gefaßt wurden, aber man wußte im voraus, daß sie aus Mangel an Mitteln und einheitlicher Leitung keinerlei praktischen Erfolg haben konnten. Erst der 6. Kongreß 1903 erzielte eine ernst gemeinte und sogar mit Mitteln ausgestattete Palästinakommission zur Erforschung des Landes, zur Errichtung einer Untersuchuhgs- und Versuchsstation sowie Herausgabe einer Zeitschrift Wenngleich freilich nur ein kleiner Teil des bewilligten Jahresbudgets von 15 000 Fr. wirklich der Kommission ausgezahlt wurde, so war doch wenigstens jetzt die Möglichkeit einer kräftigen Palästinaagitation gegeben, und die Zeitschrift „Altneuland", die 3 Jahre unter diesem Namen und seitdem unter dem Namen „Palästina" erscheint hat sich zur Aufgabe gestellt, den Wahn, daß Palästina gezwungen sei, auf die ' No. 23 Ankunft der Juden zu warten, gründlich zu zerstören. -Sowohl neue "Forschungen als auch die Benutzung der Statistik zeigte deutlich, daß Palästina schon jetzt ein ziemlich schnell aufstrebendes Land ist dessen Landwirtschaft auch ohne allzu große Amelorationsarbeiten noch einer bedeutenden Ausdehnung fähig ist, und dessen mineralische Bodenschätze zwar nicht übermäßig groß sind, in Anbetracht der Kleinheit des Landes aber doch als wirtschaftliche Hilfsquellen nicht zu verachten sind. Auch die Möglichkeit des gewinnbringenden Betriebes gewisser Industrien ergab sich mit positiver Gewißheit und man konnte vor allem auch nicht mehr im Zweifel sein, daß. Palästina, sobald hur die Verbindungen und Verkehrsstraßen verbessert sein würden, ein Fremdenland ersten Ranges zu werden bestimmt sei. Dies alles sind aber Entwickelungen, die vor sich gehen müssen, ob wir Juden dabei mitarbeiten oder nicht. Es ergab sich also als unumstößliche Tatsache, daß es ein großer Fehler sei, Gewehr bei Fuß weiter auf das Ertönen des Signals zum Aufbruch zu warten, daß dies vielmehr "nichts anderes heißen würde,, als auf Palästina zu verzichten. Man erkannte deutlich, daß es die höchste Zeit sei, mit aller Kraft die Besiedelung des Landes vorzunehmen. Einführung von Menschen und Einführung von Kapital, das mußte die Losung werden. Unterstützung von Landwirtschaft, Industrie und Handel, das wären die Mittel, mit denen man zum Ziel zu gelangen hoffen durfte. Das war das Ergebnis der Aufklärungsarbeit der Palästinakommission während ihrer Tätigkeit zwischen dem 6. und 7. Kongreß. Natürlich konnten sich die alten Führer der Bewegung nicht so leicht von dem ihnen in Fleisch und Blut übergegangenen Dogma der Schädlichkeit der Gegenwartsarbeit in Palästina lösmachen. Trotzdem gelang es den „Palästinisten", wie ich die Förderer der Gegenwartsarbeit in Palästina nennen will, auf dem 7. Kongreß 1905 den Beschluß durchzusetzen, daß parallel mit der politisch-diplomatischen Tätigkeit als reale Unterlage und zur Stärkung derselben, entsprechend dem Punkt 1 des Baseler Programmes die systematische Ausgestaltung unserer Positionen in Palästina erfolgen müsse, und zwar durch folgende Mittel: 1. allseitige Erforschungsarbeit; 2. Förderung von Agrikultur, Industrie usw. in möglichst demokratischem Geiste; 3. kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinensischen Judenheit durch Heranziehung von neuen intellektuellen Kräften; 4. Erstrebung der für die Hebung Palästinas notwendigen Reform in bezug auf Verwaltung und Recht. Als versüßende Pille für die früheren Machthaber der Kongresse wurde dann freilich noch der Zusatz aufgenommen: Der 7. Kongreß lehnt jede planlose, unsystematische und philanthropische Kleinkolonisation, die nicht in den Rahmen des Punktes 1 des Baseler Programmes. fallen würde, ab. Während also bis 1905 nur Vorbereitungsarbeit speziell Erforschung geduldet wurde, war jetzt auch direkte Förderung der Agrikultur und Industrie Palästinas und sogar die kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinensischen Judenheit freigegeben. Freilich blieb dies alles fürs erste nur Theorie, denn das der Palästinakommission bewilligte Budget konnte in den folgenden beiden Jahren gleichfalls nur zum kleinsten Teil aufgebracht werden und wäre auch, wenn es voll zur Verfügung gestanden hätte, doch viel zu gering gewesen, um etwas Erhebliches damit ausrichten zu können. Immerhin konnte die Grundlage wenigstens zu einer Konstitution gelegt werden, die für die Zukunft eine große Bedeutung zu erlangen verspricht Ölbaumspende. Auf Antrag der Palästinakommission wurde auf dem 6. Kongreß die Errichtung einer Ölbaumspende beschlossen und die Agitation hierfür, und besonders für den auf dem 7. Kongreß angeregten Herzlwald, brachte doch in wenigen Jahren die nötigen Mittel, um neben einem kleineren Hainbei Chedera die Grundlage für einen recht stattlichen Olivenwald zu legen. Bisher ist freilich nur die Baumschule für diesen Wald angelegt da es sich als vorteilhafter herausgestellt hat d'e Wildlinge fürs erste in einer Baumschule beisammen zu haben, um sie erst nach der Pfropfung definitiv anzupflanzen. Es fehlen zwar am Herzlwald noch immer einige tausend Bäume, aber es ist zu hoffen, daß eine kräftige Agitation am Todestage von Herzl den Rest dieser Bäume schaffen wird. Das Land für den Herzlwald ist so gelegen, daß jeder, der mit der Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem fährt, diesen Wald passiert da die Bahn die eine Ecke des zur Aufforstung angekauften Landgutes durchschneidet. Wohl kann man sagen, daß Deutschland in bezug auf Spenden für die Ölbaumpflanzungen an erster Stelle marschiert und namentlich k^äS^ä^^ä^i^^ti.^

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