Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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wußten, daß die Mehallah nicht mehr kämpfen wollte, daß Zwietracht unter den Stämmen herrscht. Endlich führte man uns nach Berschid zurück, eine Nacht schliefen ~ wir in Medionna, und jetzt sind wir ohne Hoffnung auf Wiederkehr in unsere Häuser." Auf unsere Frage, was aus den andern Israeliten geworden sei, deren es in Settat und in den Dörfern doch mindestens Tausend gegeben hätte, und von denen jetzt nur 150 vorhanden seien, erhielten wir den Bescheid: „Wir wissen es nicht Viele sind in Casablanca bei ihren Verwandten, andere sind-jenseits der Berge, und sicherlich viele unter den Arabern." Es kann nicht davon die Rede sein, die Flüchtigen zu repatriieren. Wir organisieren das Hilfswerk, geben ihnen Kleidung und Nahrung, und dann wollen wir für sie Unterkunft und Arbeit suchen, so daß sie sich unter die Bevölkerung mischen. Ich appelliere an die Großherzigkeit des Zentralkomitees, daß es den Unglücklichen Hilfe schicke. Pisa DieAUiance Israelite Universelle hat Herrn Pisa sofort 5000 Franks zur Verfügung gestellt und weitere 2000 Franks nach Marrakesch geschickt, wo die Lage der Israeliten gleichfalls überaus mißlich ist. Hilfsverein der Deutschen Juden Am 16. Februar fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilf sVereins der Deutschen Juden statt. Unter lebhaftem Beifall der Anwesenden dankte Herr James Simon Herrn Dr. Nathan dafür, daß er durch eine mühevolle viermonatliche Studien- und Inspektionsreise nach dem Balkan, der europäischen und assiatischen Türkei das Werk des Hilfsvereins von neuem wesentlich gefördert habe. Herr Dr. Nathan hebt hervor, daß ihm sein Reisebegleiter, Herr Privatdozent Dr. Mittwoch, als Orientalist die wesentlichsten Dienste in den Ländern des Orients geleistet habe. Alsdann erstattete Herr Dr. Nathan in großen Zügen Bericht über seine Reise. Der Vortragende ging speziell auf das gegenwärtig bereits bestehende Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina ein und entwickelte die Aufgaben, die auf dem Gebiete des Schulwesens in Palästina noch der Lösung harren, und deren allmähliche Verwirklichung der Hilfsverein anzustreben habe. Zur allgemeinen lebhaften Befriedigung der Versammelten konnte er feststellen, daß er bei vorurteilslosester Prüfung die sämtlichen Instituten des Hilfsvereins im Orient vortrefflich organisiert gefunden habe, und daß die Prinzipien, die für den Aufbau und Lehrplan derselben maßgebend gewesen seien, sich in jeder Richtung bewährt haben. Die Anstalten des Hilfsvereins sind von Anfang an den Anschauungen der religiös gesinnten jüdischen Bevölkerung des Landes angepaßt worden und sie haben sich auf dieser Basis gesund entwickelt Es hat sich auch in vollem Maße bewährt, daß der hebräischen Sprache eine grundlegende Bedeutung eingeräumt wurde, und daß sie schon vom Kindergarten an gelehrt wird. Nach der Entwicklung, die die Verhältnisse insbesondere in Palästina genommen haben, ist die hebräische Sprache eine lebendige Sprache geworden, das Hauptverständigungsmittel zwischen unseren Glaubensgenossen mit verschiedener Sprache, die aus den verschiedensten Ländern stammen, a^s Innerasien, aus Persieh, aus Südarabien und aus Osteuropa, oder Abkömmlinge der spanischen Emigranten sind. Herr Dr. Nathan legte des näheren dar, daß hebräisch und die Landessprache — arabisch bezw. türkisch — in allen Schulen des Orients, Volksschulen wie höhere, das unentbehrliche Sprachwissen darstellen müssen, daß man eine oder die andere europäische Kultursprache, je nach den örtlichen Bedürfnissen in größeren Handelszentren dann noch hinzufügen müsse. Nur wo ein reales Bedürfnis dafür vorliegt, ist die Kenntnis einer Kultursprache ein Segen; in anderen Fällen — z. B. vielfach in ganz kleinen zerstreuten Ortschaften auf dem Lande — biete der Besitz einer Kultursprache einen verhängnisvollen Anreiz zur Auswanderung — und die Steigerung der jüdischen Auswanderung müsse nach Möglichkeit hintangehalten werden —; es müsse ferner bezüglich der Wahl der zu lehrenden Kultursprache individualisierend verfahren werden, je nach der Verschiedenheit der Verkehrs- und der Handelsbeziehungen der größeren Orte. Dabei fällt freilich dem Hilfsverein eine große Aufgabe zu, da .die Ausdehnung des deutschen Handels im Orient stetig wachse. DerReferentwies alsdann noch auf dieaußetordentlicheBedeutung hin, die die zeitgemäße Ausgestaltung des Talmud-Thora-Unterrichtswesens für den