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Die Welt · 1897-06-25 · 4 (25.6.1897) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
4 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
1 (sequence 3)
Language
German
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o-c Redaction ' Nr. 4. I. Jahrgang. ' )--u Bezugspreise. und Administration: Ml-n Erscheint jeden Freitag. Jür Hesterr.-Wngarn: Halbjährig 3 fl. — 6 Kr. II., Rembrandtstraße 11. Wien, 85. Zuni 1897. Ganzjährig 6 fl. 12 Kr. Jür das Ausland: Preise der Anzeigen: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction Halbjährig 4 fl. 8 Kr. Die viermal gespaltene oder Administration Wien, II., Rembrandtstraße 11, zu richten. Ganzjährig 8 fl. 16 Kr. Petitzeile 10 kr. 0—-^= —==< Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte ) nicht zurückgesendet. ( Einzelne Nummern 15 kr. ) --o Erklärung gegen Erklärung. Von Rabbiner Dr. I. Riilf. In Nummer 24 der „Allgem. Ztg. des Judenthums" veröffentlichen die Herren Collegen Dr. S. Maybaum-Berlin und Dr. H. Vogelstein-Stettin eine Erklärung gegen den Zionismus und gegen dessen neugegründetes Blatt, „Die Welt". „Die Zeitung ist ein Unglück, das abgewehrt werden muß", so rufen sie in die Welt hinaus. Nein! nicht die Zeitung, aber die Rabbiner find unser Unglück, jene leitenden Jrreleiter, die Antisemitismus treiben, schlimmer als der schlimmste Antisemit, die dem Judenthum sein Bolksthum absprechen und es aus der Liste der Nationen ausstreichcn möchten, auf die das Wort des Psalm 83 Anwendung findet: „Gott ruhe nicht, schweige nicht und sei nicht still, o Gott! ... Wider Dein Volk fasten sie listigen Anschlag und rathschlagen wider Deine Schutzbefohlenen. Sie sprechen: „Auf! lasset uns sie tilgen als Volk und der Name Israel soll nicht mehr gedacht werden." Sie find es, sie ganz vorzugsweise, welche unser Volk bei aller Welt in Mißkredit bringen. Sie verleugnen ihre Abstammung, drängen sich in eine Gesellschaft, die eben wegen ihrer Zudringlichkeit sie zurückstößt und maßen sich eine Nationalität an, die ihnen nicht gebührt. Man verachtet sie, verachtet uns alle, weil wir es bisher nicht verstanden haben, uns Achtung zu verschaffen, weil wir unser Bolksthum verlaffen und mit den Kindern der Fremde geliebäugelt haben. Man haßt uns, hat uns von jeher gehaßt, das ist gar nicht schlimm — viel Feind, viel Ehr'; allein verachtet werden, das ist schlimm, und am schlimmsten, daß wir dazu beitragen, indem wir uns selbst der Verachtung preisgeben, weil wir alles Volksbewußtscin, allen Nationalstolz so schnöde verloren und verleugnet haben. „Nur weil wir aus vollster Ueberzeugung zu unseren Landesgenossen sagen können, daß wir lediglich in religiöser Beziehung eine besondere Gemeinschaft bilden, daß wir aber in nationaler Hinsicht uns vollkommen eins mrt ihnen fühlen", hieß es in der bezeichnten „Erklärung." Wie viel Worte so viel Unwahrheiten. Ihr saget in religiöser Beziehung — wo habt ihr euere Religion? In nationaler Hinsicht — wo habt ihre euere Nationalität? Wie es auch mit euerer Religion bestellt sein möge, das geht uns im Grunde genommen nichts an — das ist eigene internste und intimste Angelegenheit eines jeden Menschen; allein seine Geburt, seine Abstammung, seine Volksgenossenschaft, die heiligen lleberlieferungen der Ahnen zu verleugnen und zu verrathen — das brauchen wir nicht mit Stillschweigen zu übergehen. Also deswegen, weil ihr euere eigene Nationalität verleugnet und eine fremde euch anmaßt, die euch nicht gebührt, weil ihr nicht schauet auf den Stamm, aus dem ihr seid, glaubt ihr „auf volle Verwirklichung der Gleichberechtigung dringen und eine jede Verkümmerung derselben als eine Verletzung unserer heiligsten Gefühle empfinden zu dürfen?" Ja, wenn man euch nun entgegnen würde, wir sind durchaus nicht gewillt, uns mit Menschen zu befassen, welche sich Rechte durch Verleugnung ihres eigenen Volkes und ihrer Nationalität erschleichen wollen. Leute, die ihre Herkunft vergessen machen und einen Schleier über ihre Abstammung, über ihre Vergangenheit breiten möchten, haben keine gute reinliche Sache. Ich war jederzeit gerade entgegengesetzter Meinung. Es sei unendlich ehrenhaft und zur Erlangung, Bewahrung und Vcrtheidigung der Gleichberechtigung und aller bürgerlichen und staatsbürgerlichen Ansprüche unendlich wirksamer und vorthcilhafter, seine ehrenvolle Abstammung, was doch wohl mit der Nationalität völlig ohne den geringsten Rückstand gleichbedeutend ist, nicht zu verleugnen. Hier bin ich, hier ist mein Nationale, hier ist mein Heimatschein; ich verlange meine Anerkennung als vollgiltiger Bürger dieses Staates mit allen mir zustehenden Rechten und Pflichten und habe nicht nöthig, denen mich aufdringen zu wollen, die lange nicht so gute und vollgiltige Ausweise besitzen wie ich jenen nationalstolzen Menschen, die nicht wissen, wer sind und woher sie sind. Wird auch ein Deutscher, der Vollbürger fremder Staaten geworden, vielleicht daselbst zu hohen Ehren und Würden gelangt ist, wie — um ein Beispiel zu bieten — ein Senator Karl Schurz in Amerika, ein von der Goltz-Pascha in der Türkei, um von all den Tausenden und Hunderttausenden in Asien, Japan, Aftika und Australien und von den vielen Millionen Deutscher, die von Ursprung an Bürger fremder Staaten und Länder waren, gar nicht zu reden. Wird auch ein Deutscher seine Nationalität, seine Spracht, seine ursprüngliche Heimath verleugnen wollen? Nimmermehr! Solcher Niedertracht — ich weiß keinen gelinderen Ausdruck — ist nur der „moderne" Jude fähig. Wenn gegenwärtig die Nationalitäten im österreichischen Staate der Sprachen frage wegen sich ganz besonders heftig bekämpfen, so kann das der Leidenschaftlichkeit und Rücksichtslosigkeit der Kampfcsweise wegen tief beklagt werden; allein die Gesinnung, welche mit so viel Anhänglichkeit und Festigkeit die Nationalität zur Geltung bringt, ist im höchsten Grade anerkcnnenswerth. „Israel kennt das nicht; mein Volk hat die Einsicht nicht." Wenn die beiden Herren sagen, daß sie eins mit ihren Landesgenossen in gleicher Begeisterung die geistigen und sittlichen Ziele des theuren Vaterlandes erstreben — so kann man ihnen nur bcistiimncn. Das geht aber doch auch ohne charakterlose Verleugnung seines Volksthums. Gott, der unser Inneres

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