Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 16 MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Nationalfonds und anderes Vorbemerkung Von manchen Seiten, insbesondere aus Sammler-" kreisen, wurde wiederholt der Wunsch geäußert, eine Art Anleitung zu veröffentlichen, wie die Sammlungen für denNationalfonds am zweckentsprechendsten gefördert würden. Es bricht sich allmählich das Bedürfnis Bahn, die Arbeit zugunsten des Nationalfonds so einzurichten, daß sie als Teil eines geregelten Ganzen erscheint. In der Tat ist es durchaus wünschenswert, daß in der Art des Sammeins eine gewisse Gleichförmigkeit bestehe. Eine Anleitung im eigentlichen Sinne des Wortes können wir jedoch deshalb kaum geben, weil die Organisation des Jüdischen Nationalfonds sich über zu viele verschieden geartete Gebiete erstreckt, als daß sich alle gleichmäßig nach einer starren Formel richten könnten. Am besten glauben wir allen Wünschen gerecht zu werden, wenn wir vorab klarlegen, welche Stellung der Jüdische Nationalfonds als Ganzes innerhalb anderer Institutionen der zionistischen Bewegung einnimmt, wenn wir dann die Zwecke kurz skizzieren, welche der Fonds verfolgt, und die Mittel angeben, die ihm zur Erreichung seiner Ziele zur Verfügung stehen, und schließlich eingehend die Art und Weise behandeln, wie diese Mittel am zweckmäßigsten angewandt werden. Da der Stoff an sich infolge der vielen notwendigen Angaben geschäftsmäßiger Art etwas zu trocken scheint, als daß er allein die Lektüre angenehm und fesselnd gestalten könnte, wählen wir für unsere Darlegung die Form eines Zwiegesprächs. Schon seit längerer Zeit hatten die beiden Freunde Erich und Max den Plan gefaßt, gemeinsam ihrem ehemalige» Schulkameraden und Studiengenossen Albert einen Besuch abzustatten. Dieser Entschluß" entsprang dem Verlangen, nach langer Trennungszeit einmal wieder gemütlich beisammen zu sitzen und ein Stündchen zu verplaudern. Im innersten Herzen hatte Erich noch andere Absichten. Er war überzeugter Zionist und gab sich alle Mühe, Max seinen Anschauungen näher zu bringen, — bisher leider vergeblich. Allmählich sah er auch den Grund seiner fruchtlosen Bemühungen ein. Er war selbst nicht so recht in -der Lage, seine Ansichten, die zum Teil mehr im Gefühl als im klaren Denken wurzelten, andern mitzuteilen. Albert dagegen war ebenfalls ein eifriger Anhänger des Zionismus, er war sogar Nationalfondskommissär. Nur kam bei ihm die praktische Kenntnis der Einrichtungen des Zionismus hinzu, die Erich eben nur als Laie kannte, die jenem dagegen aus täglicher Erfahrung heraus geläufig waren. So hoffte Erich, daß Max auf diesem Wege doch noch bekehrt werden könne. Eben waren sie wieder bei ihrem ständigen Thema angelangt. Erich versuchte, soweit er es vermochte, seinem Freund und Gegner die einzelnen Institutionen des Zionismus klarzulegen. „Der Zionisnismus hat bereits praktische Einrichtungen ins Leben gerufen. Wir sind nickt die Theoretiker und Träumer, als die ihr uns immer verschreit! Wir haben eine Bank, wir haben eine Land-Development-Company, wir haben den Nationalfonds, wir haben ..... ........" „Hör nur schon auf*, warf Max ein, „das genügt ja einstweilen." ,Also die Bank: Wie du weißt oder wissen solltest, wurde im Jahre 1900 die Jüdische Kolonialbank —. der englische Name lautet: Jewish Colonial Trust — in London gegründet, um der zionistischen Bewegung die erforderliche juristische Grundlage zu schaffen. Sie soll