Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316296-3316309--50425-3377552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
- Odesa 1× ep/1000834
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
OCR text
No. 12 DlE^j für sie die nötigen Einkäufe u. dergl. m. Das Bureau sorgt dafür, daß dies alles denr Emigranten-möglichst billig zu stehen kommt. — Vom..l. März 1907 bis 9. Januar 1908 löste das Konstantinopeler Bureau 682 „Teskerehs" für mehr als 2000 Personen. — Es verdient erwähnt zu werden, daß nicht bloß die russischen Emigranten, sondern auch solche aus anderen Ländern, ebenso auch viele, -die sich nach verschiedenen Hafenstädten der Türkei und Ägyptens begaben, von der Hilfe unserer Bureaus in Palästina und Konstantinopel Gebrauch machten. ., Das Odessaer Bureau leistete folgende Arbeiten: 1. Es war die Zentrale anderer Bureaus, leitete und konzentrierte ihre Arbeiten; 2. vermittelte Informationen aus Palästina an Interessenten aus Rußland; 3. erteilte Auskunft über die Reise zu Land und zu See, über die Kosten der Fahrt, der Beförderung von Bagage und Waren, über empfehlenswerte Gasthäuser usw.; 4. erwies rechtlichen Beistand, im' weitesten Sinne des Wortes in allem, was das Reisen nach Palästina betrifft; 5. sorgte für Ermäßigung der Preise Zti Fahrkarten, der Beförderung von Bagage, ferner für die Regelung und Verbilligung _der Landung in Jaffa u. dergl. m.; 6. suchte die Emigranten vor Übervorteilung zu schützen; 7. half den Reisenden bei der Beförderung von Briefen, Telegrammen, Paketen und Geldsendungen nach Palästina; 8. erteilte mündlich Auskunft an Odessaer und zugereiste Besucher. Die Anfragen an das Bureau betrafen: 1) die Reise selbst, die Fahrkosten, den Fahrplan u. dgl.; 2) verschiedene gesetzliche Bestimmungen und Verordnungen; 3) die Bedingungen von Bodenerwerb fh Palästina, Landkauf gegen Ratenabzahlungen und Agrarkredit; 4) Handel, Industrie und Handwerk; 5) die allgemeinen Bedingungen des Landes, seine Lebens- und Ansiedelungsverhältnisse. Die Anfragen betreffs Handels und Handwerks konnten größtenteils in positivem Sinne beantwortet werden', wohingegen die Fragesteller über Landerwerb und Agrarkredit fast alle abschlägig beschieden werden mußten, da eine Institution für Agrarkredit, welche eine unumgängliche Voraussetzung der agrikulturellen Kolonisation ist, in Palästina zurzeit nicht besteht. Viele dieser Fragesteller waren erfahrene Landleute, die über einiges Kapital verfügten und mit Hilfe von Agrarkredit leicht als Bauern im Lande hätten Boden fassen können. Das Informationsbureau erhielt auch Anfragen aus Rußland und Palästina über die Handelsbeziehungen zwischen diesen beiden Ländern, speziell über verschiedene Waren, die Transport- und Zollkosten derselben u. dgl. Diese Anfragen zeugten von der Zunahme des kommerziellen Verkehrs zwischen diesen beiden Ländern, die den neuen Ansiedlern zu verdanken ist. Mit Informationen aus Palästina reichlich versehen, war das Bureau in der Lage, für eine weitgehende Publikation derselben zu sorgen. In der in Odessa erschienenen Wochenschrift i,Jewreiskaja Mysl" wurden regelmäßig aus Palästina eingelaufene Informationen über Arbeitsgelegenheit Handel und Industrie, ebenso Mitteilungen allgemeiner Art veröffentlicht. Das Bureau versandte ferner bei gebotenen Gelegenheiten an die jüdischen Zeitungen verschiedene Mitteilungen und publizierte