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Die Welt · 1908-05-08 · 18 (8.5.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
18 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE Köm AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 W/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRG. KÖLN, 8. Mai 1908 p-nnb übnn'tt T»N "', Nach einem Urteil Wieder eine Episode. Der Richter in London hat unser Gesuch um die Abänderung der Bankstatuten abgelehnt. Auf Grund verwickelter, spitzfinderischer, haarspalterischer Auslegungen glaubte er, unser Gesuch abschlägig bescheiden zu müssen. Es wäre unangebracht, gegen einen Richter zu polemisieren, geschweige denn gegen einen englischen Richter. Er urteilt nach seinen Pandekten und nach seinem Ermessen. Kaum daß ein Laie in das Mysterium dieser Logik und der eigentümlichen Kunstsprache, in der sie zum Ausdruck kommt, einzudringen vermag. Solchen Autoritäten und ihren Rechtssprüchen gebührt der Respekt, den man den Tatsachen schuldet. Man läßt sie über sich ergehen, man fühltsich ihnen gegenüber gewissermaßen wehrlos. Was nun die Leitung als ihre aus dem Kongreß-, beschluß erfolgende Aufgabe erachtet, darüber wird die Öffentlichkeit durch eine Mitteilung aufgeklärt, die an anderer Stelle dieses Blattes, nach dem Bericht über das Resultat * des Prozesses, erscheint. Folgende Betrachtungen hingegen erheben nicht den Anspruch, als offiziell zu gelten. Sie entsprechen bloß dem begreiflichen publizistischen Pflichtgefühl, sich über, eine Frage offen auszusprechen, die im gegebenen Augenblick im Vordergrund des zionistischen Interesses stehen. Und dies erscheint um so dringender, als schon jetzt dieser Gegenstand von der allgemeinen Presse aufgegriffen und in ein nicht sehr richtiges Licht gestellt wird. Mögen folgende Darstellungen eventuellen Mißdeutungen, womöglich vorbeugen, Nicht Polemik, sondern Klarstellung des eigenen Standpunktes sei der Zweck . dieser Zeilen. Es muß vor allem in Erinnerung gebracht werden, daß das Schicksal des Zionismus nicht an irgend einen Rechtsspruch gekettet ist. Justice Eve ließ sich unbedingt von den besten Erwägungen leiten. Er . hat eine hohe Meinung von unserem Volk, dem er in . hochherziger Weise das Prädikat „groß" beilegt — eine Meinung, die . ihm Ehre macht. Er glaubte auch, die Interessen einer Minorität wahrnehmen zu müssen, und das entspricht zweifellos Motiven, die an sich nur als edle bezeichnet werden können. Aber der Zionismus ist kein juristisches Problem; sondern eine national-historische Tatsache.Er wurzelt nicht in denParagraphen englischer Aktiengesellschaften. Das mit den englischen Limit eds ist eine ganz formelle und äußerliche Sache. Der Zionismus nistet selbstbewußt und unverrückbar im tiefsten Grunde unserer Volksseele. Es ist absolut belanglos, wie Juristen in ihrer Weisheit die Termine drehen, und ob dieses oder jenes Wort in diesem oder jenem Memorandum steht oder nicht. Wir dürfen uns deswegen keine grauen Haare wachsen lassen, daß ein Richter irgendeine Frage entschieden hat. Hier haben ganz andere Leute mitzureden: Die Zionisten, die Schöpfer und' Eigentümer ihrer.Institutionen! Die Richtigstellung— es ist keine Einschränkung, sondern eine Richtigstellung — der Bankstatuten haben wir beschlossen, und damit ist die Tatsache endgültig und unwiderstehlich sanktioniert. „Where. there is a will, there is a way." Die von uns abgegebenen Stimmen stellen unseren Willen dar. Wir wählen die Führer aus der Zahl der Männer, deren Sinn wir kennen und deren Amtsführung wir fortwährend kontrollieren. Wir haben unsere Gesetzgebung und unsere Exekutive in der Organisation, die wir geschaffen haben. Die Ausgeschiedenen gehören ihr nicht mehr an. Sie konnte nur Fuß fassen in einer einheitlichen Partei, in welcher das tiefe Gefühl nationaler Solidarität, die gemeinsame Erwägung der Bestrebungen und der Überlieferungen .unserer Geschichte, die gleiche Hingabe aller an . ein historisches Ideal die Einführung von Einrichtungen gestattet haben, welche als Werkzeuge dieser Bestrebungen. dienen müssen. Das Vorhandensein dieser moralischen, nationalen und volkstümlichen Bestrebungen bildet die Daseinsberechtigung der Institutionen, die wir als Mittel für den bestimmten Zweck geschaffen haben. Wir sind keine Bankiers und keine Fondssammler für das Anhäufen des Geldes. Wir machen es uns weder zu einem Sport, noch zu einem Vergnügen, Bureaus zu unterhalten oder eine. Presse zu machen. Wir gehen unverrückten Blickes auf ein bestimmtes Ziel los, und dieses Ziel heißt Zionismus, und dieser Zionismus bedeutet Palästina. Nur dafür sollen die Mittel direkt und indirekt benutzt werden, denn nur dafür sind sie vorhanden. Das ist das Definitive,, das in sich Geschlossene. Hier ist die Einheit des Volkes und des Ortes. Trotzdem es. die Satire , herausfordern müßte, haben wir das

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