Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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augenblicklich in seinem Kreise vorherrschend ist, umzuwandeln, so ist dies ein unintelligenter, breiter, und tölpelhafter Spießbürgersport Einige jüdisch-deutsche Zeitungen haben uns trotzdem tüchtig, „ins Gebet genommen" und kriegen den;Kram gar nicht mehr satt. Die einen Theologen verdammen, die anderen verteidigen .die vorgenommenen Textänderungen. Ich könnte vielleicht noch vom Standpunkte der hebräischen Sprache vieles einwepden, — aber das würde zu weit führen. Das Pikante an der Sache ist jetzt nach meiner Meinung nicht die Diskussion in den jüdisch-deutschen Zeitungen, denn schließlich ist es ja eine „religiöse Frage". Das Pikante ist vielmehr das Hinüberspielen dieses Kampfes in die „allgemeine Presse"! Der Preßapparat, die Agenturen, die Ausschnitte,. die „freundliche Beachtung" der Rezensenten, die Feuilletons usw. sollen nun über den alten Siddur den Stab brechen. Das ist eine sehr praktische Einrichtung. Die Abonnenten des „Berliner Tageblattes" oder der „Frankfurter Zeitung" werden je ein von den Redaktionen dieser Zeitungen autorisiertes jüdisches Gebetbuch bekommen. Der Text wird je nach der politischen Richtung der betreffenden Zeitung abgefaßt sein. Also: konservativ, freisinnig, Block u. dgl. Man wird'' dann fragen: beten Sie „Frankfurter Zeitung" oder „Berliner Tageblatt"? - Das ist mehr, als. der Freytag'sche ^Schmock" vorausgesehen hat. Die Hamanshorde. Ein Märztag an der Newa. Der Wind stöhnt feucht und kalt und rauh. Welk und schmerzdurchbohrt, schlaff und sehnenlos schauen angstverzerrte, enttäuschte Gesichter dem Jubel der Ruchlosigkeit zu. In dunklen Scharen drängen die Echtrussen finster an. Die Fahne weht schwarz wie der Tod von Würgerhänden. Man hört das dumpfe Knirschen des Beils. Die wilden Hetzrufe gellen ins Ohr hinein. Sie klingen-wie Grablaut: Deutschland Nürnberg. In den letzten Tagen hielt die hiesige zionistische Ortsgruppe eine öffentliche Versammlung ab, in der Herr Rechtsanwalt Dr. J. Münz über „Wesen und Zukunft des Judentums" sprach. Der Vortrag war sehr gut besucht und wurde mit. lebhaftem Beifall aufgenommen. Köln: Einen außergewöhnlichen Erfolg, hatte die hiesige zionistische Ortsgruppe mit dem Vortrage des Herrn Dr. Elias Auerbach am verflossenen Sonntag. Ungefähr 500 Personen waren zu dem Vortrage, der im großen Saale der Rheinlandloge stattfand, erschienen und folgten mit lebhaftem Interesse den interessanten Ausführungen des Redners über „die Taufen und Mischehen der deutschen Juden". -i Am Montagabend sprach Herr Dr. Auerbach im Jüdischen Turnverein über das Thema: „Warum turnen wfr m der jüdischen Turnerschaft?" Das zahlreiche Publikum nahm den Vortrag sehr beifällig auf. Die anschließende Diskussion zog sich bis nach Mitternacht hin. Mehrere Neuanmeldungen fanden statt. Duisburg: Am 11. März sprach Dr. Elias Auerbach, Berlin» in der Zionistischen Vereinigung über die Zukunft des deutschen Judentums. Der auf wissenschaftlicher Grundlage sich aufbauende, durch glänzende Darstellungskraft ausgezeichnete Vortrag gehörte zum Besten, was uns jemals hier geboten wurde. Wir sind fest davon überzeugt, daß dieser Abend unsere Arbeiten nachhaltig fördern wird. Ratibor: Am letzten Mittwoch sprach in unserer Ortsgruppe