Informationsbroschüren, die an Interessenten versandt uud unter den Reisenden verteilt wurden. Das Bureau veröffentlichte ferner systematisch in der Presse Mitteilungen über die Fahrpläne, Fahrkartenpreise, Quarantäne u. dgl. Infolge des Übereinkommens zwischen unserem Bureau und der „Russischen Gesellschaft für Schifffahrt und Handel" wurde den nach Palästina Reisenden eine Ermäßigung von 40% für die dritte und 30% für die erste und zweite Klasse gewährt. Der Umstand, daß viele Reisenden häufig unterwegs verschiedene Hafenstädte der Türkei und Ägyptens aufsuchen müssen, veranlaßte unser Bureau, auch für die Reise nach diesen Punkten eine Ermäßigung zu erwirken, und zwar in der Höhe von 20°/o für die dritte und 10% für die erste und zweite Klasse.' Eine entsprechende Ermäßigung wurde auch für die Beförderung von Gepäck gewährt. Infolge unseres Abkommens mit der Schiffahrtgesellschaft sparten die Passagiere allein an den Personenbilletts ca. 14000 Rubel. Hierzu kommt noch eine beträchtliche Summe als Ersparnis an der Beförderung des Gepäcks. Auf Ersuchen unseres Bureaus wurde von der russischen Schiffahrtsgesellschaft die Anordnung getroffen, daß die Dampfer der alexandrinischen Linie einmal in vierzehn Tagen in Chaifah landen sollten. Wie sehr diese Neuerung zeitgemäß war, zeigt die Tatsache, daß seit Anfang 1908 diese Dampfer allwöchentlich in Chaifah Halt machen, was bereits ohne jede Verwendung unserseits eingeführt worden ist Um einer Übervorteilung seitens der Inhaber der Landungsboote in Jaffa vorzubeugen, traf unser Bureau eine Vereinbarung mit Jaffaer Bootbesitzern, daß sie die Passagiere mitsamt dem Gepäck zu 3Frcs. pro erwachsene Person und 1.50 Frcs. pro minderjährige Person ans Land bringen sollten. Unser Bureau verabfolgt hier an die Passagiere entsprechende Scheine, die für die Landung gelten. KELT ■ - 17 Solcher Scheine wurden im Laufe des Jahres ca. 1000 (darunter auch Halbbilletts) ausgestellt. Dadurch sparten die Passagiere insgesamt ca. 600 Rubel. (Früher wurden ' von jeder Person für die Landung nicht weniger als Frcs. 5.—, häufig aber viel mehr erhoben.) Insgesamt bedienten sich im Laufe des Jahres der Hilfe unseres Bureaus 1746 Passagiere (1022 Männer und 724 Frauen). Ihrem Alter nach lassen sie sich folgendermaßen einteilen: Leute von mehr als 50 Jahren, die größtenteils aus religiösen Motiven ihre letzten Jahre im heiligen Lande zubringen wollen — 538 (mehr als 30%). Unter den älteren Personen gab es auch manche, die zu ihren in Palästina ansässigen Kindern hinüberfuhren, ebenso Familienväter, die nach Palästina auswanderten mit der Absicht, sich dort mit Handel, Handwerk oder Agrikultur zu befassen, so daß die Zahl der ökonomisch Passiven nur ca. 20°/o betrug. Im Alter von 30—50 Jahren standen 428 Personen (28%), junge Leute von : 15—30 Jahren 429, jünger als 15 Jahre waren 352 (20%), so daß das Kontingent der Arbeitsfähigen 50—60% betrug. Unter 757 Passagieren, die Auskunft über ihre Beschäftigung erteilten, waren: 374 (ca.50%) Handwerker und Arbeiter, 302 (ca.40°/o) Handelsleute, 81 (mehr als 10%) Männer von liberalen Berufen. Zu dauerndem Verbleib im Lande reisten 1032 Personen (60"/o), „um die letzten Jahre im heiligen Lande zuzubringen": 372 (mehr als 20"/o), zeitweilig (das Land zu sehen, Verwandte zu besuchen, geschäftshalber u. dgl.): 288 (mehr als 15%,), zur Kur: 28 (l,50;o), eine Lehranstalt — das Beiruter College, das