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Die Welt · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Am zweiten Tage wurden nach einer eingehenden Diskussiop über Agitation und Propaganda die Wahlen vorgenommen. Rabbiner Joseph Jasin aus Fort Worth wurde zum Präsidenten, Dr. H. Wilner- Houston zum Vizepräsidenten gewählt. Außerdem wurden in den Vorstand gewählt die Herren: Ph. Goodstein, Ph. Garonzick, J. D. Getch und L. A. Freed. Abends fand ein ausgezeichnet verlaufenes Bankett statt, an dem mehr als 300 «Personen, teilnahmen. Die Konferenz selbst wurde allgemein als die schönste und erfreulichste seit Bestehen der Texas Federation bezeichnet. Die Gemeinde Dallas empfing die Konferenz auf das herzlichste. Überhaupt war die Teilnahme allgemein sehr groß. Die nächste Konferenz soll Ende Dezember 1908 in Waco. stattfinden. _ _ Die Zionisten und die galizischen Landtagswahlen Lemberg, 30. Januar. Die zionistische Parteileitung hielt unter dem Vorsitz des Dr. Braude eine Beratung ab, in der beschlossen wurde, trotz der ungünstigen Aussichten der zionistischen Kandidaten an den Land.tagswah.len teilzunehmen. f=^^^7~ ===K^^==:^ iQ? NACHRICHTEN ^Vjj Ein antisemitischer Erfolg Aus Berlin wird gemeldet: In Berlin hatten am Sonntag die Mitglieder der leitenden Körperschaften des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen (Sitz Leipzig! und des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfenverbandes (Sitz Hamburg) eine zwanglose Besprechung, in der die Grundlagen für eine Verschmelzung beider Verbände erörtert wurden. Das Ergebnis der Besprechung war der Erlaß eines Aufrufs, der von 35 Mitgliedern der leitenden Körperschaften, darunter von den beiderseitigen Verbandsvor-. sitzenden Hiller-Leipzig . und Schack-Hamburg unterzeichnet wurde. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: In der klaren Erkenntnis, daß die wirtschaftliche Lage der deutschen Handlungsgehilfen und die ihrem Stande drohenden Gefahren ein einheitliches Zusammenfassen der in der Handlungsgehilfenbewegung vorhandenen Kräfte gebieterisch verlangen, haben sich die unterzeichneten Mitglieder des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen (Sitz Leipzig) und des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes (Sitz Hamburg) einmütig entschlossen, als Ergebnis eine"r von beiden Seiten zwanglos eingeleiteten und am 26. Januar 1908 in Berlin abgehaltenen Besprechung die leitenden Körperschaften, ihrer Verbände aufzufordern, ohne Verzug die erforderlichen Schritte zur Erörterung einer Interessengemeinschaft mit dem sobald wie möglich zu erstrebenden Endziel eines völligen Zusammenschlusses beider Verbände vorzunehmen. Wir sind überzeugt, daß die Beseitigung der diesem Ziele entgegenstehenden Schwierigkeiten gelingen wird, wenn die leitenden Körperschaften und die Mitglieder beider Verbände überall das gleiche Maß von Verantwortlichkeitsgefühl für die Interessen des ganzen Standes an den Tag legen werden, das uns. bei der Abfassung und Unterzeichnung dieses Aufrufs geleitet hat. Der Deutsch-nationale Handlungsgehilfenverband ist bekanntlich ein rein antisemitischer Verband. Seine unermüdliche Hetzagitation gegen die „Verjudung" des deutschen Kaufmanrisstandes, seine pöbelhafte Agitationsweise haben erst kürzlich den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranlaßt, eine besondere Flugschrift gegen diesen Verband zu verbreiten, der mit Vorliebe diejenigen jüdischen Prinzipale angreift, die mit gleicher Vorliebe seine Mitglieder beschäftigen. Als Trostpunkt gegenüber dem Einfluß des Verbandes, -der infolge der unleugbaren organisatorischen Begabung seiner Leiter ebenso, wie durch seine radikal-reaktionären Tendenzen ständig wächst, galten bisher die anderen deutschen Handlungsgehilfenvereine, die unentwegt den alten „liberalen" Standpunkt vertreten. Nun scheint der eine Hauptgegner des antisemitischen Verbandes umgefallen zu sein. Der Aufruf bringt nichts über die prinzipielle Grundlage der Verständigung. Jedenfalls kann als sicher angesehen werden, daß der deutsch-nationale Verband seine antisemitischen Grundsätze nicht aufgeben wird. Wahrscheinlich wird also der Leipziger Verband nach berufenem Muster eine „Blockpolitik" der Handlungsgehilfen einleiten wollen und entweder die antisemitischen Roheiten seiner neuen Freunde negligieren oder sich zu eigen inachen. Der deutsch-nationale