Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Die „United Zionists of Toronto Ltd.", haben soeben ein prächtiges Gebäude in einer der schönsten Straßen Torontos zum Preise von 12000 Dollars gekauft. Dieses soll als Versammlungs- und Klubhaus der verschiedenen zionistischen Vereine dienen und wird in einigen Tagen formell eingeweiht werden. China Shanghai: Welche Bedeutung man hier auch in nichtzionistischen Kreisen dem Zionismus beimißt, beweist u. a. der Umstand, daß der Hon. Secretary der Shanghai Zionist Association Mr. N. E. B. Ezra jüngst von der Shanghai-Missionsgesellschaft eingeladen wurde, ihren Mitgliedern einen Vortrag über den Zionismus zu halten. Herr Ezra entledigte sich dieses Auftrags, indem er am 3. Dezember im Lokale der Missionsgesellschaft vor einem sehr zahlreichen Publikum ein ausführliches Referat über „Gegenstand und Aussicht der zionistischen Bewegung" hielt. Die Versammlung nahm den Vortrag sehr beifällig entgegen und „The Shanghai Mercury" brachte das Referat in extenso zum Abdruck. Oberhaupt entwickeln, die Zionisten Shanghais eine rührige Tätigkeit. So haben sie allein in den letzten wenigen Wochen 130 Dollars für den Nationalfonds gesammelt und mehrere Aktien der Bank abgesetzt. Ungarn Ein zionistischer Sieg in Preßburg Die Preßburger Zionisten haben bei den jüngsten Wahlen zur orthodoxen Kultusgemeinde einen bemerkenswerten Sieg errungen. Bisher wurden die Gemeindeangelegenheiten von einer kleinen bestimmten Clique geleitet, ohne daß die Allgemeinheit daran irgendwie Anteil oder nur Interesse nahm. Nachdem aber durch ein neues Wahlgesetz den bisher bestehenden Wahlmißbräuchen ein Riegel vorgeschoben war, griffen die Zionisten in diesem Jahre in den Wahlkampf ein, und machten dadurch zum ersten Male der offiziellen Liste des Kultusvorstandes Opposition. Dieser versuchte zwar mit allen Mitteln, auch den gröbsten, — Abtreibung von Sälen, Denunziationen, Entsendung bezahlter Störenfriede in die dadurch sehr stürmisch verlaufenden Versammlungen, — die Opposition nicht aufkommen zu lassen, konnte aber trotzdem nicht hindern, daß die beiden zionistischen Kandidaten, Samu Bettelheim, Mitglied des A. C, und Steiner mit beträchtlicher Majorität gewählt wurden. Insbesondere die Wahl des Herrn Bettelheim, der die ganze Agitation mit Energie und Geschick geleitet hatte, erbitterte die Herren Wahlgewaltigen aufs äußerte, so daß sie gegen seine Wahl Protest einlegten. Aber auch das dürfte ihnen wenig nützen und sie werden sich damit zufrieden geben müssen, daß in der Kahalstube von Preßburg die bisherige Cliquenpolitik ein für allemal beseitigt ist. NACHRICHTEN °! Entführung jüdischer Mädchen nach dem Kloster der Felicianerinnen in Krakau Auf die Rechtsverhältnisse in Galizien wirft folgende in den Wiener Blättern erschienene Mitteilung ein grelles Licht: Vor zwei Monaten ist die sechzehnjährige Rosa Rusinek aus dem Elternhause in Dabrowa (Bezirk Tarnow) entführt worden und befindet sich seither in dem genannten Kloster. Als vor drei Wochen ein Verwandter der Entführten im Felicianerinnenkloster anfragte, ob Rosa Rusinek sich daselbst befinde, erhielt er eine verneinende Antwort. Am 2. d. wurde polizeilich konstatiert, daß das Mädchen sich schon seit zwei Monaten im Kloster aufhalte. Die Eltern baten die Oberin um die Bewilligung einer Zusammenkunft mit ihrem Kinde. Da die Oberin diese Zusammenkunft verweigerte, bewilligte die Krakauer Polizei auf Grund einer Eingabe, zwangsweise ein Wiedersehen des Mädchens mit ihren Verwandten zu veranlassen. Am 2. d. begab sich ein Polizeikommissar mit dem Krakauer Advokaten Dr. Raphael Landau als Vertreter der Eltern und zwei Verwandten des Mädchens in das Kloster. Die Unterredung fand in Gegenwart zweier Klosterschwestern statt, und das Mädchen war von den Besuchern durch eine Barriere getrennt. Rosa Rusinek erklärte bei dieser Unterredung, sie wolle das Kloster der