Hebräische Gymnasium in Jaffa, das Lehrerseminar und den „Bezalel" in Jerusalem zu besuchen: 21. Manche, die die Absicht hatten, im Lande zu verbleiben, kehrten indes zurück, wohingegen manche, die nur das Land zu besuchen' beabsichtigten, schließlich in Palästina verblieben und ihre Familien dorthin abholten. Die Passagiere, die nach Palästina zur Kur reisten, waren meistens herz-, hingen- und asthmaleidend oder wollten auf ärztliche Verordnung die tiberiadischen Warmquellen aufsuchen. Unter 244 Personen, die über ihre Vermögensverhältriisse Auskunft gaben, waren: 123 Personen (50%) mit einem Kapital von 100—1000 Rubel, 79 (32%) mit einem Vermögen von Rubel 1000—5000, 42 (17%) besaßen mehr als 5000 Rubel. Nach ihrer Provenienz lassen sich die Passagiere folgendermaßen einteilen: 609 Personen (ca. 35°/o) aus Südrußland, 484 (ca. 27%) aus Litauen, 296 (17°/o) von außerhalb des Ansiedlungsrayons, 285 (16%) aus Polen, 72 (4%) Palästinenser. Die beträchtliche Zahl der Passagiere von außerhalb des Ansiedlungsrayons erklärt sich dadurch, daß viele kaukasische, turkestanische und bucharische Juden nach Palästina reisten, um sich dort niederzulassen oder um das Land zu sehen und die heiligen Stätten zu'besuchen. Die palästinensischen Passagiere waren fast durchweg aus Rußland stammende Juden, die sich .zu verschiedenen Zeiten in Palästina niedergelassen hatten und die in Geschäfts- oder Familienangelegenheiten nach Rußland reisten oder auch, um sich zur Militäraushebung zu stellen. Manche kamen, um ihre Geschäfte in Rußland zu liquidieren und ihre Familien nach Palästina abzuholen. Als Zielpunkt der Reise gaben an: 752 Jerusalem, 627 Jaffa, 241 Kolonien, 69 Safed und Tiberias, 31 Beirut 26 Chaifa. Die große Zahl der nach Jerusalem Reisenden erklärt sich dadurch, daß fast sämtliche älteren Personen und die aus religiösen Motiven nach Palästina Fahrenden, ebenso auch ein beträchtlicher Teil der studierenden Jugend sich nach Jerusalem begibt. Jaffa ist der Zentralpunkt für alle, die sich mit Handel befassen oder ein Handwerk ausüben wollen. Freilich bleiben nicht alle in Jaffa; viele gehen dann von dort aus nach anderen -Städten oder nach den Kolonien. Nach den Kolonien begaben sich meistens junge Leute, die sich mit Landarbeit beschäftigen wollten, ebenso auch diejenigen, die auf eigne Rechnung Landwirtschaft zu treiben beabsichtigten. Auch Handwerker reisten in erheblicher Anzahl auf Einladung von Bekannten und Verwandten nach den Kolonien. Im allgemeinen machte sich in diesem Jahre eine Tendenz zur Verteilung der Einwanderung über das Land bemerkbar. Namentlich vermehrte sich die Niederlassung in den Kolonien, während früher fast alle Auswanderer nach Jaffa oder Jerusalem gingen. Es verdient noch erwähnt zu werden, daß ein großer Teil der Emigranten auf die Einladung ihrer in Palästina ansässigen Verwandten hin hinfuhren (591 Personen — 34°», ferner, daß viele von den Passagieren bereits früher — bisweilen zu wiederholten Malen — in Palästina gewesen waren, aber jetzt erst sich zur endgültigen Niederlassung, — meistens mitsamt ihren Familien, — dorthin begaben. Es gab auch Fälle, daß die Familienmitglieder — alle oder zum Teil —- nach Palästina verreisten, während die Familienväter aus geschäftlichen Rücksichten in Rußland zurückblieben. Die Erfahrung zeigte, daß die meisten solcher Familien sich mit. der Zeit in Palästina niederlassen. —