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Die Welt · 1913-11-21 · 47 (21.11.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE EKELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT 1EDEN FREITAG — ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRQ. BERLIN, 21. November 1913 17niW> -"nun '» Nr. 47. UNSER GEGENWARTSPROGRAMM Von Dr. Daniel Pasmanik, Petersburg*) m. Wenn der Zionismus ein scharf umschriebenes Ideal ist, so kann nur ein einheitliches, für alle Zionisten der Welt gültiges Gegenwartsprogramni existieren, das logisch und sachlich dem Ideal entspricht. Man kann da nicht Analogien vorschieben. Man kann nicht behaupten, der Liberalismus oder der Sozialismus verfolge ja auch ein einheitliches Ideal, und doch sehe dieses Ideal in der Wirklichkeit ganz verschieden aus — je nach den Ländern oder den Völkern. Diese Analogie ist falsch, und zwar aus einem ganz einfachen Grunde: auf gesellschaftlichem Gebiete gibt es eben nur Zukunftsideale entsprechend den Staaten oder den Völkern. Der deutsche Liberalismus oder Sozialismus ist eben deutsch, und nicht etwa allgemeinmenschlich. Es gibt also verschiedene Zukunftsideale, dessen jedes adäquat ist einem gegebenen Volke. Der Zionismus aber ist die Rückkehr zur jüdischen Einheit im Bewußtsein — vor der Rückkehr zur jüdischen Einheit in der lebendigen Wirklichkeit. Der Zionismus ist ein Ideal für die ganze Judenheit. Dementsprechend kann auf Grund der einheitlichen zionistischen Auffassung nur ein einziges zionistisches Gegenwartsprogramm existieren. Und zwar: die Gegenwart muß die Zukunft vorbereiten. Was heißt das? Das Judentum hat sein Einheitsbewußtsein fast verloren, und es hat aufgehört, an eine nationale Zukunft zu denken. Somit könnten wir ganz einfach formulieren: das zionistische Gegenwartsprogramm bezwecke die Wiedererweckung des jüdischen Einheitsbewußtseins und des geschichtlichen Volksideals. So einfach diese Formel klingt, ist sie doch kompliziert, sobald wir sie in die Tat umsetzen wollen. Ganz naiv stellen sich manche die Sache so vor, daß wir unter allen Juden nur den Schekel, die Nationalfondsspende und die Aktien der zionistischen Banken zu propagieren brauchten, und daß damit alles erreicht wäre. Die Erfahrung lehrt uns, daß diese Vorstellung falsch ist: auf diese Weise ist der Zionismus nicht ausdehnungsfähig. Die zionistische Tat ist kein Anfang, sondern ein Ende. Um zu diesem Ende zu gelangen, müssen viele Vorbereitungsarbeiten vorgenommen werden, und das ist *) Vergl. Nr. 45 der „Welt", ebenso den Artikel „Das Problem der Gegenwartsarbeit" in Nr. 32. eben Gegenwartsarbeit. Daß dem so ist, beweist folgende einfache Ueberlegunjg: Zionismus ist ein Volksideal, daß alle Klassen und Schichten des jüdischen Volkes umfaßt. Und doch sprechen wir — vom Leben gezwungen — von einer zionistischen Partei, was an sich ein Nonsens ist, wenn wir den Zionismus als Volksbewegung betrachten. Also was sind wir: eine Volksbewegung, oder eine der vielen jüdischen Parteien? In Wirklichkeit sind wir weder das eine noch das andere, sondern eine Gruppe von Pionieren, die darnach streben, eine Volksbewegung zu schaffen. Als Pioniergruppe umfassen wir wohl Repräsentanten aller jüdischen Schichten und Klassen, aber noch sind wir trotz der Zahl unserer Anhänger keine Volksbewegung: eine solche wollen wir erst werden — durch eine lange vorbereitende Arbeit, die auf das zionistische Ende hinzielt. Aber bevor wir zur konkreten Formulierung unserer Aufgabe schreiten, müssen wir uns mit derjenigen Gegenwartsarbeit auseinandersetzen, die aus der Not eine Tugend macht, die nur aus dem horror vacui entstanden ist, die einfach mit irgend etwas die Leere auszufüllen strebt. Das ist die schlimmste Art Gegenwartsarbeit, weil sie prinzipienlos und zweckwidrig ist. Ich habe da folgendes im Sinne: wir haben uns überzeugt, daß der Zionismus weder morgen noch übermorgen in seinem letzten Ziele verwirklicht sein wird. Also werfen sich manche auf jede Art von Gegenwartsarbeit und geben als Begründung die Phrase: wenn wir unseren Einfluß auf die Massen nicht verlieren, wenn wir eine wirkliche jüdische Volksbewegung werden wollen, so müssen wir alles Jüdische mitmachen. Das Resultat ist ein flaches Alljudentum, denn diese verderbliche Phrase, sobald sie in die Tat umgesetzt wird, muß zur völligen Entartung des Zionismus führen. — IV. Vor langer Zeit ist in der Judenheit ein großer Riß entstanden, der immer größer wird. Und heute haben wir Juden, deren Blick nach innen, und Juden, deren Sehnen nur nach außen gerichtet ist. Das ist die wahre Spaltungslinie innerhalb der Judenheit. Die Einen erhoffen unser Heil von den gutgesinnten, aufgeklärten christlichen „Mitbürgern“, von der edlen Obrigkeit, von dem berühmten „Fortschritt“. Zu diesen nach außen

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