Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Anglo=Palestine Company, Limited Die Generalversammlung der Anglo - Palestine Company, Limited, fand am 6. April in London in dem Office der Company, Brook House, Walbrook, unter Vorsitz des Präsidenten Herrn D. Wolffsohn statt. Nach Erledigung der üblichen Formalitäten verlas der Präsident den nachfolgenden Bericht des Direktoriums, welcher ohne weitere Debatte angenommen wurde. Jahresbilanz und der Bericht der Auditors wurden alsdann ebenfalls, verlesen und ohne Debatte angenommen. Die von dem Direktorium vorgeschlagene Dividende von 9 pence per £ 1.— share (auf neue Aktien pro rata temporis) wurde angenommen. Die Auszahlung der Dividende auf Coupon Nr. 1 erfolgt in London in dem Office der Company vom 1. Mai a. c. ab. — Die ausscheidenden Direktoren, Herren D. Wolffsohn, Köln, Dr. N. Katzenelsohn,- Libau und S. Barbasch, Odessa, wurden einstimmig wiedergewählt. Bericht über das Geschäftsjahr 1907 Unsere Geschäfte haben sich im Jahre 1907 zufriedenstellend entwickelt. Der Umsatz hat in allen Filialen zugenommen und die Bilanz pro 1907 zeigt Aktiva in Höhe von £ 271.813.— (Frcs. 6 795 332.-) gegen £ 217.342.— (Frcs. 5 433 550.—) in 1906, also eine Vergrößerung um ca. £ 54.470.— (ca. Frcs. 1 361 750.—). Die Ausdehnung unserer Geschäfte steht in engem Zusammenhang mit dem Aufschwung im Handel, Industrie und Landwirtschaft in Palästina, die zu fördern und zu unterstützen von jeher unser Hauptbestreben gewesen ist Nach Maßgabe unserer Mittel sind wir mit recht bedeutenden Summen in palästinensischen Unternehmungen aller Art interessiert. So betragen: Anleihen an Kolonisten und Pflanzungsgesellschaften......£ 34.692— (Frcs. 867 300.—) Anleihen an jüdische industrielle Unternehmungen.......£ 18.984.— (Frcs. 474 600.—) Anleihen an jüdische Kaufleute . . £ 49.600.— (Frcs. 1 240 000.—) Diese Ausdehnung der Geschäfte veranlaßte uns. in einer zu diesem Zwecke im Frühjahr. 1907 einberufenen außerordentlichen Generalversammlung eine Erhöhung des Aktienkapitals auf £ 100.000.— zu beantragen, und wurde dieser Antrag zum Beschlüsse erhoben. Von den neuen Aktien emittierten wir sogleich £ 30.000.—, die der Jewish Colonial Trust, Limited, London, bar aufnahm, so daß unser vollbezahltes Aktienkapital seit dem 1. Juli 1907 £ 69.400.— betrug. Außerdem benutzten wir für unsere Geschäfte den uns vom Jewish Colonial Trust, London, als unseren Bankiers eingeräumten Kredit, welcher sichin der stillen Zeit zwischen £ 45 bis 50.000.— bewegte und in der lebhaften Geschäftszeit zeitweise bis auf £ 90.000.— stieg. Wir haben die Begründung und Erweiterung einer Anzahl von Leihkassen und korperativen Gesellschaften ins Werk gesetzt und dieselben in ihrer geschäftlichen Tätigkeit fortgesetzt unterstützt. Ende 1907 betrug die Anzahl solcher "Kassen und Gesellschaften, mit denen wir in geschäftlicher Verbindung standen, insgesamt 18, alle mit gegenseitiger Haftung — von denen 14 landwirtschaftliche Vereine . . . . \ . . vn}n„:a„- 2 Konsumvereine .........in den Kolonien . 1 Tischlerverein.........\ - 1 Leihkasse für Kleinhändler . . . . f m Janawaren. Diese Gesellschaften umfassen insgesamt 696 Mitglieder, an welche wir im Laufe des Jahres ca. £ 19-680.— (Frcs. 492019—) gegen 2541 Wechsel verliehen haben. Ende 1907 schuldeten sie uns £ 8.933.— (Frcs. 223 300.—) gegen £ 2.945.— (Frcs. 73 625.—) in 1906. Die fälligen Zahlungen wurden stets pünktlich geleistet und Verluste waren nicht zu verzeichnen. Diese kooporativen Vereine genießen im Lande sehr guten Ruf und die Kolonisten bemühen sich allenthalben, zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, neue Vereine zu gründen. Bei der Beurteilung des Jahreserträgnisses ist zu berücksichtigen, daß wir den landwirtschaftlichen Vereinen und kooporativen Gesellschaften große Vorschüsse zu billigen Zinsen gewähren; auch müssen wir stets große Kassa halten und einen wesentlichen Teil unserer Aktiva leicht liquidierbar, also zu niedrigem Zinsfuß anlegen, um jederzeit imstande zu sein, sowohl die Forderungen des regelmäßigen Geschäfts wie auch plötzlich auftretenden ausnahmsweisen Bedarf prompt 2u befriedigen, — dies um so mehr, als die Beschaffung von Barmitteln in Palästina wegen der weiten Entfernung von Hauptzentren des Verkehrs naturgemäß länger dauert und große Schwierigkeiten bietet. Wir hatten Ende November und Anfang Dezember einen „Run" auf unsere Kasse in Jerusalem, von der in wenigen Tagen fast Frcs. 600 000.