Gg. Arnold Wiener-Kattowitz über die „Entwicklung des Zionismus", die er bis zur jüngsten Gegenwart darstellte. Die gehaltvollen und lehrreichen Ausführungen des Referenten, der den Zionisten eine lebhafte Propaganda in allen jüdischen Kreisen zur werktätigen Unterstützung unserer gesamten Palästinabestrebüngen dringend ans Herz legte, ernteten reichen Beifall. ^Nieder mit..den Schwachen..und Schwerbeladenen! Heraus mit den Unechten! Unser ist das Land!,' Unser Panier ist die Knute!" Und das Feuer (der.Begeisterung) lodert in hellen Flammen. Noch vor zwei Jahren glaubten wir, so etwas sei undenkbar. -Glutead flammte die Freiheitsliebe ringsumher. Im Schatten der -Nacht regte sich ein abgelebtes Element. Man nannte es: das schwarze Hundert. Als ich das Wort fallen ließ: das sind keine Hundert, das sind Hunderttausende, — starrte man mich verblüfft und zornig an. Man fühlte sich dem Pessimisten gegenüber so erhaben, ironisch überlegen. Armselige Träume, die wie Schaum, von scharfem. Windzerfetzt, von dannen fliegen, zerrissene Fahnen, erfolglose Kämpfe — und der Geißelhieb des groben Spottes, der kalte Hohn! Em Märztag an der Newa. Frost schüttelt die Glieder, und jeder Lebenslaüt. klingt wie ein Todesgruß. Wo nimmt man die Kraft, dieses Elend zu tragen? Geduld! Geduld! Wo nimmt man die Geduld? Gut für Ansichtspostkarten. Das idyllische Bild schwebt mir fortwährend vor: Das 1 ^jährige jüdische Kind, das aus Moskau „ausgewiesen" worden ist. In der Wiege — und auf dem Gesichtchen liegt der Abglanz eines Engels. Eine Schergenhand packt es rauh und hart, um es nach dem „Ansiedelurigsrayon" abzuschieben. In einem schönen Feuilleton (im „Haint") hat David Frischmann ein Pendant zu diesem Säugling gezeichnet: Aus Kiew wurde ein 90jähriger Jude ausgewiesen. Ist das nicht die idealste Gleichberechtigung, ohne Unterschied des Alters? Ein begnadetes Ansichtspostkarten-Malergenie befragte mich unlängst, ob ich nicht neue jüdische Motive empfehlen könnte? Hier ist eins. N. S. The Jewish Colonial Trust Geschäftsbericht des Jewish Colonial Trust Ltd. pro 1907 Das Geschäftsjahr 1907 zeigt einen gesunden Fortschritt in der Entwicklung unserer Bank. Der Bruttogewinn beträgt £ 17350.— (gegen £ 15400.—;in 1906). Diese Vergrößerung des Gewinnes ist nur zum kleineren Teil durch den höhen Zinsfuß des Jahres 1907! zu erklären, vielmehr, haben die Ausdehnung der. Geschäfte in allgemeinen und insbesondere die der Provisionsgeschäfte wesentlich dazu beigetragen. Spesen und. Unkosten betragen £ 8820.— (gegen £ 8070.— in 1906), darunter - £ 653.^— Kosten in Verbindung mit der Abänderung der 'Statuten. Das Aktienkapital hat sich durch' Neuverkauf und Restzahlungen um £ 1323>— vermehrt und beträgt per 31. Dezember 1907 £ 254200.-^ Wenn trotz des Bruttoüberschusse? der Nettogewinn ein kleinerer ist als in 1906, so hängt das mit Abschreibungen zusammen, die wir in 1907 zu machen hatten, die aber unsere geschäftliche Tätigkeit selbst gar nicht oder nur indirekt betreffen. So haben wir auf unseren/ Besitz an Consols £ 689.— abschreiben müssen, — sie stehen jetzt zu Buch mit 83 —, auf Anteilscheine der Palästina Handelsgesellschaft, Hamburg .£ .933.— sie stehen jetzt zu Buch mit 15ö/0— und endlich haben wir von dem El Arish Account wieder £ 500.— abgesetzt. In unserem regelmäßigen Geschäfte AUS DER BEWEGUNG