Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 47 (21.11.1913)
- Date
- 1913-11-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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1606 Stadtteile die wenigsten Erkrankungen auf weisen. Wieder ein Grund mehr für die Erbauung gesunder Stadtviertel für die breiten Volksschichten! Der Bericht erwähnt auch die Tätigkeit des internationalen Gesundheitsamtes (Augenarzt Dr. F eigenbaum - Lemberg) und der Hadassa- Abordnung aus Amerika. Aber er weist auch auf dringende Arbeit hin, die noch geleistet werden muß, wenn man endgültig diese fürchterlichste aller Krankheiten gründlich beseitigen will. Dr. A. Ru pp in hat in seinem Palästina-Referat auf dem Wiener Kongreß die Wichtigkeit dieser humanitären Kulturarbeit betont. Es wäre zu wünschen, daß recht viele Juden sich für dieses Werk tatkräftig einsetzten. Die arabische Presse und der Wiener Kongreß Die meisten arabischen Zeitungen Palästinas, Syriens und Aegyptens haben ausführliche Berichte über den letzten Zionistenkongreß gebracht. Meist stammten diese Berichte jedoch aus englischen oder französischen Zeitungen. Die Stellung zum Kongreß war nicht anders wie die zum Zionismus überhaupt. Die großen ägyptischen Zeitungen nehmen eine freundliche Haltung ein. So schreibt die größte arabische Zeitung, der in Kairo erscheinende „M u - k a11 a m“: „Der XI. zionistische Kongreß wurde in Wien abgehalten. Wir sahen die gebildete Schicht des jüdischen Volkes über seine Gegenwart und Zukunft beraten. Wenn man nach Sinn und Zweck des Kongresses fragt, so gibt es darauf eine kurze Antwort: die Fortdauer des jüdischen Volkes sicherzustellen. Ir den meisten Ländern leben die Juden unter unerträglichen Bedingungen. Wenn dieser Zustand nicht in absehbarer Zeit geändert wird, so droht dieser großen und alten Nation der Untergang. Man muß daher eine radikale Lösung suchen. Diese kann aber nur in der Besiedelung eines eigenen Landes liegen, wo die Juden ihrer Eigenart und ihrem Glauben gemäß und zugleich als moderne Menschen leben können. Dieses Land kann nur Palästina sein. Jeder billig und logisch denkende Mann muß ihnen zur Erreichung dieses Zieles behilflich sein. Im Jemen werden die Juden nicht' so sehr wie in Osteuropa verfolgt, aber sie leiden schreckliche Not und Hunger. Man erzählt, daß ein Trupp jemenitischer Juden drei Jahre unterwegs war. bis er in Jaffa eintraf. Wir können nur sagen, daß die reichen Juden ihrer armen Brüder nicht vergessen dürfen. Der Zionismus ist eine Sache, die die gesamte gesittete Menschheit an geht.“ Bezüglich der syrisch-arabischen Presse muß man anerkennen, daß der größte Teil der Zeitungen ebenfalls eine objektive Haltung bewahrt. Von den großen Zeitungen trat bloß der „Muktabas“ in Damaskus als Gegner unserer Sache auf. Er ist in letzter Zeit übrigens von der Regierung wegen seiner allgemein intransigenten Haltung gemaßrcgelt worden und erscheint jetzt unter einem neuen Titel. Die andern palästinensischen Zeitungen brachten kurze Berichte über den Kongreß und knüpften daran, je nach ihrem Standpunkte, einige Betrachtungen. „Karmel“ in Haifa und „Filistin“ in Jaffa nahmen den Zionistenkongreß zum Anlaß, um die Araber zu gleichen Taten anzuspornen, während der „Nafir“ in Haifa, dessen Redakteur übrigens gleich den Redakteuren der beiden erstgenannten Zeitungen christlichen Glaubens ist, auf die großen, staatserhaltenden Kräfte der zionistischen Bewewegung hinweist. Immerhin bleibt es bedauerlich, daß die Zahl der jüdischen Schriftsteller und Journalisten, die zur arabischen Nation in deren eigener Sprache reden können, so sehr gering ist. Hoffentlich wird man sich in Palästina bemühen, das in dieser Beziehung