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Die Welt · 1908-01-17 · 3 (17.1.1908) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18 DIESqKELT No. 3 Staat als solcher in entsprechendem Mal.!e für den jüdischen Religionsunterricht mitsorgen müsse. Es ist anzunehmen, daß im Landtage der frühere Standpunkt in Erinnerung gebracht wird. Daß die heranwachsende Jugend, auch die jüdische, nirgends ohne Religionsunterricht bleibt, liegt sicher nicht bloß im Interesse der jüdischen Gemeinden, sondern des Staates in seiner Gesamtheit. Das in Worten oft genug von maßgebender Seite betont worden; hier ist eine Gelegenheit, diese Auffassung in die Tat zu übersetzen. Palästina Volkszählung in Jerusalem Auf Veranlassung des Bureaus für Statistik der Juden ist vor kurzer Zeit in Jerusalem der Versuch gemacht worden, die Juden in der Stadt zu zählen und ihr Geschlecht Alter, Muttersprache, Staatszugehörigkeit, Familienstand und Beruf festzustellen. Mit welchen Schwierigkeiten dieser erste Versuch zu kämpfen hatte, geht aus dem folgenden Briefe des dortigen Zählungsleiters an das Bureau für Statistik der Juden hervor: „Alsbald nach meiner Rückkehr nach Jerusalem habe ich die Zählung mit 24 Hauptzählern, von denen ein großer Teil durch Gehilfen unterstützt werden sollte, angefangen. Die Schwierigkeiten übertrafen jede Erwartung, die Arbeit wurde aber dessenungeachtet fortgesetzt. Am dritten Tage ereignete sich etwas, das unser ganzes Unternehmen zu vereiteln drohte: Man hatte einige Zähler, welche an einer Agitation gegen den Chacham Baschi teilgenommen haben sollen, in der Stadt während des Zählens verhaftet, und so hieß es gleich in der ganzen Stadt, man hätte sie wegen der Statistik eingesperrt. Die dadurch entstandene Verwirrung war so groß, daß es "mir unmöglich war, die Arbeit sogleich wieder aufzunehmen. Es gelang mir jedoch nach einigen Tagen, den größeren Teil der Zähler wieder für die Sache zu gewinnen. Nach einiger Zeit aber geschah das Allerschlimmste: Ein Beamter der Regierung teilte mir durch eine Vertrauensperson mit, daß das Zählen für einen türkischen Untertan mit sehr großer Gefahr verbunden sei: es dürfe in der Türkei niemand außer dem Sultan eine Statistik zu machen sich erlauben. Ich habe darauf alle türkischen Untertanen vom Zählen entbunden und zählte allein mit drei Zählern (zwei Russen und einem Engländer) weiter. Nachdem weiterhin auch die Russen zurückgetreten sind, da sie der anstrengenden Arbeit auf die Dauer nicht gewachsen waren, arbeite ich allein mit dem erwähnten Engländer" weiter. Das Resultat der bisherigen Arbeit ist, daß wir fast 5000 Familien mit der Durchschnittszahl von 5 Personen gezählt haben. Dies ist fast der ganze außerhalb der Stadtmauern gelegene Stadtteil, den ich sicherlich nach vier Tagen fertig haben werde. In der Stadt, d. h. innerhalb der Stadtmauern, habe ich nur 500 Familien gezählt; ich habe aber jetzt sehr gute Aussichten und hoffe, in ungefähr zwei Wochen auch damit fertig zu werden. Sie sehen, daß wir unser Ziel, wenn auch nicht vollkommen und zur erwünschten Zeit, doch immerhin erreichen werden, ich meinerseits setze meine ganze Kraft daran, das möglichst Beste zu erlangen." Über die jüdischen Ackerbaukolonien in Palästina hat Dr. Ruppin auf einer Reise durch Palästina im Herbst 1907 einige statistische Angaben gesammelt, die in der folgenden Tabelle niedergelegt sind. Die Angaben stammen von zuverlässigen Personen in den einzelnen Kolonien oder von Beamten der Administration. Absolute Vollständigkeit und Genauigkeit war nicht zu erreichen, insbesondere ergaben sich Schwierigkeiten dadurch, daß in einzelnen Kolonien das Areal noch nicht genau vermessen ist und daß die größeren Kolonien, insbesondere Petach-Tikwah, Sichron-Jakob und Rosch-Pinah neben den Kolonisten auch eine erheblichere Zahl von jüdischen Arbeitern, Handwerkern und Händlern beherbergen,1 die stark fluktuiert und deshalb nicht genau bekannt ist. Immerhin kann als sicher angesehen werden, daß die Zahlen in der Tabelle bis auf unbedeutende Abweichungen der Wirklichkeit entsprechen. Die Gesamtseelenzahl der Kolonien beträgt hiernach rund 6500 und die Gesamtfläche ca. 25500 ha. Hierbei sind die Ackerbauschule der Alliance Israelite