Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 5 (31.1.1908)
- Date
- 1908-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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4 — , DIE 3 Arbeit des Zionismus brauchen wir das Geschaffene, wie die ungeduldigen Kinder bei der Sparbüchse oder bei dem Samenkern, den sie immer ausgraben, um zu sehen, ob es schon wächst, nicht immer zu zählen. Wir haben noch sehr wenig geschaffen, — schwache Ansätze, kleine Versuche. Hier gilt's zu arbeiten! N. S. The Palestine Land Development Co. Ltd. Berlin W. 15, den 26. Januar 1908 Uhlandstr. 175. Gesinnungsgenossen! Die Oberzeugung von der Notwendigkeit praktischer Arbeit in Palästina ist heute in alle zionistischen Kreise gedrungen. Jetzt gilt es, die Forderung nach praktischer Arbeit in die Tat umzusetzen und die systematische Arbeit zu beginnen. Womit begonnen werden muß, kann nicht" zweifelhaft sein. Mehr als in irgendeinem - anderen Lande beruht im Orient, beruht in Palästina die ökonomische Macht auf dem Besitze an Land. Eine jüdische Bevölkerung in Palästina ohne größeren Landbesitz ist wurzellos; sie wird in den palästinensischen Städten wohl neue Ghetti gründen, aber - niemals aus gedrückten wirtschaftlichen Verhältnissen herauskommen, niemals den Keim zu wirtschaftlichem Wohlstande und zu machtvoller Entfaltung jüdischen Lebens pflanzen können. Das kann nur eine Bevölkerung, die wenigstens zu einem großen Teile auf eigener Scholle sitzt und aus diesem. Boden, dem außerordentlich fruchtbaren Boden Palästinas, ihre Nahrung zieht. Mit" einem Worte: wir brauchen in Palästina mehr jüdische Bauern! Nur der jüdische Bauerist imstande, mit der Hand am Pfluge Acker um Acker unser altes Vaterland wieder für uns zu gewinnen und dauernd für uns zu bewahren. Aus diesen Erwägungen heraus ist die Palestine Land Development Company gegründet worden. Sie stellt sich die Aufgabe, unbemittelten jüdischen Arbeitern, die in so erheblicher Zahl von Osteuropa nach Palästina kommen und es bisher nicht zu einer selbständigen bäuerlichen Existenz bringen konnten, die Erringung einer solchen Existenz zu erleichtern. Die Gesellschaft will nicht kolonisieren, no^h will sie Wohltätigkeit üben, wie das andere Gesellschaften tun, sondern sie will nur Wege und Möglichkeiten beschaffen, auf denen die jüdischen Arbeiter aus eigener Kraft zu selbständigen Bauern aufsteigen können. Die Arbeiter sollen zuerst auf einer größeren Gutswirtschaft der Gesellschaft mehrere Jahre hindurch gegen Tagelohn arbeiten, sie sollen hier mit den besten landwirtschaftlichen Arbeitsmethoden vertraut werden, dem palästinensischen Klima und Boden angepaßt, und es soll ihnen durch einen Gewinnanteil an den Erträgnissen des Gutes ermöglicht werden, Vieh und Saatgut für sich zu erwerben. Alsdann sollen sie von der Gesellschaft ein hinreichend großes und in wirtschaftsfähigen Zustand gesetztes Stück Land zuerst in Pacht und später gegen langjährige Amortisationsrenten zum Eigentum erhalten können, eine' Methode der Kolonisation, welche die deutsche Regierung sowie private Institutionen seit einer Reihe von Jahren mit großem Erfolge erprobt haben. SELT -■ Nö. 5 Trotzdem die Gesellschaft hiermit einem gemeinnützigen Zwecke" dient, wird sie ihre Geschäftsführung lediglich nach kaufmännischen Gesichtspunkten einrichten und nichts unternehmen,, was nicht zugleich vom Standpunkte einer ^Erwerbsgesellschaft zweckmäßig erscheint. Da die Landwirtschaft in Palästina bei sachgemäßem Betriebe überall sehr rentabel ist, glaubt die Gesellschaft schon vom ersten vollen Wirtschaftsjahr an befriedigende Dividenden verteilen zu können. Voranschläge, die wir in der heutigen Nummer unseres Blattes veröffentlichen, die von fachmännischer Seite' für die beabsichtigte Bewirtschaftung eines großen Gutes in Daleika und Umeldschuni am Tiberiassee mit größter Vorsicht aufgestellt sind, haben die hohe Rentabilität des Betriebes bestätigt. . Das Großezionistische Aktionskomitee hat nach eingehender Diskussion des Planes der Gesellschaft in seiner Sitzung vom 6. Januar 1908 folgenden Beschluß gefaßt: Das Große Aktionskomitee begrüßt die Begründung der Palestine Land Development Company und fordert die > Gesinnungsgenossen aller Länder auf, eine energische Propaganda zugunsten dieser Organisation zu entfalten. Der Jüdische Nationalfonds hat ebenfalls den Plan der Gesellschaft in mehreren Sitzungen vom 4. bis 7. Januar 1908 ausführlich beraten und sich'dahin ausgesprochen, daß die Errichtung der Gesellschaft in jeder Weise zu fördern sei. Zugleich hat der Jüdische Nationalfonds sich bereit -erklärt, auf Ansuchen der Gesellschaft seine 600 Hektar großen Ländereien in Daleika und, Umeldschuni am Tiberiassee auf 99 Jahre zu verpachten, als Entgelt für dieses Pachtrecht Anteile der Gesellschaft in Zahlung zu nehmen und der Gesellschaft auf Erfordern ein Darlehn von 3000 bis 4000 £ zu gewähren. Dafür ist dem Jüdischen Nationalfonds ein gewisser Einfluß auf die Geschäftsführung der Gesellschaft dadurch gesichert worden, daß er 80 von den 200 Gründeraktien erhalten "soll, "welche die Gesellschaft ausgeben und jnit besonderen Vorrechten hinsichtlich des Stimmrechts ausstatten wird. Die Gesellschaft soll als englische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 50000 £, zerlegt in 50000 Anteile zu 1 £, in England gerichtlich eingetragen werden. Gesinnungsgenossen! An euch liegt' es. jetzt, durch Zeichnung von Aktien der Gesellschaft deren endgültige Konstituierung zu ermöglichen. Möge ein jeder nach Maßgabe seiner Kräfte hierzu beitragen! Möge ein jeder sich bewußt sein, daß hier der erste Schritt zu einer wirklich großen Aufgabe getan wird, zu der Aufgabe, altes jüdisches Land durch jüdische Arbeit von neuem wieder jüdisch zu machen! Das Palästina-Ressort, gez. Prof. Dr. O. Warburg Für Zeichnungen wolle man sich des unten abgedruckten Zeichnungsscheines bedienen und diesen an uns einsenden. Den Betrag der gezeichneten Aktien wolle, man entweder an den Jewish Colonial Trust London E. C, Walbrook, Brook House, an das Bankhaus A. H. Heymann & Co., Berlin N.W. 7, Unter den Linden 59, oder an Herrn J. L. Gpldberg, Wilna (Rußland) absenden. Auch die Nationalfondskommissare aller Länder nehmen Zeichnungsscheine und Zahlungen entgegen.