Felicianerinnen nicht verlassen und wolle sich taufen lassen. Die Eltern wollen nunmehr die gerichtlichen Schritte einleiten, um die zwangsweise Übergabe des Mädchens zu erlangen. Der minderjährigen Lea Gänger, von deren gesetzwidriger Zurückhaltung im Kloster der Felicianerinnen wir vor kurzem berichteten, ist es gelungen, das Kloster heimlich zu verlassen und zu ihrer Mutter zurückzukehren. Die Oberin hat nun ihrerseits Anzeige wegen Entführung erstattet. (!) Judenausweisungen aus Helsingfors Durch die neuerlichen Verfügungen des Gouverneurs droht einer großen Anzahl jüdischer Familien die Ausweisung aus Finland. Aus diesem Anlaß fand am 15./18. Dezember eine Versammlung der betroffenen Juden in Helsingfors statt. Die Versammlung beschloß ein Komitee zu bilden, das bei der Behörde zu erwirken suchen solle, daß den Juden die Gründung einer selbständigen Gemeinde in Helsingfors gestattet werde. Die jüdischen Kolonisten in Rußland. Die verfassungswidrigen Agrarreformen Stolypins haben auch die jüdischen Kolonisten des Gouvernements Ekaterinoslaw empfindlich berührt Die jüdischen Kolonisten treiben dort Ackerbau unter ungünstigen Verhältnissen und führen ein kümmerliches, sorgenvolles Bauemleben. Nun hat die Landeinrichtungskommission des Bezirks Alexandrowsk (des genannten Gouvernements) beschlossen, 3700 Desjatinen Kronländereien, die jahrzehntelang von den jüdischen Kolonisten gepachtet waren, zu verkaufen. Schon sind die diesbezüglichen Bekanntmachungen gedruckt und in den Dorfämtern ausgehängt. Die betreffenden Landstücke waren, wie gesagt, jahrzehntelang von den jüdischen Ackerbauern gepachtet. Der Verlust dieses einzigen, den jüdischen Kolonisten zugänglichen Bodenfonds ist ihr vollständiger wirtschaftlicher Ruin, denn die Hälfte der Kolonisten besitzt zu wenig Land, um eine selbständige Wirtschaft ohne Pachtland führen zu können. Die angrenzenden Krongüter waren die einzigen, die sie pachten und bearbeiten konnten. Da die dortigen jüdischen Kolonien nur Ackerbau treiben und andere Erwerbsquellen ihnen fehlen, so wird ein bedeutender Teil der Kolonisten gezwungen sein, die bisherige Scholle zu verlassen. Damit entstehen aber auch für die Bleibenden große Schwierigkeiten in ihrer Bewirtschaftung. Die Beschwerden der Kolonisten über die Beschlüsse der Bezirkskommission an die höheren Instanzen blieben vorläufig erfolglos. Man untersagt also den Juden, Land zu erwerben oder zu pachten, man vertreibt sie sogar von ihren alten bebauten Kolonien. Und dann behauptet man, sie seien arbeitsscheu und zur Landwirtschaft unfähig. — Der Streik der jüdischen Mieter in New York Die amerikanischen Blätter sind voll von Berichten über einen eigentümlichen Streik, der im Judenviertel New Yorks, der sogenannten Eastside, ausgebrochen ist. Das Elend in diesem Viertel ist an und für sich groß genug. Eine seiner schlimmsten Erscheinungen bildet die furchtbare Wohnungsnot Schon jetzt leben auf diesem engen Komplex, nach zuverlässigen Schätzungen, mehr als eine Million Juden, d. h. auf einem Räume von wenigen Quadratmeilen, sind mehr Juden zusammengepfercht als in ganz Deutschland, Frankreich, Italien und England zusammen wohnen. Und der Zuzug wird von Tag zu Tag größer. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, wenn in dieser größten Judenstadt der Welt ja der Weltgeschichte, die Preise der Wohnungen ins Unerschwingliche sich steigern. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß dabei die Güte der Wohnungen gerade in einem umgekehrten Verhältnis zu ihrem Preise stehen. Für Zimmerecken, Schlaftische, das Recht auf einige Stunden auf einem Stuhle zu sitzen und sich auszuruhen, werden die unverschämsten Forderungen gestellt und es darf nicht verschwiegen werden, daß ein großer Teil dieser Ausbeuter selbst Juden sind. Jetzt hat die Empörung der Massen sich in einer allgemeinen Verweigerung des Mietzinses Luft gemacht Ein Streik-