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Die Welt · 1908-06-05 · 22 (5.6.1908) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
22 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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18 DiE^ELT No. 22 Die drei Kindergärten des Hilfsvereins in Jerusalem zählen jetzt 450 Zöglinge. Der dritte Kindergarten ist aus der Montefiore Kolonie in die Stadt verlegt worden. Zum erstenmal ist damit überhaupt ein Kindergarten im Innern der Stadt eröffnet worden. Besonders bemerkenswert und ein sehr bedeutsames Zeichen für den Fortschritt den das moderne Erziehungswerk in Palästina macht, ist es, daß unter den Neuaufgenommenen sich allein 110 Knaben befinden, die. in früheren Zeiten den Cheder besucht hatten. Aus dieser Schar wird die moderne Schule das beste Schülermaterial erhalten. Die Segnungen, die die moderne Schule und das Fundament, auf dem der Hilfsverein der Deutschen Juden sie aufbaut, der Kindergarten, für die junge Generation mit sich bringt, werden von der Bevölkerung von Tag zu Tag mehr empfunden und gewürdigt. Alliance Israelite Universelle Am Sonntag den 31. Mai hat im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrat Goldberger die Generalversammlung der Berliner Mitglieder der Alliance Israelite Universelle stattgefunden. Der Geschäftsführer, Herr M. A. Klausner, erstattete an Hand des im Druck ausgegebenen Jahrbuchs 1907 der Alliance den Jahresbericht und legte die besondere Tätigkeit des Lokalkomitees Berlin und seiner Unterstützungskommission im Zusammenhang mit dem Wirken des Deutschen Bureaus und der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle dar. Die Alliance hat im Jahre 1907 für die von ihr in drei Erdteilen unterhaltenen und geförderten 142 Knaben- und Mädchenschulen und Lehrlingsanstalten, einschließlich von Ackerbauschulen, Frcs. 1529831.54 ausgegeben, außerdem für die Präparandenanstalt, die zu dem Lehrerseminar für die Orientschulen gehört, einen Betrag von Frcs. 103913.30, zum Ankauf und Bau von Schulhäusern Frcs. 59427.—, insgesamt also Frcs. 1693171.84, d. i. Frcs. 30380.16 mehr als im Vorjahr. Diese Ausgaben haben durch die regelmäßigen Einnahmen, aus den Zinsen der Stiftungskapitalien und aus den Beiträgen von Mitgliedern und Freunden volle Deckung gefunden. Die Einnahmen bezifferten sich auf Frcs. 1654924.66, d. i. Frcs. 41135.34 mehr als im Vorjahre. Darüber hinaus hat die Alliance Israelite Universelle für die durch die Statuten vorgesehene Unterstützungstätigkeit auch im abgelaufenen Geschäftsjahr aus besonderen Spenden große Summen ausgegeben, die dem Hilfswerk in den Verfolgungsländern zugute kamen. Die Zahl der Mitglieder der Alliance Israölite Universelle beträgt 33000. Die Generalversammlung nahm den Bericht mit Zustimmung und Anerkennung entgegen und wählte die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder durch Akklamation wieder. Die Woodbine Agricultural School Die Woodbine Agricultural School in Woodbine in Nordamerika verfolgt bekanntlich den Zweck, Kinder jüdischer Einwanderer zu Ackerbauern zu erziehen. Unser Bild (an anderer Stelle) stellt die Schüler beim Einnehmen des Frühstücks in den Feldern dar. ' Die Schule befindet sich inmitten der jüdischen "Kolonien in New-Jersey, die bekanntlich vor 25 Jahren begründet wurden. Die Kolonien sind verhältnismäßig gut gediehen, wenn sie auch unter der Landflucht zu leiden haben, die da natürlich ist wo der Boden für den Bauer keinerlei andere als materielle Gefühle auslöst. Der Verschmelzungsprozeß der deutschen Handlungsgehilfen verbände. Die in diesen Blättern schon mehrfach erörterten Bestrebungen auf Verschmelzung der beiden größten deutschen Handlungsgehilfenorganisationen, des antisemitischen deutsch-nationalen Handlungsgehilfenverbandes und des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen in Leipzig, sind vorläufig zu einem Abschluß gelangt. Nachdem die beabsichtigte vollständige Verschmelzung an dem Widerstande der Mitglieder des