Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE ELT KÖLN AM RHEIN, KAR01.INGERRING 6\®/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRG. KÖLN, 6. März 1908 "prwh c£>nriJ« ÜBER DIE ABÄNDERUNG DER BANKSTATUTEN Die Leser unseres Blattes werden in dieser Nummer eine Nachricht finden, die sie über das Ergebnis der Ab- * Stimmung wegeh der Abänderung der Bankstatuten aufklären wird. Nur eine verschwindend kleine Minderheit hat gegen die Abänderung gestimmt: eine erdrückende Mehrheit hat sich für die Abänderung ausgesprochen. Wir konnten in ruhiger Entschlossenheit dem Experiment der Abstimmung entgegensehen, und zwar um so mehr, als wir auch den gegenteiligen Ansichten viel vornehmer "und gerechter als manche andere gegenüberstanden. Wir wollten uns dem Vorwurfe nicht aussetzen, daß wir den abweichenden Stimmen den Weg zur Öffentlichkeit sperren. Für uns war die Situation schon lange völlig geklärt und die öffentliche Meinung der großen zionistischen Mehrheit deutlich wahrnehmbar. Wir bedurften keiner neuen Abstimmung, nachdem Generalversammlungen und -Kongresse die Durchführung der Abänderungsformalität beschlossen haben. Über die Berechtigung unserer Stellungnahme ist jedes Wort überflüssig. Die neue Abstimmung und die neuen bevorstehenden Gerichtsverhandlungen sind von der protestierenden Partei veranlaßt worden. Dort lautete die Parole : Noch einmal die Aktionäre befragen, es sollen also noch einmal Inserate, Aufrufe und ein neuer Termin angesetzt werden. Man wird schon sehen, daß die Mehrheit gegen die Abänderung stimmen wird. Wir haben bereits im vorigen Jahre, vor der letzten Gerichtsverhandlung, wahrheitsgetreu und sachlich, zur allgemeinen Orientierung die Hauptpunkte der Geschichte dieses schleppenden und kostspieligen Prozesses dargelegt. Da. man es von der gegnerischen polemischen Seite an Entstellung der Wahrheit nicht hat fehlen lassen und da man sich dazu verstiegen hatte, auch die Person unseres verewigten Führers in die Polemik zu zerren, hielten wir es für unsere Pflicht, die Gegnerschaft auf Grund einer unbestreitbaren Beweisführung eines Bessern zu belehren. Aber, wir stießen auf taube Ohren. Man appelliere an die Massen! — schallte es uns entgegen. Die Mehrheit wird bei einem neuen Termin schon anders entscheiden. Nun hat - die Mehrheit entschieden, und-, die Protestierenden können ihre „Massen" sehen. Da fällt uns wie von selbst Goethes Wort im Faust ein, von jenen, die mit gieriger Hand nach Schätzen graben und froh sind, wenn sie Regenwürmer finden. Wir sind wahrlich weit entfernt davon, den guten Glauben der Protestierenden anzuzweifeln, und es bedarf kaum der ausdrücklichen Erwähnung, daß von Empfindungen einer Schadenfreude angesichts des Resultates der Abstimmung gar nicht die Rede sein kann. Heute liegt aber die Sache so, daß selbst die leidenschaftlichsten Gegner der Statutenabänderung sich doch fragen müssen, ob sie im Sinne und im Interesse der großen Mehrheit der Aktionäre handeln, wenn sie mit neuen Einwendungen und Protesten auftreten . würden? Wozu neue Unkosten, neue Aufregungen und Scherereien verursachen'? Das ist die Frage, die sich jeder vernünftige Gegner stellen muß, eine Frage, so wichtig und so entscheidend, daß alles andere, was auf parteiische Genugtuung Bezug hat, davor an Bedeutung und Wichtigkeit in den Schatten tritt und verschwindet. Jeder Freund der Gerechtigkeit sollte deshalb wünschen, daß die Opposition, nachdem die Stimme der Zionisten so deutlich über diese Frage gesprochen hat, auch den Mut und die Entschlossenheit finden sollte, den Protest zurückzuziehen. Angesichts der bevorstehenden Prozeßverhandlungen wollen wir keine Falb-Rolle spielen. Die Entscheidung liegt in den Händen des Richters. Die Prozedur der Formalitäten ist eine juristische Angelegenheit, die kaum genau vorauszusehen ist. Aber wesentlich ist die Frage für uns entschieden. Die Mehrheit der aufzubringenden Stimmen hat entschieden. Das war das einzig mögliche Kriterium, wenn es überhaupt noch dieser Abstimmung bedurfte. Und noch eins ist zu bemerken. Daß unsere Bank und unsere zionistisch-palästinensischen Ziele untrennbar sind und nur durch einander bestehen können, hat jeder erkannt, der denkend-und vorurteilslos mit klarem Kopf an die Beurteilung der Dinge herantritt. Viel Wirrsal würde vermieden werden, wenn gewisse Schlag- 1*