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Die Welt · 1908-03-13 · 11 (13.3.1908) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 11 DIE30&ELT 17 ooooooooo NACHRICHTEN Palästina (Originalbericht) Jerusalem : Vor kurzem hat sich hier eine neue Gesellschaft gegründet die. ,die Hebung der' gewerblichen und industriellen Lage Palästinas zum Zweck hat. Bisher hat die neue Gesellschaft, die sich „Bnei Jehuda" nennt, .natürlich noch nicht viel unternehmen .können. Sie hat eine kleine Weberei eingerichtet, die bereits ejne kleine Anzahl von Arbeitern beschäftigt, und will demnächst an die Errichtung einer Wollspinnerei schreiten. Insofern unterscheidet sich diese neue Korporation nicht zu sehr von anderen bereits bestehenden Unternehmungen ähnlicher Art. Indessen hat sich die Gesellschaft' ein Ziel gesteckt, das origineller Natur ist und geeignet sein dürfte, in die bestehenden Verhältnisse Wandel zu bringen. Von dem Gedanken ausgehend, daß rituellen Gegenständen, die im heiligen Lande angefertigt werden, seitens der Glaubensgenossen in der ganzen Welt ein besonderer Wert begemessen wird, plant die Gesellschaft, die Herstellung von Ritual-Artikeln in die Hand zu nehmen. Sie meint, daß es leicht möglich sein müßte, die Juden in der ganzen Welt zu veranlassen, ihren Bedarf an Gegenständen des rituellen Gebrauchs aus Palästina zu decken. Wenn dies erreicht würde, wäre es möglich, eine Industrie in Palästina zu . schaffen, die einmal Tausende, von Händen beschäftigen könnte und anderseits auch geeignet wäre, gerade dem palästinensischen Menschenmaterial -gewinnbringende Beschäftigung zu geben, das sich bisher zum großen Teil von Almosen ernährte. Die Gesellschaft beabsichtigt also unter dem Namen „Kodesch Mikodesch" (Heiliges vom Heiligen) eine. Abteilung zu errichten, deren Aufgabe es ist, alle Ritual-Artikel: Sifre Toras, Teffilim, Mesusoth, Gebetbücher, Megiloth, Leuchter usw. usw., herzustellen. Die hierdurch bewirkte Zentralisation, ist auch aufs beste geeignet, dem Schnorrer-Unwesen, das heute gerade mit derartigen Artikeln getrieben wird, Einhalt zu 'tun. Ein ausführlicher Katalog der von der Gesellschaft verfertigten Gegenstände wird auf Verlangen von der Gesellschaft Bnei Jehuda, Jerusalem (Telegrammadresse Gepen)- zugestellt. Vom hebräischen Gymnasium in Jaffa Mit Rücksicht auf mehrfach verbreitete falsche Gerüchte über die Tätigkeit des Hebräischen Gymnasiums hat die Palästinakommission, . bei' ihren Leitern angefragt und folgende Antwort erhalten, die sie uns zur Verfügung stellt: Hochverehrter Herr Professor! ' In Beantwortung Ihres werten Schreibens vom 10.12. danken wir Ihnen bestens für Ihre freundliche Gesinnung und Ihre Bereitwilligkeit, in Westeuropa für das Hebräische Gymnasium wirken zu wollen. Die Gerüchte bezüglich irreligiöser Tendenzen unserer Lehrer sind selbstredend aus der Luft, gegriffen, und Ihre Voraussetzung, daß im Gymnasium nichts geschieht, was die religiösen Gefühle der palästinischen Judenheit verletzen könnte, trifft in allen. Beziehungen zu. Tatsächlich befinden wir uns im besten Kontakt mit der hiesigen Judenheit. Bis zur Stunde haben wir nicht den geringsten Anlaß, über irgendeine Gegnerschaft oder auch nur über eine Abneigung seitens der palästinischen. Juden zu klagen. — Wir können das eben Gesagte durch eine Reihe von Tatsachen bekräftigen, aus der wir hier nur einige herausgreifen: 1. Zunächst beweist die stets zunehmende Schülerzahl, daß wir die Sympathie der Bevölkerung besitzen. Bekanntlich wurde, das Gymnasium mit 14 Schülern eröffnet. Jetzt zählt es bereits 90 Schüler. Ja, eben in der laufenden Woche hatten wir Gelegenheit, einen - rührenden Fall von Anhänglichkeit an unsere Institution zu bemerken. Da hat nämlich ein hiesiger Einwohner, dessen drei Kinder das Gymnasium besuchen, einen südafrikanischen Verwandten veranlaßt, seine beiden Knaben nach Jaffa zu schicken, damit sie das Hebräische Gymnasium besuchen' sollen. Wie groß muß die Liebe und das Vertrauen zu unserer Anstalt sein, wenn man Kinder einer englischen Schule entzieht und nicht scheut sie auf eine so weite Reise zwecks Besuchs einer Schule zu schicken? Nicht minder interessant Ist vielleicht folgender Fall: Ein wohlhabender, orthodoxer Jude in Lodz hat testamentarisch angeordnet, daß sein Sohn das Jaffaer Hebräische Gymnasium besuchen soll- Der Wunsch ward befolgt und die orthodoxen Verwandten, die den Knaben hierher begleitet und sich hierselbst umgesehen haben, sind