letztgenannten Verbandes gescheitert ist, ist man jetzt zu einer sogenannten „sozialpolitischen" Verständigung gekommen. Wie die Zeitungen berichten, hat man sich über alle sozialpolitischen Fragen, mit Ausnahme einiger Unteifragen, geeinigt. Diese Unteifragen betreffen die Frage der Anstellung von Frauen im Handelsgewerbe, Handlungsgehilfenkammern usw. Merkwürdigerweise liest man nichts über eine andere Frage tiefgehender Art, über die Judenfrage. Haben sich die beiden Verbände* auch darüber geeinigt? Der deutschnationale Verband ist bekanntlich, um mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger zu reden, ein „entschiedener" Gegner dfcr Juden, während der Leipziger Verband nach der gleichen Klassifikation nur zu den Gegnern zu rechnen ist sintemal er Juden aus allen leitenden Stellen im Verband fernhält. Und man kann nicht wohl sagen,- daß dies lediglich eine politische, aber keine sozialpolitische Frage ist. Z. B. beruht die Gegnerschaft des deutschnationalen Verbandes gegen die Warenhäuser fast ausschließlich auf antisemitischen Momenten. Interessant ist auch bei dieser Frage die nationalliberale „Kölnische Zeitung" wieder auf den Pfaden der Antisemitenfreundschaft wandeln zu sehen. Hatte sie schon früher die gänzliche Verschmelzung der beiden Verbände, trotz aller Judenausschließungsparagraphen, lebhaft befürwortet so leistet sie sich jetzt die .bewußte Unwahrheit zu behaupten, daß wohl bei allen deutschen Handlungsgehilfenverbänden religiöse und politische Tendenzen ausgeschlossen sind." Der Zweck dieser Verdrehung ist klar. Man will die antisemitische Suppe schmackhaft machen. Angesichts dieser Tatsache gewinnt eine Bewegung an Interesse, die auf die Schaffung jüdischer Handlungsgehilfenorganisationen hinausläuft. Wir könnten einen solchen Zusammenschluß zur Vertretung gleichartiger Interessen nur lebhaft begrüßen, insbesondere wenn es gelingen sollte, die beabsichtigte Organisation über die Handlungsgehilten hinaus auf alle jüdischen Privatbeamten auszudehnen. PARTEIFONDS Tabelle' über alle Eingänge für den Parteifonds bis Ende Mai 1908 (einschließlich des in dieser Nummer veröffentlichten Ausweises) •Deutschland............. Mk. 21240.40 Rußland.............. „ 9254.70 Rumänien.............. „ 5285.20 Vereinigte Staaten von Nordamerika . . „ 5049.— I Böhmen.....^ 2719.57 ) Osterreich { Galizien.....„ 1210.68 [ . „ 4835.44 . | übrige österr. Länder „ 905.19 J Südafrika.............. ■ „ 4617.50 . Belgien.............. „ 2767.95 England.............. „ 2421.35 Holland .•............. „ 1358.— Schweiz................ „ 851.89 Ungarn................„ 805.10 Serbien............... „ 396.82 Kroatien, Slavonien und Bosnien .... „ 346.55 Bulgarien.............. „ 294.30 Palästina.............. „ 177.80 Frankreich........... . . „ 176.— Italien............... „ 125.60 China............... „ 102.— Dänemark............. „ 66.30 Verschiedene Länder........ . „ 24.93 Mk. 60 196.83 Im Monat Mai sind insgesamt Mark 4414.— für den Parteifonds eingegangen, eine betrübend geringe Summe. Deutschland steht mit Mk. 21 240. — immer noch an der Spitze der Sammlungen, allerdings ist schon seit März kein Beitrag aus Deutschland mehr eingelaufen. Es wäre zu wünschen, daß die Breslauer Tagung auch in dieser Hinsicht eine kraftvolle Anregung gäbe. Rußland lieferte im Monat Mai nur 1600 Mark ab, die Vereinigten Staaten 1300: Aus Galizien kamen im Mai insgesamt Mk. 150.— (!), während dasganze übrige Österreich (mit Ausschluß Böhmens) schon seit Monaten keinen einzigen Beitrag abgeliefert hat. Hier ist die Sammlung offenbar noch gar nicht aufgenommen worden, ungeachtet aller Beschlüsse des Kongresses und des Aktionskomitees. Im allgemeinen bleibt das Bildunverändertdasselbe: Von den großen Organisationen hat einzig die deutsche die Arbeit für den Parteifonds energisch aufgenommen, alle andern stehen hinter den kleinem und kleinen Organisationen relativ und großenteils auch absolut weit zurück.

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