Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 DIE2EKLT Klotz, dessen Eltern gerade noch rechtzeitig die Vogesen überschritten haben — er verfehlt ja nicht, das Datum genau zu präzisieren — sich von denen, die später folgten, loszusagen, mit Hohngelächter herfielen, was sie natürlich nicht hindern wird, bei der nächsten Gelegenheit im Kampfe gegen die Zehntausende östlicher Juden, die hier Schutz suchten und sich mit musterhaftem Fleiße eine Existenz zu gründen bemühen, diese „unparteiischen" Worte eines „patriotischen Glaubensgenossen"' gehörig auszuschlachten. Die jüdischen Blätter äußern erstaunt ihren Schmerz darüber, daß die hiesigen Juden, einmal zu Wohlstand oder zu Ehren gelangt, so wenig Selbstgefühl und Solidarität bekunden. Wir teilen ihren Schmerz, aber wundern kann es uns nicht. Handwerker-Siedlung in Merchawjah Bekanntlich hat der Urheber der Siedlungsgenossenschaft in Merchawjah, Herr Dr. Franz Oppenheimer, es als ein erstrebenswertes Ziel hingestellt, die ländliche Produktivgenossenschaft allmählich durdi Ansiedlung von Handwerkern auszugestalten. Erfreulicherweise haben nun in diesem Jahre eine Anzahl von Handwerkern sich auf eigenes Risiko unweit der Oppenheimerschen Genossenschaft angesiedelt und zu diesem Zwecke je 5—10 Dunam per Familie erworben. Es sind im ganzen fünf kinderreiche Familien, und zwar ein Bäcker, ein Schuhmacher, ein Tischler, ein Fuhrmann und ein Gärtner. Erwähnenswert ist, daß diese Handwerker, die zum Teil aus Glasgow in England stammen, längere Zeit in dem Genossenschaftsbetrieb wie auch bei Privatkolonisten landwirtschaftlich beschäftigt waren und nunmehr befähigt sind, ihre kleinen Parzellen zu bearbeiten. Nachdem sie eine Zeitlang mit ihren Familien in arabischen Lehmhütten gehaust hatten, sind sie nunmehr an den Nationalfonds mit dem Ersuchen herangetreten, ihnen ein Darlehen von je 2500 Frcs. per Familie, zwecks Errichtung von Haus und Hof zu gewähren. Das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds hat hierauf beschlossen, durch Vermittlung der Anglo-Palestine Company das Darlehen von 12 500 Frcs. zu bewilligen. Die Mittel ' hierfür werden dem David und Fanny Wolffsohn-Fonds entnommen, aus dem bereits 15 Arbeiter-Familienhäuser in Pethach-Tikwah, Rischon le-Zion, Rechoboth und Ness-Ziona erbaut worden sind. Es ist zu erwarten, daß die Handwerkersiedlung sowohl zum Gedeihen der Siedlungsgenossenschaft wie zur Stärkung der Kolonie in Merchawja überhaupt wesentlich beitragen wird. Kleine Nachrichten Die jüdische Presse in Frankreich erlebt augenblicklich eine Periode rascher Entwicklung. Unser Bruderblatt, „D er Jid in Pari s", bringt in seiner letzten Nummer eine hebräische Beilage, geleitet von unserem Gesinnungsgenossen Sehe rsehewsk y. Der Förderung der hebräischen Sprache dient gleichfalls die neue Revue „H e b r a e a", herausgegeben von einem eigens dazu gegründeten Verein, an dessen Spitze unser Gesinnungsgenosse Nahum Slousch steht. Unter dem Titel „Das neie Journal" geben Schalom Asch und A. Reisen seit kurzem eine Wochenschrift heraus, die einen literarischen Charakter trägt; merkwürdiger Weise glaubt das Blatt seine Propaganda für den Jargon mit Angriffen auf die hebräische Sprache und den Zionismus, der auf einmal eine assimilatorische (!) Bewegung geworden ist, stützen zu müssen. Nicht unerwähnt bleiben darf schließlich die neue Vierteljahrsschrift „Foi et Revei 1", in welcher die jüngere Rabbinergeneration die landläufige Betrachtungsweise des Judentums durch eine historisch konsequentere zu ersetzen sucht und in welcher die lebendige hebräische Sprache durch die Feder Pallieres aufs wärmste gefeiert wird. Anläßlich der Generalversammlung des Wiener Vereins „Jüdisches