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Die Welt · 1908-05-22 · 20 (22.5.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
20 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE ELT KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6\s/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRG. KÖLN, 22. Mai 1908 p-)ir6 C&nn'x -|"N DIE VORBEREITUNG DES VOLKES in. Indessen machen wir uns selbst gern etliche Einwände, deren schwerwiegendste in folgenden Tatsachen bestehen: I. Volkserziehliche, populär-wissenschaftliche, literarisch-künstlerische Durchgeistigung und Vertiefung des Zionismus mögen vielleicht — so wird man sagen — die Herren Ritter vom Geist, die Fachgelehrten, die Grübler und die Dichter interessieren. Die Durchschnittsmenschen hingegen haben keine Zeit und keine rechte Lust zum Lernen, sie meiden die ermüdenden. Vorträge und lassen die Bücher, die Broschüren, ja auch die Zeitungen mit den großen Aufsätzen unaufgeschnitten liegen. Sie sind Kinder ihrer Zeit: hastend und eilend, immer flüchtig, so daß kein Eindruck lange in ihnen bleibt. Sie naschen und nippen, trinken niemals; sie greifen nur dort zu, wo die Neugierde Feuer fängt und die Seele nicht erwärmt wird. Die Mode, die Pose, die Sensation, das Schlagwort für Tieferes ist kein Sinn vorhanden. II. Die Unternehmungen und Arbeiten auf diesem Gebiete erfordern Geld. Jedes neue Beginnen muß sehr lange künstlich unterhalten werden, jbis es imstande ist, feste Wurzel zu schlagen. Vielleicht muß man sogar darauf gefaßt sein, immer einen fördernden Beistand gewähren zu müssen. Wir aber haben nicht einmal genug für die laufenden Bedürfnisse der Organisation, und wo sollen wir nun das viele Geld hernehmen, das dazu nötig ist, Volkserziehungs werke zu schaffen? Wir müssen billig wirtschaften und nicht für die „allernutzlosesten Phantasien" das Geld hinauswerfen .— und III. Auf dem Ideengebiete gehen so viele Richtungen auseinander, und vermöchte denn irgendeine Organisation allen diesen Strömungen, den verschiedenen religiösen Nuancen und den Weltanschauungen, von der ältesten bis zur modernsten, zugleich zu entsprechen? Darf doch der Zionismus nirgends anstoßen, überall, hindurchgleiten, um beileibe die Werbekraft nicht einzubüßen! Und da man es nicht allen recht machen kann, so soll man überhaupt den Fragen geistig-ideeller Natur aus dem Wege gehen. „Rühr mich nicht an!" Das sind die Bedenken, die von manchen gehegt werden. Uns fehlt nicht" das Vermögen oder der Wille, die Logik dieser so naheliegenden Einwendungen, dieser abgegriffenen Gedankenmünzen, die alltäglich von Hand zu Hand gehen, zu erfassen. Wir behaupten nur, daß eine solche Logik — sie möge für alltägliche Dinge noch so sehr passen — auf einen großen Werdegang, auf eine national-historische Arbeit, wie es der Zionismus ist, kaum anwendbar sein kann, ohne eine Verkleinerung, Verflachung und Verkümmerung—nicht nur älaChoveve- Zion, sondern viel, viel verzwergter — herbeizuführen. Diese Logik ist mit einem charakteristischen Geburtsfehler behaftet, weil sie das Erzeugnis derselben opportunistischen Anschauung ist, die der Zionismus überwinden wollte. - Leise und sacht schaufelt sie — der Tradition ihrer Abstammung gemäß — ein Grab und spannt ein Bahrtuch tötenden Kleinmuts über eine Idee, die nur durch Größe, Kühnheit, Schöpferisches und Neues die Herzen gewonnen hat und fernerhin gewinnen kann. „Der Schädiger in den spolia des Beschädigten!" (ha- Masik birschuth etc.) Die Logik, welche ad I. sagt: die Leute wollen weder lernen noch lesen etc., stellt eine Tatsache fest. Wir könnten noch andere ähnliche Tatsachen feststellen: Die Leute sind assimiliert; die Leute wollen dort bleiben, wo sie sind; die Leute kümmern sich wenig um die Fremden; die Leute fühlen sich manchmal etwas gerührt, wenn man ihnen über Verfolgungen erzählt, aber bald fängt die Sache an, sie zu langweilen. Sie wird ihnen fad. All das sind auch Tatsachen, nur ist die Folgerung ein Trugschluß. Wir haben uns nicht nach cynischen und schädlichen Tatsachen zu richten, sondern entgegengesetzte gute Tatsachen zu schaffen. Darauf muß all unsere Energie gerichtet sein. Verstehen es unsere Leute nicht,. daß es die Lehre war, die unser Volk vom Untergang rettete, so muß man ihnen eben diese Wahrheit unermüdlich näher bringen. Will doch der Zionismus manches Alte er

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