für dessen Aufnahme in unserer Schule äußerst dankbar. Auch sonst befinden sich unter unsem Schülern Söhne orthodoxer Rabbiner, Chachams usw. In diesem Zusammenhang ist auch daran zu erinnern, daß das Gymnasium die einzige jüdische Schule in Palästina ist, die schon' jetzt zirka 10 00Ö Francs jährlich an Schulgeld einnimmt, — ein Umstand, der um so bedeutsamer ist, als man hier die Bevölkerung systematisch daran gewöhnt hat für Unterricht nichts oder nur recht winzige Summen zu zahlen. Würden wir das Schulgeld wesentlich reduzieren, dann wären unsere Lokalitäten gar nicht in der Lage, den starken Zustrom der Schüler zu fassen. — 2. Ein Beweis, daß unsere Lehrer bei der hiesigen Bevölkerung gut angeschrieben sind, ist auch in der Tatsache zu erblicken, daß fast alle unsere Lehrer stets gebeten werden, am Sabbath in den Synagogen, namentlich bei den an überlieferter Sitte treu hängenden Sefardim, vor einem andächtig lauschenden Publikum zu sprechen. Es ist klar, daß es nie und nimmer der Fall wäre, wenn die Lehrer irgendwelche irreligiösen Tendenzen verfolgten. 3. Es ist auch ferner von Bedeutung, daß in der konservativsten aller Kolonien, inPetach-Tikwah, andauernd das hartnäckige Bestreben besteht, das Gymnasium dorthin zu überführen. Auch das wäre undenkbar, wenn unser Gebaren die Gefühle der hiesigen Bevölkerung verletzen und Zwiespalt hervorrufen sollte. 4. Endlich verdient auch hervorgehoben zu werden, daß das Gymnasium glücklicherweise sogar von der Belegung mit dem Gherem verschont geblieben ist, — und Ihnen ist es ja wohl bekannt, daß seit Frankls Gründung der Lämmelschule bis auf die harmlösen Kindergärten unserer Tage keine moderne Schule dem Schicksal der Cherembelegung entgangen ist In der Tat, wir könnten mit bestem Gewissen einerseits behaupten, daß uns irgendwelche Einwirkungen auf religiösem Gebiete völlig fern liegen, und daß anderseits die hiesige Bevölkerung uns äußerst sympathisch gegenübersteht. Unsere einzige, uns stets gewärtige Aufgabe besteht darin, eine Schule zu schaffen, die neben der Erteilung des üblichen modern-wissenschaftlichen Gymnasialunterrichts, ihre Zöglinge im national-jüdischen Geiste zu stolzen, charakterfesten und jüdischen Juden erziehen soll. So einfach und selbstverständlich dieses positivnationale Programm auch klingen mag, so bietet doch seine Verwirklichung genug Schwierigkeiten, und es ist die ganze freudige Hingabe unserer Lehrer erforderlich, um nur einigermaßen der zugewiesenen Aufgabe gerecht zu werden. Für irreligiöse Tendenzen haben unsere Lehrer weder Zeit noch Neigung und Interesse. Unseres Erachtens entstammen alle diese Gerüchte einer einzigen gerade nicht lauteren Quelle, die wir hier nicht nennen wollen. Es mag zutreffen^ daß auch gewisse Chalukakreise unserer Schule — aus politisch-wirtschaftlichen Motiven — nicht günstig gesonnen sind. Es sind dies dieselben Elemente, die beispielsweise in jeder gewöhnlichen Makkabäerfeier etwas Irreligiöses erblicken. Diesen Leuten aber werden wir nie gerecht werden können. Wir hoffen, hochverehrter Herr Professor, daß diese kurzen Angaben Ihnen den richtigen Tatbestand erläutern werden, und danken Ihnen nochmals für Ihre gütige Mitwirkung. In vorzüglicher Hochachtung. Die Direktion: gez. Dr. Ch. Bogratschoff, Dr. L. Metman, M. Scheinkin Rumänien (Originalbericht) Die Bilanz -der liberalen Regierung In diesen Tagen wird es ein Jahr, daß die liberale Partei in Rumänien ans Ruder gekommen ist, damals nach den Bauernunruhen, unter denen die Juden so sehr zu leiden hatten. Es verlohnt sich, einmal eine Bilanz z.u ziehen, inwieweit die „liberale" Regierung den Juden gegenüber ihre Liberalität bewiesen hat. Das erste Heilmittel, zu <3em die neue, Regierung griff, um dem durch die maßlose Unterdrückung der Größgrundbesitzer zur Verzweiflung getriebenen- Bauernstand aufzuhelfen, war die Austreibung der Juden aus den Dörfern. Zwar hatten die Juden mit den Ursachen der Revolten nichts zu tun, lebten zum großen Teile seit Jahrzehnten in harmonischer Eintracht inmitten der Landbevölkerung, zwar petitionierten in vielen Fällen die Bauern selbst um Aufhebung der Ausweisungsverfügung, ja in einem Dorfe der Moldowa kam es direkt zu einer Revolte der Bauern, die unter keinen Umständen zugeben wollten, daß man den jüdischen Krämer des Dorfes hinauswiese, aber was verfing dies alles bei einer „liberalen" Regierung? Und was geschah mit den unglücklichen -

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