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Die Welt · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6%/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG : ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRG. Köln, 3. April 1908 pTir6 abntV« ]o->: EIN ZWISCHENFALL .Ein pflichtvergessener, den Intentionen seiner eigenen Regierung offenbar feindlich gegenüberstehender Funktionär hat in der ruhigen, in der letzten Zeit so verheißungsvoll aufblühenden Hafenstadt Jaffa einen Zwischenfall in Szene gesetzt, der den Gesetzen, den Interessen und Traditionen seiner Obrigkeit und aller dortigen Bevölkerungsklassen Hohn spricht. Etwas Erzwungenes, Unnatürliches und Fremdartiges hat dieser Ruchlose durch einen halsbrecherischen Versuch, der leider eine blutige Szene zur Folge hätte, in roher Form veranlaßt. Alle Fäden dieser erbärmlichen, kurzsichtigen und kleinmütigen Intrige sind jetzt bloßgelegt. Dieser Beamte, seit einiger Zeit in einem subjektiven Empfindungskreis wutschnaubenden Judenhasses verharrend, hatte künstlich bei einem verschwindend geringen Teile des Straßenmobs emen Paroxismus angefacht, der zu vereinzelten Konflikten geführt und ihm den ersehnten Anlaß zu einem Polizeiexzeß geboten hat. Die Intrige beruhte auf dem durchsichtigen Kniffe, in böswilliger und bewußter Weise eine Gärung hervorzurufen, wie sie anderwärts zu Judenverfolgungen geführt hat. Dieser Versuch, so traurig er auch für einige Unschuldige ausgefallen ist, mußte mißlingen. Die türkische Geschichte kennt keine Judenverfolgungen. Dergleichen Akklimatisationsversuche entspringen einer vollständigen Unkenntnis der Begriffe und der Verhältnisse, wie sie im Osmanischen Reiche herrschen. Man kann dort auf die Juden ebensowenig das Odium eines der Verfolgung und der Verachtung preisgegebenen Semitismus wie die Schmach eines religiösen Hasses wälzen. Seit dem XV. Jahrhundert ist die Türkei das einzige Land, das von Judenkrawallen nicht befleckt worden ist. Es wäre absurd und töricht, in der Türkei — nach berühmten Mustern — eine Theorie zu konstruieren, nach der es den verantwortlichen Faktoren etwa nützlich schiene, die Juden als Sündenbock oder als Blitzableiter und Sicherheitsventil gegen vorhandene Unruhen behandeln zu müssen. Es hieße, die Tatsachen und die Verhältnisse .auf den Kopf stellen, wollte man dort das loyalste und ruhigste Bevölkerungselement provozieren. Ein Beamter, der etwas so Unsinniges versucht, richtet sich selbst. Eine Improvisation, die so toll verkehrt ist, wird einfach durch die Wucht der Verhältnisse und durch die gebieterische Logik der herrschenden Begriffe erdrückt und in nichts verwandelt. Aber nicht nur offizieuerseits, sondern auch unter dem Gesichtspunkte der Landesinteressen und der wirtschaftlichen Entwicklung, deren Schauplatz Palästina in den letzten Jahren geworden ist, erscheint das Ansinnen, Bevölkerungskonflikte zu schaffen, trotz aller Künste des widrigen Buhlens um die Gunst einiger Fanatiker, als ein infames Unternehmen, das unmöglich Boden und Anklang finden kann. Das Land erwachte zu neuem Leben, neue Erwerbszweige wurden geschaffen, neue Einnahmequellen erschlossen, und ist eine gewisse Konkurrenz entstanden, so ist sie doch für Land und Leute von ungeheurem segenbringendem Einfluß. Das eingewanderte jüdische Element hat das Wesentlichste geschaffen, in dem der Keim alles weiteren Fortschreitens ' liegt, die Basis des wirtschaftlichen Kulturlebens: den modernen Ackerbau. Es ist kein Schmarotzergesindel und kein politisches Abenteurerelement, das ins Land gekommen ist. Arbeiter, Industrielle und Kaufleute, Leute mit Vermögen, mit gesunden Muskeln und von einer Tatkraft beseelt, die von einer großen Liebe zum Lande durchglüht ist, haben nicht nur sich, sondern auch den anderen ökonomische Stärkung und Förderunggebracht. Wohl können wir uns einen Wettkampf industriellen Schaffens denken, aber von Reibungen, wie sie in den überfüllten Ländern oder unter dem Einfluß gehässiger Regierungstendenzen vorkommen, kann dort nicht die Rede sein. Wem hat die jüdische Kolonisation geschadet? Es flössen neue Lebensströme dem Lande zu, den allgemeinen Geist der Bevölkerung treibend und hebend, läuternd und befruchtend. Eine Interessengemeinschaft umschlingt die ganze Bevölkerung, und gebärden sich manche Neuankömmlinge noch etwas unheimisch, so werden diese Scharten schnell ausgewetzt. Es ist also weder vom Standpunkte der Regierungspolitik noch von dem der wohlverstandenen Bevölkerungsinteressen der mindeste Anhaltspunkt für irgendeine grundsätzliche Gegnerschaft oder für irgendeinen Schatten von Konflikten vorhanden. Sollten sie etwa .

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