Orient und insbesondere für Palästina besitzt und er teilte mit daß er ein prinzipielles Einverständnis über das, was auf diesem Gebiete zu geschehen hat, mit den beteiligten Kreisen herbeigeführt habe. Der Ausschuß gab seine Zustimmung dazu, daß der Hilfsverein für eine solche Unterstützung der Talmud-Thora-Schule Mittel zur Verfügung stelle. An der religiösen Unterweisung soll nicht das Geringste geändert werden. Hingegen soll der Lehrplan erweitert werden durch Anfügung hebräischen und arabischen Sprachunterrichts. Auch die Realien sollen in hebräischer Unterrichtssprache gelehrt werden, so daß die jungen Leute besser für das praktische Leben vorbereitet die Schule verlassen. Auf diese Weise wird die künftige Generation von der Chalukah unabhängiger. Der erste Schritt auf diesem Wege wurde durch Bewilligung einer den Bedürfnissen entsprechenden Summe für die Talmud- Thora-Schule der Sephardim in Jerusalem gemacht. Es wurde mit Freude begrüßt, daß die sephardischen Gemeinden in gleicherweise wie die aschkenasischen den Anstalten des Hilfsvereins ihr Vertrauen schenken. Mit großem Interesse nahm der Ausschuß Kenntnis davon, daß durch Vermittlung des Herrn Dr. Nathan der langgehegte Plan betreffend die Begründung der Dr. Salvendi-Musterfarm realisiert worden ist, wodurch für die Hebung der Landwirtschaft und Bodenkultur in Palästina und die Ausbildung von jüdischen Kolonisten ein Schritt vorwärts getan worden ist. Auf der Musterfarm werden voraussichtlich auch in Übereinstimmung mit dem Frankfurter Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina die Zöglinge des Lehrerseminars, die während der Schulzeit theoretische landwirtschaftliche Kurse hören, in ihrer Ferienzeit "praktische Unterweisung erhalten. Herr Dr. Nathan gab darauf einen Bericht über die Verteilung der Summe, die der geschäftsführende Ausschuß im zur Linderung der wirtschaftlichen Notlage und Teurung in Palästina zur Verfügung gestellt hatte. Alsdann wurde das Budget für Palästina für das Schuljahr 1908/09 festgestellt. Die Budgets eines Teils der Anstalten des Hilfsvereins resp. der von ihm subventionierten Institute wurden zwecks weiterer Ausgestaltung erhöht und eine Reihe von Neubewilligungen vorgenommen — u. a. wurden Mittel für eine Kolonieschule bewilligt — womit vom Hilfsverein der erste Schritt getan ist, auch in den Dörfern Schulen zu errichten. Von anderen Bewilligungen sei noch erwähnt, daß Fonds zur Errichtung oder Unterstützung von Analphabetenkursen in Galizien sowie Mittel zur Beschaffung von Unterrichtsmaterial für die Schulen des Vereins Cultura in Bukarest zur Verfügung gestellt wurden; ferner erfolgten Bewilligungen zugunsten von Schulen in Bulgarien, und endlich wurde auch ein Beitrag zur Unterstützung an Schulen in Saratow, Rußland, angewiesen. The Palestine Land Development Co., Ltd.: Aufstellung der bis zum 20. Februar 1908 für obige Gesellschaft gezeichneten Beträge: Deutschland: Berlin: Prof. O. Warburg (1 Gründeraktie) £ 50.—, S. Hepner (1 Gründeraktie) 50.—, Dr. Arthur Ruppin 25.—, Dr. H. G. Heymann 25.—, Rentier Gideon Heymann 10.—, Notar Schachtel 10.—, Isidor Rosenthal 10.—, Julius Busse 5.—, Apotheker Mamlock 5.—, Hermann Struck 5.—, Dr. S. Soskin 5.—, Dr. Arthur Hantke 5.—, Ruven Asarch 3.—, Phöbus Sachs 2.—. — Hamburg: Moritz S. Wolff 25.—, Gustav Tuch 15.—, Generalkonsul Paul Ed. Nölting 10.—, Dr. med. David 10.—, Bally M. Mainz 5.—, Ludwig Mainz 5.—, Hougo Mainz 5.—. — Cuxhaven: J. Scharf stein 1.—. — München: Dr. Isaac Straus 10.—, Dr. Eli Straus 5.—, Kunstmaler Hermanns.—. — Halle: Dr. Albert Straus 5.—. — Köln: David Wolffsohn (1 Gründeraktie) 50.—. — Freiburg in Br.: Dr. M. Kaufmann 5.—, Moritz Weil 5.—. — Mannheim: Julius Simon 10.—, Wilhelm Dawid 5.—. — Frankfurt a. M.: J. Hackenbroich 5.—, Dr. Feuchtwanger 5.—, Fritz Sondheimer 5.—, Leopold Oppenheimer 2.—, Joseph S. Oppenheimer 2.—, Joseph L. Oppenheimer 2.—. — Dresden: Paul Tietz 10.—, S. Hurwitz 5.—, Martin Liebe 5.—. — Wetzlar: Meier Rosenthal 5.—, Verbindung „Iwriah", Elberfeld 5.—. — Kiel: Dr. Otto Opet, Kiel 5.—. — Dessau: Dr. Jakob Ascher 5.—, Dr. Moses 5.—, Hofbankier Märker 5.—, Schapiro I.—. Kantor Blitz 1.—. — Königsberg in Pr.: Dr. Georg Cohn 5.—, Consul Max Minkowski 2.—, A. S. Pomeranz 2.—, Otto Cohn 1.—, M. Wolffsohn 1.—, Jakob Paretzkin 1—, Zahnarzt Theodor 1.—, J. Olschwanger 1.—, Harry Hochberg 1.—, W. Stein 1.—, A. J. Rosenzweig 1.—, Leo Begun 1.—, Louis Lewin 1.—, Max Nachmann 1.—, Paul Sachs 1.—, Joseph Salzmann 1.—, S. Schönfeld