Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 52 (25.12.1913)
- Date
- 1913-12-25
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 1769 DIE LT „Was meinst du, Ben jomin?“ schloß Berl seine Geschichte, „hatte der arme Wasserträger recht oder nicht?" Eine tiefe Stille folgte diesen Worten. Man sah es allen an, daß sie nicht wußten, ob sie lachen, oder sich entrüsten sollten. Der Bräutigam stand mit schlotternden Knien und unstet umherirrenden Augen da. Die Hände, die bleich auf dem Tische lagen, zitterten erbärmlich. „Jetzt ist das Maß voll“ sagte er wütend, „geh, zwischen uns ist es aus!" „Noch nicht!" rief Berl stark und eine rasche Flamme zuckte in seinen Augen auf. „Ein ungehorsames Kind muß gestraft werden. So strafe ich dich im Namen Gottes und des jüdischen Volkes!" Blitzschnell, ehe er daran verhindert werden konnte, hatte er dem Sohn einen Peitschenhieb über den zur Abwehr erhobenen Arm versetzt. Ein allgemeiner Tumult entstand. Schreie, Flüche, das Poltern umstürzender Stühle und das Klirren zersplitternder Gläser vereinten sich zu einem wüsten Getöse. Die Braut war in Ohnmacht gefallen. Aber in dem Augenblick, als einige Miene machten, sich auf den Urheber dieser Verwirrung zu stürzen, hatte jemand das elektrische Licht ausgeschaltet. In der nun herrschenden Dunkelheit fühlte sich Berl von hinten ergriffen und auf den Korridor hinausgeschoben. Ein alter Herr mit glänzend polierter Glatze und brillenbewehrten Augen, die zürnend und Wohlwollen zugleich blickten, sprach auf ihn einig ein, ihn gleichzeitig immerfort auf den Ausgang zustoßend: „Mann! .... Das war kühn .... Sie haben viel gewagt! .... Freilich . . . nichts zu verlieren hatten Sie .... Na ja, und jetzt .... man kann's nicht wissen .... ich war immer dagegen .... aber .... der junge Mann .... ich glaube nicht, ob er noch .. .." Berl stand mit einem Male draußen, und der Nachtwind strich kühl und erquickend, wie eine tröstende Hand über seine erhitzten Wangen. Noch zitternd unter der Nachwirkung der außergewöhnlichen Erregung, schritt er bis in die Mitte der Straße vor, da sah er seinen Sohn aus dem Hause stürzen. Im Lichte der elektrischen Lampe vor dem Hause erkannte er das bleiche, verstörte Gesicht. Unschlüssig, mit laut und schwer gehendem Atem stand der junge Mann eine kurze Weile da, ohne seinen Vater gewahr zu werden, dann, einer plötzlichen Eingebung folgend, rannte er die Straße hinab. Berl lief hinter ihm her. Es war eine wilde, mühsame Jagd. Dem Alten versagten die Beine oft den Dienst, aber er nahm alle Kraft zusammen, um den Fliehenden nicht aus den Augen zu verlieren, und fühlte, wie ihm der Schweiß brennend und heftig aus den Poren brach. Da machte die Gasse, durch die sie liefen, eine Biegung und spannte sich als hoher Viadukt über einen Eisenbahndamm. Aus der nachterfüllten Tiefe, in welcher die bunten Bahnsignale warnend und wegweisened glühten, näherte sich fauchend und zischend ein Zug, von Zeit zu Zeit eine funkensprühende Lohe in die Finsternis hauchend, so daß der Rauch wie ein unheimlicher endlos sich windender Drache erschien. Jetzt . . . .. auf der Brücke zwei dunkle Gestalten. In dem Augenblicke, als die eine sich über das Geländer in die Tiefe schwingen wollte, wurde sie von der anderen rasch und machtvoll zurüdegerissen. Sie rangen. Mühsam, keuchend, atmeten die erschöpften Lungen; dann wilde Laute, wirres Gestammel, schreiende, kosende Rufe .... „Mein Sohn, Benjomenl .... Diese Sünde, die du ... . der Rabbi .... du weißt ja nicht .... ja, ja ... . mit Gottes .... du mußt .... ja ... . du wirst sehen .... Benjomenl . . . ." Unten brauste der Zug vorüber. Schluß des redaktionellen Teiles Bei der Administration „Die Welt“ sind eingegangen : Für das Jüdische Museum in Jerusalem Ing. H. Braude, München.Jf. 5.