— Depositengelder zurückgezogen wurden, und wir haben diese Probe bestanden, indem wir prompt zahlten, ohne auch nur den gewöhnlichen Gang der Geschäfte dadurch irgendwie zu stören. Nach Deckung aller Geschäftskosten und Spesen, sowie Abschreibungen von Dubiosen verbleibt — wie aus der nachfolgenden Bilanz ersichtlich — ein Nettogewinn von £ 2.149.18.4 (darunter £ 2.013.8.5 Frcs. 50 336.75 Gewinn der Palästina-Filialen) plus £ 5.16.5 Vortrag aus 1906. zusammen £ 2.155.14.9 und hat das Direktorium beschlossen, der Generalversammlung die Erklärung einer Dividende von 9 d. per £ 1.— (3:s *",«), welche auf dfe neuen Aktien pro rata temporis zu zahlen ist, vorzuschlagen. London, März 1908. Das Direktorium: (gez.) D. Wolffsohn, Präsident Prozeß wegen Abänderung der Bankstatuten (Telegramm) Der Prozeß wegen Abänderung der Bankstatuten kam Dienstag vor dem englischen Gerichte zur Verhandlung. Die Verhandlung wurde auch noch den.ganzen Mittwoch über fortgesetzt und gelangte erst Donnerstag nachmittag zum Abschluß. Das Urteil wird voraussichtlich nächsten Dienstag gesprochen werden. Wir werden über die Verhandlungen in der nächsten Nummer ausführlich berichten. Deutschland München: Für Donnerstag den 2. April hatte die hiesige Ortsgruppe einen Vortragsabend angesetzt, der sich eines zahlreichen Besuches, besonders auch von Nichtzionisten, zu erfreuen hatte. Ein gesetzestreues Mitglied unserer Ortsgruppe, Herr JacobFränkel, hatte einen Vortrag über „Zionismus und Gesetzestreue" zugesagt und entledigte sich seiner Aufgabe in trefflichster Weise. Der Raum läßt es nicht zu, im Einzelnen auf das einstündige Referat einzugehen; es möge jedoch hier nur noch die Ausführung des Redners hervorgehoben werden, daß anlehnend an den Satz unserer Weisen, „wer eine Seele dem Judentum erhält, dem wird dies so hoch angerechnet, als hätte er eine ganze Welt vom Untergang gerettet", betont wurde, wie erzieherisch in echt-jüdischem Sinne der Zionismus auf einen großen Teil unserer Jugend, die dem Judentum sich immer mehr entfremdete, gewirkt hat. Mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß die zionistischen Reihen sich immer mehr stärken mögen, schloß der Redner seinen Vortrag, der ihm lang-andauernden Beifall eintrug. Die Diskussion, die sich bis gegen Mitternacht hinzog, gab noch Veranlassung, auf den Misrachi näher einzugehen. Daß auch nicht zu überzeugende Gegner zum Worte kamen, beweist den sachlichen Verlauf der Versammlung. ' Eine Sammlung für den Nationalfonds beschloß den würdig verlaufenen Abend. Österreich Wien: Sonntag den 29. v. M. wurde unser bewährter und treuer Gesinnungsgenosse Hermann Schimmer, der einem langen, schweren Leiden erlegen ist, zu Grabe getragen. Der Verstorbene war einer der ersten und ältesten Wiener Zionisten, der schon dem ersten hiesigen Verein „Adath Jeschurun" angehörte, und seither beteiligte er sich an der zionistischen Bewegung mit der größten Hingebung. Ein unermüdlicher Drang zu nützlicher Betätigung machte Schimmer zu einem Wohltäter für unzählige Notleidende und Hilfsbedürftige, und diese Eigenschaft trug ihm die Freundschaft und Anhänglichkeit aller ein, die ihn kannten und mit ihm persönlich verkehrten. So war auch die Zahl der an seinem Grabe Versammelten eine große, und nebst seinen Angehörigen trauerten um ihn viele Freunde und Gesinnungsgenossen. Am offenen Grabe ' hielt unser Gg. Dr. M. Berkowicz eine warme Ansprache, in der er im Namen der Hinterbliebenen sowie des engeren Freundeskreises und im Namen des österreichischen Distriktskomitees von dem Dahingeschiedenen Abschied nahm.