Museum" hielt Herr A. L. I d e 1 s o h n (Jerusalem) einen bemerkenswerten Vortrag über die traditionellen Gesänge der orientalischen Juden unter Vorführung grammophonischer Demonstrationen. Die Einwanderungsbehörde in New York macht dringend darauf aufmerksam, die Bestimmung, nach welcher jeder Passagier, also auch jeder Kajütenreisende, genügende Barmittel bei der Landung besitzen muß, mehr zu beachten. Es ist festgestellt worden, daß von den in den ersten zehn Tagen des Monats Oktober d. J. in New York eingetroffenen Passagieren 6 °/o gar kein Geld und 43 o/o weniger als 25 Dollar besessen haben. 1733 (ZTTft AUS DER BEWEGUNG ft Ungenützte Kräfte Jedem, der einigermaßen Einblick in den Gesamtorganismus unserer Bewegung hat, muß eine Tatsache als auffallend erscheinen: die Fülle von Kräften, die innerhalb der Organisation vorhanden sind und nur wenig oder fast gar nicht benutzt werden. Es läßt sich nicht leugnen, daß wir trotz siebzehn Jahren zionistischer Organisation das einfache Prinzip noch nicht gefunden haben, durch welches eine Heranziehung möglichst aller in der Bewegung vorhandenen Kräfte möglich würde. Wir werden im Laufe der Jahre das Prinzip finden und uns wahrscheinlich wundern, wie sehr wir früher die Kräfte, über die wir schon jetzt verfügen, unterschätzt haben. Daß ein Fortschritt in dieser Beziehung im Laufe der letzten zwei Jahre eingetreten ist, wissen wir alle. Man braucht nur an die Leistungen der einzelnen Zionisten für organisatorische Zwecke zu denken, um diese Tatsache zu erfassen. Auch auf einem anderen Gebiet ist eine — wenn auch nur geringe — Besserung zu verzeichnen, nämlich in bezug auf unsere Parteipresse. Die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer starken Verbreitung der zionistischen Presse setzt sich gerade bei jenen Gesinnungsgenossen immer mehr durch, die irgendwie aktiv an der Propaganda teilnehmen und deren Zahl erfreulicherweise immer größer wird. Dieser wachsenden Erkenntnis ist es zu danken, daß auch „Die Welt", das Zentralorgan der Bewegung, immer mehr Leser gewinnt. Wir hoffen, daß es in absehbarer Zeit gelingen wird,1 der „Welt" endlich jene imponierende Abonnentenzahl zu sichern, die ihrer Bedeutung als Zentralorgan der größten jüdischen Organisation gebührt. Und hier bietet sich eine Gelegenheit, um tatsächlich alle in der Organisation vorhandenen Kräfte für unser wichtigstes propagandistisches Instrument in Anspruch zu nehmen. Mit dem geringsten Kraftaufwand kann hier jeder Zionist eine seiner wichtigsten Pflichten für die Bewegung erfüllen. So gering die Anstrengung für den einzelnen ist, so bedeutend kann der Erfolg für uns sein. Jeder Gesinnungsgenosse bemühe sich in seinem engsten Kreise jetzt, wo für die Propaganda die günstigte Zeit ist, Abonnenten für „Die Welt" zu werben. Propagandamaterial stellt der Verlag der „Welt" in Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, kostenlos zur Verfügung. Deutschland Königsberg. Der Verein „Ivriah" hat in seiner Sitzung vom 7. Dezember eine Protestresolution gegen den Beschluß des Kuratoriums des Haifaer T echnikums angenommen, und die ausgetretenen Mitglieder des Kuratoriums zu der energischen Wahrung ihres nationalen Standpunktes beglückwünscht. Dem hebräischen Lehrerverband in Palästina wurde eine Sympathiekundgebung zugesandt. Oesterselch Wien. Am 27. Dezember d. J. veranstalten die Wiener Zionistischen Korporationen im großen Musikvereinssaale eine Makkabäerfeier, die ein sehr reichhaltiges Programm aufweisen wird: Anzünden der Chanukahlichter durch Oberkantor Don Fuchs, der auch von dem bekannten Komponisten Arthur Wolf vertonte Lieder Morris Rosenfelds zum Vortrag bringen wird. Rezitationen des k. k. Burgschauspielers Blum. Der