Verband zählt 110000, der Leipziger 85 000 Mitglieder. Zusammen stellen sie zwei Drittel der organisierten deutschen Handlungsgehilfen dar. Wir sind gespannt, zu erfahren, wie die deutschen Juden dieses neue und sicher unvermutete Mene Tekel-aufnehmen werden. Österreich (Originalbericht) Am 1. d. M. fand in Wien im „Zum goldenen Widder" eine Goldfaden-Feier statt- Herr Dr. M. Berkowicz würdigte Goldfaden . vom jüdischen und zionistischen Standpunkt. Herr Geyer regte die Stiftung eines Goldfaden-Preises für gute jüdische Stücke an. Es folgten Rezitationen Goldfadenscher Gedichte (Singer, Hellmann) und Musikvorträge von Goldfaden-Liedern von den Herren Grob, Ulrich und Axelrad. In den sogen. „Kleinen Nationalien" der Wiener -Technischen Hochschule existierte bis zum letzten Studienjahr eine „Nationalitätsrubrik". Erst in diesem Jahre wurde sie aus unbekannten Gründen gestrichen und durch die Rubrik „Muttersprache" ersetzt. Als zahlreiche jüdische Studenten diese mit „jüdisch" ausfüllten, wurde manchen von ihnen in der Rektoratskanzlei Vorstellungen gemacht, ja sogar gedroht, daß sie religiert werden. Ober diese Vorfälle führte eine Sludentendeputation beim Rektor Prof. Vortmann Beschwerde. Der Rektor versprach Abhilfe zu schaffen. In Kotzmann (Bukowina) bedrohten anläßlich der Gemeinde- wählen ruthenische Bauern die jüdische Bevölkerung. Abg. Dr. Sttaucher intervenierte beim Landespräsidium. Der vierte Parteitag der jüd.-spz. Arbeiterpartei Poale- ■ Zion ist für den 19., 20. und 21. April nach Lemberg einberufen. Polnische Freiheit DieZustände in Galizien scheinen sich nicht allzusehr geändert zu haben, trotzdem, oder weil der Nationaldemokrat Dr.. Glombinski Klubobmann geworden. Es begannen bereits die Urwahlen in den Landgemeinden. Die Juden scheinen nicht widerstandsfähig genug zu sein und geben sich, unter dem Druck der Bezirksk'aufleute, zu einer unsere Volkswürde schwerschädigenden Rolle her. Ober die Landtagswahlen in Horodenka berichtet Abg. Oküniewski tRuthene): In Horodenka dauerten die Wahlmännerwahlen zwei Tage und zwei Nächte. Der Bezirkshaüptmann hatte versprochen, die Wahl fortzusetzen, solange Wähler zur Stimmenabgabe sich melden. Trotz dieses Versprechens ließ man zuerst jüdische Wähler durch die Hintertür und die Fenster des Amtsdieners ins Wahllokal eintreten. Die konsignierte Gendarmerie und die Dragoner hielten dagegen Hunderte ruthenischer- Wähler vor dem Wahllokal zurück. Am ersten Wahltag, Donnerstag, nach Unterbrechung der Wahl um 9 Uhr abends, ließ man gegen Mitternacht dreißig Juden zur Stimmenabgabe durch die Hintertür ins "Wahllokal. Heute, Samstag, um 5 Uhr früh brach der Regierungskommissär die Wahlhandlung ab, obwohl noch über dreihundert ruthenische Wähler nicht gestimmt haben und zirka hundertzwanzig Wähler vor dem Wahllokal im Frost und Schnee die ganze Nacht durch unter freiem Himmel auf die Stimmenabgabe warteten: Die Wahl wurde für geschlossen erklärt. Solch unerhörter Mißbrauch ruft unter der siebentausendköpfigen ruthenischen Bevölkerung der Stadt Horodenka eine kaum zu bewältigende Erregung hervor, die sich im ganzen Bezirk fortpflanzt. Die Schulbehörden zu Stanislau untersagten den jüdischen Mittelschülern den Besuch einer hebräischen Schule. Die Kämpfer -für die Freiheit der nationalen Schule! Konferenz hebräischer Lehrer in Rußland. Mitte April dieses Jahres findet in der Nähe von Kiew eine Konferenz der hebräischen-Lehrer Rußlands statt. Für die Dauer der Verhandlungen sind drei Tage vorgesehen. Die Tagesordnung umfaßt eine Reihe pädagogischer und organisatorischer Fragen. Die Beratungen werden sich hauptsächlich um den Plan der Schaffung einer nationalen Schule in Rußland drehen. Einer der hervorragendsten hebräischen Lehrer Palästinas wird über das Erziehungswesen in Palästina referieren. Eine „Erleichterung" der Lage der russischen Juden Wie unrecht es ist, der russischen Regierung absoluten Judenhaß und Feindschaft gegen jede Art Gewissensfreiheit vorzuwerfen, beweist nachstehende Meldung der „Petersburger Zeitung" über einen Senatsentscheid, der eine augenfällige Verbesserung der Lage der Juden mit sich bringen dürfte: Nach einem Senatsukas vom 27. Januar 1908 erhalten Juden, die in Polen zum evangelischen Glauben übergetreten sind, und .zwar ohne Einholung der Erlaubnis des Ministers des

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