hauptsächlich als das finanzielle Instrument der Bewegung alle auf die Erwerbung und Erschließung Palästinas und seiner Nachbarländer gerichteten zionistischen Bestrebungen finanziell unterstützen. Die zionistische Organisation hat sich durch das Statut der Bank einen maßgebenden Einfluß auf sie gesichert. Die Aktien lauten auf 1 Pfund, so daß auch der Unbemittelte einen Anteilschein erwerben kann. Der J. C. T. verfügt über ein .Kapital von etwa 51/*—6 Millionen JC. Da statutengemäß Spekulationsgeschäfte ausgeschlossen sind, kann eine verhältnismäßig nur geringe Dividende verteilt werden. Durchschnittlich beträgt sie etwa 3°/o. Eine Tochtergesellschaft, die Anglo-Palestine Company in Jaffa, hat ein Kapital von 2 Millionen und unterstützt die besondern Zwecke der Bank in Palästina. Großen Wert legt sie außerdem' auf die Hebung des jüdischen Kreditwesens und jüdischer industrieller Unternehmungen in Palästina. „Das habe ich verstanden", nickte Max ironisch, „nun weiter, was ist Deine Land-Development-Company?" „Du selbst redest doch immer von der Notwendigkeit praktischer Arbeit in Palästina. Nun, wir haben damit begonnen. Die Palestine Land Development Company stellt - sich die Aufgabe, unbemittelten jüdischen Arbeitern, die es bisher nicht zu einer selbständigen bäuerlichen Existenz bringen konnten, die Erringung einer solchen Existenz zu erleichtern. Die Gesellschaft will nicht kolonisieren^ sondern sie will nur Wege und Möglichkeiten beschaffen, auf denen die jüdischen Arbeiter aus eigener Kraft zu selbständigen Bauern aufsteigen können. Die Arbeiter sollen zuerst auf einer größeren Guts Wirtschaft der Gesellschaft mehrere Jahre hiudurch gegen Tagelohn arbeiten, sie sollen hiermit den besten landwirtschafdichen Arbeitsmethoden vertraut, dem palästinensischen Klima und Boden angepaßt werden, und es soll ihnen durch einen Gewinnanteil an den Erträgnissen des Gutes ermöglicht werden, Vieh und Saatgut für sich zu erwerben.- Alsdann soUen sie von der Gesellschaft ein hinreichend großes und in wirtschaftsfähigen Zustand gesetztes Stück Land zuerst in Pacht und später gegen langjährige Amortisationsrenten zum Eigentum erhalten können, eine Methode der Kolonisation, welche die deutsche Regierung sowie private Institutionen seit einer Reihe von Jahren mit großem Erfolge erprobt haben " „Auch das ist recht schön. Und der Nationalfonds'? Der bringt wahrscheinlich die Gelder auf, die zu all den Unternehmungen nötig sind?* „Ganz recht. Der Zweck des Nationalfonds ist kurz: Gelder zu sammeln, um in Palästina Boden anzukaufen und in dem alten Heimatlande der Juden jüdische Bauern ansässig zu machen. Der Nationalfonds soll mithelfen, daß ein neues Gemeinwesen im Lande der Väter gegründet werde." „Und wie will der Fonds dieses Ziel erreichen?" „Dazudienen die verschiedensten Sammelmittel: Sammelbüchsen, Sammelbögen, Nationalfondsmarken, Telegrammformulare und was der Mittel noch mehr sind." „Wie viel Geld habt ihr denn schon auf diese Weise gesammelt? Habt ihr schon etwas damit angefangen?" „Dem eigentlichen Zwecke des Jüdischen Nationalfpnds sind bis jetzt nur verhältnismäßig geringe Mittel zugeführt worden, da für ihn der Landerwerb in Palästina noch mit großer Schwierigkeit verbunden ist und der Nationalfonds nach den gesetzlichen Vorschriften der türkischen Regierung direkt kein Land erwerben kann. Trotzdem hat er einige Güter, nämlich Dalaika, Umeldschune, Beth-Ärif, Hattin und Chedera erworben.