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Die Welt · 1913-12-12 · 50 (12.12.1913) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIEMELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRO. BERLIN, 12. Dezember 1913 1MT** n»onn 'S *03 V" ,-*13 Nr. 50. DIE SANIERUNG PALÄSTINAS Von Dr. W. Brunn, Leiter des Jewish Health Bureau, Jerusalem Nach der großzügigen Initiative des Herrn Nathan Straus, der zuerst die Bekämpfung der endemischen Krankheiten Palästinas durch Gründung seines Health- Bureau aufnahm, hat sich allerorts das Interesse für die Sanierung des Landes gehoben. Das Health-Bureau, anfänglich besonders gegen die Malaria gegründet, wurde im Februar 1913 um eine Station bereichert, „zur Erforschung und Bekämpfung der ansteckenden Augenkrankheiten" (Dr. Feigenbau m). Malaria und Trachom sind die Hauptkrankheiten des Landes, hemmen und hindern die Entwicklung; gelingt es, diese beiden Geißeln zu beseitigen, dann ist das Land saniert. Die wissenschaftlichen Arbeiten beider Stationen sind heute, nach 1*4 Jahren des Bestandes des Health-Bureaus, zu einem gewissen Abschluß gelangt, der genügt, um einen Plan für die gesamte Sanierung Palästinas zu entwerfen. Da bisher nur teils Unwichtiges, teils Unbegründetes, teils Zusammenhangloses in die Presse gekommen ist, halte ich es für wichtig, die Öffentlichkeit einmal genauer aufzuklären. Für die Bekämpfung der Malaria sind seit langem gute Mittel bekannt. Nichtsdestoweniger hat jedes Land seine Eigentümlichkeiten, die der Malariologe erforschen und bei der Bekämpfung berücksichtigen muß. In Palästina muß man auf die Entstehungsursache der Malaria hin trennen: die Malaria des Landes und die Malaria der S t ä d te . Die verseuchtesten Städte sind merkwürdigerweise die, die auf den Bergen liegen und wenig oder gar kein Wasser haben, wie Jerusalem, Hebron, Safed. Denn zur Verbreitung der Malaria gehören stehende Gewässer, Sümpfe, Teiche, da die Ueberträger der Malaria, die Anopheles - Mücken, zu ihrer Fortpflanzung stehendes Wasser nötig haben. In den genannten Städten haben wir keine von Natur stehenden Gew ässer und viel Malaria, in dem wasserreichen Jaffa sehr wenig. Doch scheint es nur so; denn auch Jerusalem hat seine Sümpfe. Die Bewohner haben sie in den Zisternen selbst geschaffen. Diese großen Wasserreservoire, unsauber gehalten und undicht, sind für Jerusalem das, was für das Land die Sümpfe, Pfützen und Teiche sind. Hier brüten die Ueberträger der Malaria, und ich habe bereits in einem von der Regierung eingeforderten vorläufigen Bericht im Oktober 1912 gesagt: Für Jerusalem ist ein Kampf gegen die Malaria ein Kampf gegen die schlechten Zisternen. Als durchgreifendes Heilmittel gab ich Wasserleitung und Schließung der Zisternen an, und wenn letzteres nicht möglich wäre, mechanische Abdichtung der Zisternen, um eine Mückenbrut zu verhindern. Weitere mit meinem Mitarbeiter, Dr. L. Goldberg, angestellte Untersuchungen ergaben bei 60 o/o der Untersuchten eine Vergrößerung der Milz, Zeichen von chronischer Malaria. Und in 21,5 »/o der Fälle fanden wir Malariaparasiten im Blut. Das System für Abdichtung der Zisternen wurde weiter ausgebildet (Berliner klinische Wochenschrift 1913, Nr. 14, Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten, 75. Band). Herr Prof. Müh lens, der gleichzeitig mit uns in Jerusalem forschte, kam zu ähnlichen Ergebnissen (Centralblatt für Bakteriologie, Bd. 69). Nach den neuesten Untersuchungen von Dr. B e h a m, der in einer großen Zahl der Zisternen Typhusbazillen gefunden hat, wird man auf die baldige Einrichtung einer Wasserleitung noch stärker dringen und eine Abdichtung der Zisternen nur in den Fällen vornehmen dürfen, wo eine vorangegangene bakteriologische Untersuchung die Abwesenheit von Krankheitserregern festgestellt hat. Nun zur Malaria des Landes; hier ist es hauptsächlich die Küstenebene von Jaffa bis Akko, die verseucht ist, da sie starke Sumpfbildungen aufweist, ferner die Niederung des Merom- und Tiberiassees. Hier hat wohl die jahrhundertelange Unkultur zur Sumpfbildung geführt. An der Küste spielen daneben «die Dünen eine sumpfbegünstigende Rolle. Die Küste versandet, und da von der Regierung dagegen nichts getan wird, wachsen die Dünen von Jahr zu Jahr. Sie sind von Jaffa bis hinter Caesarea durchschnittlich zirka 2—3 km breit. Das Wasser kann nicht abfließen, staut sich hinter den Dünen und führt zur Sumpfbildiung. Und wo die Dünen fehlen, nördlich von Caesarea, sind der Küste kleine Gebirgszüge vorgelagert — Gegend von Atlit —, die in gleicher Weise wie die Dünen den Abfluß des Wassers nach dem Meere verhindern. Diese Sumpfbildungen scheinen schon zur Römerzeit bestanden zu haben, wie die Ueberreste eines Drainagekanals nördlich von Sidon Ali zeigen. Außerdem begegnen wir auf der ganzen Strecke — abgesehen von Caeserea, das erst von Herodes angelegt, am Meere und ganz in den Dünen liegt —, in der Geschichte keinem bedeutenderen Orte, was bei der schon von altersher bekannten Fruchtbarkeit der Saronebene

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