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Die Welt · 1897-06-11 · 2 (11.6.1897) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
2 (11.6.1897)
Article
Antwort des Reverend William Henry Hechler
Date
1897-06-11
Page
9 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2. J>it£xW<IC Seite 9. Die Worte eures Gottbegnadigten königlichen Dichter's David, rufe auch ich Ihnen zu: abp Tribüne. (An dieser Stelle geben wir gerne Zuschriften Raum, die in schicklichem Ton Angelegenheiten von allgemeinem Interesse oder gerechtfertigte Beschwerden enthalten. Die Redaction.) „Betet für den Frieden Jerusalems! Es wird denen Wohlergehen, die dich lieben!" Psalm 122:6. Ihr Kinder Abrahams, wachet auf! Gott selbst, der himmlische Vater, ruft Euch in Euer altes Vaterland zurück und will Euer Gott sein. Und dieser Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs segne Euch mit himmlischen Segnungen über Bitten und Verstehen und setze Euch noch Vielen zum Segen, wie ER es durch seine Propheten vor Alters verheißen hat. Wien, 4. Juni 1897. William Henry Hechler, Chaplain to Her Britannic Majesty’s Enibassy in Vienna. Herbert Sentwich. Herbert Bentwich führte um die Osterzeit den ersten Pilgerzug englischer Juden nach Palästina. Durch diese Thal hat er sich einen Anspruch auf den dauernden Dank aller Zionisten erworben. Zwar könnte es scheinen, als wäre diese Expedition — die ja mit allem modernen Comfort reiste, der eine bekannte Londoner Reise-Agentur gleichsam als Reisemarschall diente — nichts anderes gewesen, als eine Vergnügungsfahrt. Aber die Expedition ging stellenweise durch heute noch unwirthliche Gegenden, und wenn es auch keine rein wissenschaftliche Entdeckungsreise war, so war es doch eine nationale. Das Verdienst unseres Freundes Herbert Bentwich bestand vor Allem darin, daß er sich durch Spöttereien und Anfeindungen nicht irre machen ließ; daß er den Weg, den er sich vorgenonimen hatte, auch bis zu Ende ging. So wollen wir es Alle thun. Kleiderconfection in den Colonien. Geehrte Redaction! Eine Erscheinung verdient die Aufmerksamkeit aller Juden: Die elende Lage der russischen Juden in London und ihre trostlose Zukunft. Seit Jahren wendet sich der Strom der russischen Auswanderer nach England. Zudem sind es gerade die Aermsten, die daselbst ein neues Vaterland suchen. Vor zwei Jahren zählte man in London bereits 20.000 jüdische Schneider. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß diese Ziffer allein schon eine judenfeindliche Strömung hervorruft. Vornehmlich sind es aber die Tugenden der russischen Juden, ihre Nüchternheit, Genügsamkeit und ihr Arbeitssinn, welche ihnen zahlreiche Feinde erstehen lassen. Thatsächlich haben sie den Arbeitslohn auf ein Minimum herabgedrückt, sie arbeiten für Spottpreise. Diese ihre Genügsamkeit hat einen neuen Industriezweig geschaffen, die Fabrication billiger Kleider für den Exportmarkt der Levante, nach Aegypten und Centralafrika, der ihnen aber durchaus nicht zu Gute kommt, denn der Kleiderexport ruht größtentheils in christlichen Händen. Durch das billige Angebot von Handarbeit rufen die Juden einen heftigen Concurrenzneid hervor, der im Wesen schon längst den Rahmen eines wirthschaftlichen Concurrenzkampfes überschritten hat und in die Bahnen des continentalen Antisemitismus einlenkt. In Whitechapel, wo alle russische Juden in geradezu erbärmlichen, den primitivsten Begriffen der Hygiene spottenden Wohnungen hausen, gibt es ein verbreitetes antisemitisches Bezirksblatt. Im Parlament wurde wiederholt der Antrag auf Schaffung eines Gesetzes gegen die Einwanderung ausländischer Juden gestellt. Diesen Judenhaß haben die russischen Inden erzeugt, weil sie' durch ehrliche productive Arbeit ein Existenzminimum und manchmal kaum das sich verdienen. Ihre Lage ist aber auch in anderer Hinsicht nicht beneidenswerth. Einerseits