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Die Welt · 1913-12-19 · 51 (19.12.1913) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
51 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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1720 DIE LT Nr. 51 Die Stunde der Tat Unsere dringendste Aufgabe In Palästina — Schaffung eines hebräischen Schulwerks Eine Pflicht tritt an uns heran, wie sie nie dringender war in der Geschichte der Kolonisation Palästinas und der nationalen Erweckung. Die Kolonisation Palästinas, dieses Werk der Selbsthilfe, dieses Schmerzens- und Lieblingskind jüdischen Opfermutes und jüdischer Begeisterung, ist in seinem Lebensnerv getroffen worden! Die Pflicht ruft uns, für die Rettung dieses wertvollsten nationalen Gutes in die Bresche zu treten und unsere ganze Kraft einzusetzen. Das Kuratorium der „Gesellschaft für technische Erziehung in Palästina" wird in dem zu eröffnenden Technikum und in der Mittelschule in Haifa die hebräische Sprache nicht als Vortragssprache einführen. Selbst in der Mittelschule werden die wichtigsten Unterrichtsgegenstände nicht hebräisch vorgetragen werden. Das ist der springende Punkt. Die Beschwichtigungsversuche und die Liebeserklärungen für die hebräische Sprache ändern nichts an der Sache. Vergebens bemühten sich die Herren Achad Haam, Dr. Tschlenow und Dr. Schmarja Levin in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Kuratoriums, die Annahme dieses Vorschlages zu verhindern. Der Antrag wurde angenommen und unseren Gesinnungsgenossen blieb nichts anderes übrig, als ihren Austritt aus dem Kuratorium zu er- Das Kuratorium hat hierdurch der hebräischen Renaissance Palästinas einen Stoß ins Herz versetzt und unser Volkstum an der Wurzel angegriffen. Es ist tief zu beklagen, daß wir einer solchen Verirrung, einem so gründlichen Verkennen der tatsächlichen Verhältnisse gerade dort begegnen müssen, wo wir bisher ein reiferes Urteil zu finden gewohnt waren; aber das Unglaubliche ist zur traurigen Wahrheit geworden. Die unausbleiblichen Folgen in Palästina selbst stellten sich alsbald ein. Das ganze neue Palästina, das Palästina der Arbeit, des Fortschritts, der nationalen Wiedergeburt und des Friedens, das hebräische Palästina hat einmütig beschlossen, dieser Verfügung den zähesten Widerstand entgegenzusetzen. Alle kulturellen Organisationen und Anstalten, Vereine und Verbände, Kolonien und Arbeitergruppen, Lehrer und Schüler, alles was Bildung besitzt und nach Bildung strebt, alles, was unsere nationale Sprache als ein hohes Gut, als den Leitstern unserer Arbeit betrachtet, schart sich einmütig um die Fahne des bedrohten Hebraismus. So ist die Sprachfrage zum Prüfstein für die Charakterfestigkeit unserer national empfindenden Stammesbrüder in der ganzen Welt geworden. Siegt die Tendenz, die im Beschluß des Kuratoriums ihren Ausdruck fand, so ist Palästina als die Heimat der nationalen Sprache in Gefahr, wieder zum Niveau der Diaspora herabzusinken. Wird das Hebräische in seiner Entwicklung für Wissenschaft und Leben beengt und von den allgemeinen Wissensgebieten verdrängt, so ist die Möglichkeit einer nationalen Erziehung der in Palästina heranwachsen den Jugend ausgeschlossen. Ohne nationale Sprache keine nationale Erziehung, ohne nationale Erziehung keine Bodenständigkeit, kein Heimatsgefühl, keine gesunde Kolonisation. Eine Reihe von bangen, düsteren Fragen tritt an uns heran: Wo soll denn die hebräische Sprache, die in der Diaspora mit der fortschreitenden Assimilation und Unwissenheit ringt, noch eine Heimstätte finden, wenn nicht in Palästina? Wo sollte man Mut, Kraft und Ausdauer finden, für die nationale Erziehung zu kämpfen, wenn an dem Brennpunkte der Energie, des Unternehmungsgeistes, der Eigenart des jüdischen Stammes, wenn an der Stätte, wo die jüdischen Ideen geschaffen worden sind, der Knechtsinn des Galuth triumphieren könnte? Gestehen wir es nur: Schon, daß wir so fragen können, ist tief beschämend für uns. In dem Streite, der gegenwärtig durch die Willkür und den Unverstand derer, die dem Volksempfinden fremd gegenüber stehen, entfacht worden ist, sollte es wahrlich nicht zweifelhaft sein, welche Stellung national empfindende Juden einzunehmen haben. Unser Interesse, unsere Tradition, unsere Vergangenheit, der allgemein-jüdische Charakter der Kolonisation Palästinas, weisen doch alle in die nämliche Richtung. Die schlecht unterrichteten und noch schlechter beratenen Herren vom Kuratorium des Technikums, die keine Stimme mehr als ihre eigene hören, meinen, eine Gefahr sei gar nicht vorhanden. Aber, was für Palästina nützlich und was schädlich ist, darüber kann nur Palästina selbst entscheiden. Und selbstverständlich nicht das Palästina der Chalukkah-Schmarotzer, sondern das moderne, arbeitende und kulturell aufstrebende Palästina! Und dieses Palästina wird nur das gelten und das sein, was es durch sich selbst ist. Es heißt, die elementarsten Begriffe des Liberalismus mit Füßen treten und eine reaktionäre Bevormundung einführen, wenn man sich über die einzig maßgebenden und sachverständigen Faktoren Palästinas mit rücksichtsloser, selbstherrlicher Geringschätzung hinwegsetzt und ihnen eine Richtung aufziudrängen versucht, die sie, von nationalen, fachmännischen, idealen und praktischen Erwägungen geleitet, aufs strengste verurteilen! Wie tragikomisch berührt auch der in verblüffend naiver Art unternommene und der Oeffentlichkeit kundgegebene Versuch, zum Zwecke der Durchführung eines durch nichts zu rechtfertigenden Beschlusses, jene Ghettovergangenheit Palästinas wieder zu galvanisieren, die man seit dem Aufblühen der neuen Kolonisation mit Fug für völlig abgestorben gehalten hat! Nicht, daß jemand in Palästina zu fürchten hätte, das seltsame Bündnis mit „Peruschim", „Chassidim" und sonstigen Chalukkahnehmern werde zum Schaden der fortschrittlichen Grundsätze zustande kommen. Das Erwachen aus diesem Traume wird rasch genug erfolgen. Aber, daß in einem Augenblicke, wo allen Freunden einer fortschrittlichen Entwicklung Palästinas Einigkeit und zähes Festhalten an ihren Ueberzeugungen am dringendsten nottut, mit derartigen abenteuerlichen Bündnis-Utopien Verwirrung in die öffentliche Meinung gebracht wird, das ist tief betrübend. Es muß aller Welt noch einmal aufs nachdrücklichste gesagt werden: Ehe Stellung der hebräischen Sprache in Palästina, die Notwendigkeit, diese Sprache hochzuhalten und sie überall zur Geltung zu bringen, ist kein Zufall und entspringt nicht irgendeiner Laune; sie ist ein, integraler Teil der ganzen Kolonisation sarbeit! Die wackeren Vorkämpfer, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, in dem opfervollen Pionierkampf unentwegt für die nationale Sprache gegen fremde Bestrebungen einzutreten, lum auf diese Weise die hohen Güter des jüdischen Volkes: Nationalität, Selbständigkeit und Kulturfortschritt in Palästina zu schirmen, können

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