Universelle in Mikweh Israel und verschiedene, im Eigentum von Juden befindliche, aber nicht von Juden bewirtschaftete größere Landstücke nicht mitgerechnet. Die Kolonien in Judäa sind (mit Ausnahme von Ekron, Artuf, und Kastinie, wo Körnerbau getrieben wird) vorwiegend Wein- und Obstbau-Kolonien. In Samaria beschäftigen sich die Kolonien sowohl mit Körnerbau wie mit Reben- und Pflanzungskultur, während in den Kolonien in Galiläa fast allein Körnerbau herrscht. Die Körnerbaukolonien entwickeln sich günstig; auch die hauptsächlich von Orangenkultur lebende Kolonie Petach-Tikwah nimmt einen großen Aufschwung, dagegen haben die Weinbaukolonien unter der Schwierigkeit des Weinabsatzes zu leiden. I. In Judäa: Kami!" SS ■H Gesaint- Seelcnzahl Are:il in ha Rischon le Zion...... _ 800 920 Ness Ziona........ 14 j Wadi Chanin........ 8 4 150 300 sj Rechoboth......... 51 59* 550 1300 49 18 300 830 17 5 140 450 Kastinie.......... 15 7 100 460 Artuf........... 10 2 60 450 7 _ 2S 60 Petach-Tikwah mit Fedsche und Jehudie ..:.... 175 85 1400^' 2200 IL In Samaria: — _ 30 675 Chedera .......... 38 5 165 2900 Sichron Jakob mit Midschmal 68 ' ca. 80 780 1700 Athlit........... 6** — 30 50O 2 0 16 40 III. In Galiläa: 36 7 200 1350 Bet Dschen........ 15 — 60 1000 Mescha.......... 23 4 150 1000 28 15 200 1800 Melhamie......... 22 — 120 1000 Rosch Pinah mit Machanajim . 70 50 700 4000 Mischmar ha Jarden .... 11 10 90 220 Jessod Hamalah...... 31 10 200 1000 Metullah........• . . 39 9 250 1300 ____ 6519 25455 «) Darunter U Handwerker, 35 Arbeiter und 10 lieamte (Lehrer, Knllns- **> Kins'ciiliclilich 130 lediger, nicht zu einer r'amilie gehöriger Arbeiter. ***> Pächter <ler Jcwish C.Ionisation Association. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums In der Aula der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin tagte am 23. v. Mts. die Generalversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Phüippson, konstatierte bei Beginn der Versammlung an der Hand des Jahresberichtes das äußere und innere Erstarken der Gesellschaft, wie es in der stets wachsenden Zahl der Mitglieder sowie in den verdienstvollen Publikationen der Gesellschaft zum Ausdruck kommt, betonte aber auch die Notwendigkeit der Beschaffung weiterer Hilfsmittel, wenn die Gesellschaft ihren eigentlichen Aufgaben, der Förderung wissenschaftlicher Arbeiten" auf dem Gebiete jüdischer Forschungen, gerecht werden solle. In dem nun folgenden Vortrage entwickelte Herr Rabb. Dr. Porges ein äußerst interessantes Bild des nordfranzösischen Bibelexegeten Joseph Bechor Schor. Indem der Vortragende zum Schluß nochmals auf die Bedeutung des Exegeten als Apologeten des Judentums hinwies, der eine Auseinandersetzung mit der christlichen Bibelauslegung nicht gescheut, vielmehr für seine Pflicht gehalten habe, zeigte er die Aufgaben, welche dem modernen Judentum erwachsen und zu deren Lösung in erster Linie die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums berufen sei: auf wissenschaftlicher Grundlage eine wirksame, zeitgemäße Apologetik zu schaffen und zu den Resultaten der modernen Bibelforschung Stellung zu nehmen. Vielseitiger, sich stets wiederholender Beifall belohnte den Redner. Der nun folgende Vortrag des Herrn Dr. Jul. Gutt mann-Breslau ging aus von einer Schilderung der persönlichen Beziehungen Kants zu jüdischen Kreisen und des starken Einflusses, den seine Philosophie auf das gebildete Judentum seiner Zeit ausübte. Dieser Einfluß ist darum von hoher geschichtlicher Bedeutung, weil er in die Zeit Fällt, in der sich das moderne Judentum gebildet undweilersodiereligiöseEntwicklungdesmodernen Judentums wesentlich bestimmt hat. Auch dieser Vortrag fand allseitig den wohlverdienten Beifall. — Der Generalversammlung war vormittags eine Ausschußsitzung vorausgegangen, in der hauptsächlich über das Corpus Tannaiticum und die Germania Judaica beraten wurde. Beide wissenschaftliche Unternehmungen nehmen erfreulichen Fortgang. Mit großem Beifall nahm die Versammlung die Mitteilung entgegen, daß der erste Band des Maimonideswerkes vorliegt und in wenigen Tagen auf dem Büchermarkt erscheinen wird. Aus dem Jahresbericht ist noch hervorzuheben, daß der

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