sind sie durch die strenge Sonntagsruhe gezwungen, die Sabbathheiligung auf den Sonntag zu verlegen, andererseits fehlt es ihnen an Zeit und Gelegenheit, ihre Nachkommenschaft im jüdischen Sinne, wie sie es wünschen, zu erziehen und sie müssen die traurige Thatsache erleben, daß ihre Kinder vom Judenthum nichts mehr wissen wollen, weil sie es nicht mehr kennen — zwei Momente, die ihren religiösen, gläubigen Sinn tief verletzen und ihnen schweren Kummer verursachen. Und so ist hier die Frage aufgeworfen und auch ventilirt worden: Warum sollen die russischen Juden nach London ziehen, um daselbst einer schweren und hoffnungslosen Zukunft entgegen zu gehen und nicht gleich nach dem sü d lich en Pa l ü st i na, in d ie n äch ste Nähe des' Absatzgebietes? Die Frachtspesen und die indirecten Steuern, die der Arbeiter in feinen Nahrungs- und Gebrauchsartikeln bezahlen muß, würden größtentheils entfallen, und dazu kommt der Vortheil der billigeren Lebensführung in Palästina. Durch den Ausbau der projectirten Bahnlinie nach Norden im Anschlüsse an die bereits bestehende Linie Jaffa-Jerusalem konnte ein neues ungeheueres Absatzgebiet erobert werden, Südasien. Es eröffnet sich da der ganze Ausblick auf eine neue, blühende Industrie und dum mächtigen Handel. Die Wolle könnte in Palästina selbst gesponnen und zu Tuch gewebt werden. Das gebirgige Judäa mit seinen Triften und Halden eignet sich besonders zur Schafzucht. Die Felle der palästinensischen Schafe rangieren unter die höchstnotirten im Courszettel. Das Unternehmen ist leicht und muß gelingen, denn es verbindet materielle Interessen mit den höchsten menschlichen Interessen. Als vor drei Jahren die Wiener Confectionäre, die nicht weniger als 100.000 Schneider beschäftigen, in Folge der antisemitischen Angriffe auf den Saatenmarkt beschlossen, nach Budapest zu übersiedeln, zweifelte niemand an dem Ernste ihres Entschlusses und an der Möglichkeit seiner Ausführung. Warum sollte sich denn nicht jetzt jüdisches Capital für dieses jüdische Unternehmen finden? Hochachtungsvoll O. Fadeuhecht, Kolomea. Herbert Bentwich ist ein vielbeschäftigter praktischer Jurist in London. Die Nüchternheit seines Berufes hat in ihm die Fähigkeit, sich zu begeistern, nicht erstickt. In der Londoner Correspondenz finden unsere Leser einen Auszug aus der schwungvollen Rede, die Herbert Bentwich bei dem Festbankett hielt, welches der „Maccabaean-Club", die vornehmste jüdische Vereinigung Londons, ihm und seinem Reisegefährten, dem Dichter I. Zangwill, zu Ehren veranstaltete. Er findet in dieser Rede ein köstliches Wort, um die Fruchtbarkeit Palästinas zu schildern: Die Erde lächelt in goldenen Saaten, wenn der unstete Araber sie auch nur mit einem krummen Stecken berührt. Und er nennt sich einen „enttäuschten Pilger", denn Palästina ist gar nicht die Wüste, als die es verschrien wird. Herbert Bentwich ist mit einem schönen Erfolg zurückgekehrt. Er hat alle Ehre, die ihm erwiesen wird, verdient. Rechtlosigkeit in Rumänien. Von Dr. Lippe-Jassy. Die Lage der Juden in Rumänien ist nicht so sehr in socialer als in politischer Beziehung eine traurige. Da ist eine viertel Million von Menschen, die überhaupt keinem Staate angehören. Die rumänische Regierung umgeht den § 44 des Berliner Vertrages, wonach in ihrem Lande alle Rumänen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses gleichberechtigt sein sollen. Die im Lande wohnenden Juden werden einfach nicht als Rumänen, sondern als Fremde betrachtet, die, um Rumänen zu werden, erst um die Naturalisation auf dem weiten unsicheren Weg aller gesetzgebenden' Factoren anzusuchen haben. Da es nun nach europäischen Begriffen kein Individuum geben kann, das nicht irgend einem Staatsverbande angehört, und da, wenn Einer in seinem Wohnorte fremd ist, er doch

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