— Für das Mikrobiologische Institut: „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut" Siegmund Eppler, Wien .K. 2.— — M 1.68 Paul Diamant, Wien. 2.— — 1.68 Prof. Kellner, Wien.„ 1.— — „ —.84 Johann Kremenezky, Wien.„10.— — „ 8.40 Ing. Josef Seidener, Wien.„—.50 — „ —.42 Heinrich Lederer, Wien.„—.50 — „ —.42 Leo Weiss, Wien.- „ 1.— — „ —.84 Oswald Weiss Wien.„ 2.— — „ 1.66 Julius Weiss, Wien.1.— — „ —.84 Dr. Elkan Weiss, Wien.2.— — „ 1.68 Emanuel Lockspeiser, Boryslaw - - - - „ 1.— — „ —.84 Kais. Rat Emil Broch Tamow - - - - —.50 — „ —.42 Kais. Rat C. Hirsch. Wien.„ 5.— — „ 4.20 Heinrich Bard, Lemberg.„ 6.— — „ 5.04 Bei dem Jewisb Colonial Trust, London sind eingegangen: Für das hehr. Gymnasium in Jaffa: Per Sydney Zionist Society, Sydney.£ 2.—.— Für die Nationalbibliothek in Jerusalem: Per Sydney Zionist Society, Sydney ..... £ 1.16.8 Für das Hygienische Institut: Per Sammelstelle des J. N.-F., Wien.Kr. 17.80 Für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem: Per Sammelstelle des J. N.-F., Wien.Kr. 23.50 Zur vornehmsten deutschen Geschenkliteratur, die nicht nur der Laune oder dem Vergnügen des Angenblicks dienen, sondern einen schönen Besitz von Dauer bilden soll, gehören. „Meyers Klassiker-Ausgaben" (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig and Wien). Sie verdanken ihre Beliebtheit und ihre aUgemeine Wertschätzung ebenso der schönen Ausstattung and dem billigen Preis wie der sorgfältigen, ja mastergültigen kritischen Bearbeitung. Den Text, der im Laafe der Zeit so leicht Entstell angen erfährt, bieten sie genau in der vom Autor gewollten Form und bringen, von trefflichen Kennern geschriebene Lebensabrisse der Dichter, deren literargeschiohtliche und ästhetische Bedeutung zugleich gewürdigt wird. Sachkundige Einleitungen zu den einzelnen Werken und Erläuterungen unter dem Text führen in die Geisteswelt der Klassiker ein und erleichtern jedermann das Verständnis ihrer Werke. Wissenschaftlichen Zwecken dienen die am Schluss der Bände angefügten Anmerkungen. Literaturnachweise und Verzeichnisse sämtlicher Lesarten. So findet man in „Meyers Klassiker-Ausgaben“ aufs sorgfältigste alles das vereinigt, was der Leser heute zum Verständnis unsrer klassischen Literatur bedarf Mit dem gediegenen Inhalt harmoniert die vornehme Ausstattung der Bände: das schöne, holzfreie Papier, der klare Druck, der gefällige Einband. Den Werken jedes Autors ist sein Bildnis in Kupferstich, Radierung oder Heliogravüre sowie Handschriftenproben beigegeben. Trotz dieser Vorzüge tosten die geschmackvollen grünen Leineneinbände durchschnittlich nur ü Mark. Erschienen sind bisher: Arnim, 1 Band; Brentano.X Band; Bürger, 1 Band; Chamisso, 3Bände; Eichendorff, 2Bände; Freiligrath,2 Bände; Geliert. 1 Band; Goethe, Kleine Ausgabe 15 Bände, Grosse Ausgabe 30 Bände; Grabbe, 3 Bände: Grillparzer, 5 Bände; Gutzkow, 4 Bände; Hauff, 4 Bände; Hebbel 4 Bände; Heine, 7 Bände (16 Mark); Herder, ö Bände; Hofmann, 4 Bände; Immermann, 5 Bände, Jean Paul, 4 Bände; H. v. Kleist, Kleine Ausgabe 3 Bände, Grosse Ausgabe 5 Bände; Körner, 2 Bände; Lenau, 2 Bände; Lessing, 7 Bände; Ludwig, S Bände; Mörike, 3 Bände; Nibelungenlied, I Band; Novalis und Fouqud, 1 Band; Platen, 2 Bände; Reuter, Kleine Ausgabe 5 Bände, Grosse Ausgabe 7 Bände; Rückert, 2 Bände; Schiller, Kleine Ausgabe 8 Bände, Grosse Ausgabe 14 Bände; Shakespeare. 10 Bände; Tieck, 3 Bände; Uhland, 2 Bände; Wieland, 4 Bände. Bei Anschaffung von Klassikern, die ja in jedes Hans gehören, sollten „Meyers Klassiker-Ausgaben“, die dieXeipziger „Hlustrirte Zeitung“ als die besten für eingebildetes Publikum bezeichnet, in erster Linie-berücksichtigt werden. 7