bisher Versäumte bald nachzuholen. Nr. 47 Russische Juden In Palästina Mit dem Einfluß russischer Juden auf die Entwicklung Palästinas beschäftigt sich ein Artikel in der jüngsten Nummer der Zeitschrift „Near Ea st“. Der Artikelschreiber führt den wachsenden Einfluß Rußlands in Palästina und Syrien auf drei Ursachen zurück: die russischen Juden, die russischen Pilger und das russische Geld. Ueber die Rolle, die hierbei den russischen Juden zufällt, äußert sich der Verfasser des Artikels wie folgt: „In Palästina ist eine ununterbrochene Einwanderung von Juden zu bemerken, die allmählich das eingeborene Element . vom Handels- und Geldmarkt verdrängen. Alle jüdischen Untertanen der Großmächte des KontineiOs kommen in Palästina gut fort, besonders aber die russischen Juden. Zweifellos bekundet Rußland große Klugheit in der Behandlung der Judenfrage außerhalb seiner Reichsgrenzen. ln Rußland selbst verfolgt die Regierung die Juden in jeder Weise. Infolgedessen wandern große Scharen russischer Juden nach Palästina aus, und viele von ihnen siedeln sich dort dauernd an. Auch hier stehen sie unter russischem Schutz, aber in ganz anderer Weise als in ihrem Geburtslande. Hier werden sie als vollgültige Söhne Rußlands angesehen und genießen alle Vorrechte ihrer Stellung. Im Jaffaer Zollamt wird ihr Gepäck nicht untersucht, wie dies sonst bei allen anderen Einwanderern geschieht. Die türkischen Beamten sind damit nicht immer einverstanden, wagen sich aber nicht an einen russischen Untertanen heran. Der Jude braucht sich nur an das russische Konsulat zu wenden und erhält sofort dessen Unterstützung. So ist der russische Jude ein sehr nützliches Werkzeug in Rußlands Händen. Zu Hause kann Rußland ihn nicht gebrauchen; aber durch die zunehmende Anzahl russischer Untertanen in Palästina dehnt sich sein Machtbereich dort aus, und die Tatsache, daß so viele dieser Untertanen Juden sind, mit allen wirtschaftlichen und biologischen Vorzügen dieser Rasse, ist eine Basis, auf der sich die russische Vorherrschaft aufbaut.“ Kleine Nachrichten Herr Albert A n t e b i, der von seinen Aemtem der I. C. A. und der Alliance zurückgetreten ist, hat eine Europareise begonnen, die ihn vornehmlich nach Paris führen wird. Nach seiner Rückkehr wird er nach wie vor die jüdischen Kolonien, die in letzter Zeit eine vielversprechende Organisation geschaffen haben, bei der Regierung vertreten. Der neue Vertreter der I. C. A. in Jerusalem, Advokat Tarragi Effendi, ist bereits im Lande. Hacheruth rühmt ihn als einen treuen, nationalempfindenden Juden. Eine Jaffaer Behörde erhielt kürzlich die Nachricht, daß die Eisenbahngesellschaft Jaffa-Jerusalem die Konzession für den Bau eines Hafens in Jaffa erhalten habe. Herr Hugo Urysohn aus Moskau, ein Mitglied des Direktoriums des Jewish Colonial Trust, weilt seit einiger Zeit in Palästina. Herr Levin-Epstein aus New-York, der wieder Palästina bereist, hatte in Jeruschalajim und Jaffa verschiedene Konferenzen in Angelegenheiten des alten und neuen Jischub. Die Kunstgewerbeschule „Be za lei“, die seit einem halben Jahre bekanntlich von den Werkstätten gesondert ist, veranstaltete neulich in Jerusalem eine Ausstellung ihrer Arbeiten, deren ausgezeichnete Qualität die treue Hingabe der Lehrer und der Schüler an ihre Aufgaben bekundete. Die Ausstellung wurde in Anwesenheit der Konsuln, der Vertreter der Behörden und vieler jüdischer und nichtjüdischer Notabein eröffnet und dauerte drei Tage. In einer Generalversammlung des Beth-Am in Jaffa, die am 3. Tischri stattfand, wurde für dieses Institut ein Beirat gewählt, dem u. a. folgende Herren angehören: Dr. Metmann, M. Schein k in, Dr.. Rosenstein, Sch. Benzion und J. F e 1 d m a n n. DIE^ELT