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Die Welt · 1913-11-14 · 46 (14.11.1913) · page 22

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Nr. 46 1576 -. ~ .. DIESES Schachzügen unserer Gegner; wir waren noch nie so optimistisch wie jetzt. Oie Ansprache L e v i n s war von hinreißender Wirkung; dem Redner wurde spontan eine jubelnde Ovation bereitet, die Dank und Vertrauen für unsere Leitung zum Ausdruck brachte. Darauf begleitete Dr. Ernst Gütig namens des D. K. den Rechenschaftsbericht, der gedruckt vorlag, mit einigen Worten. Drei neue Gruppen wurden begründet, ferner fünf sehr rührige Mädchenvereine. Andere Gruppen sind unmittelbar vor der Konstituierung. In der Generaldebatte, die außerordentlich lebhaft und sachlich geführt wurde, sprachen die Vertreter sämtlicher Provinzvereine bei aller Kritik des Geleisteten ihre ehrliche dankbare Anerkennung für die Arbeit des D. K. aus, die einen neuen Geist in die böhmische Organisation gebracht hat. Der von den Herren Prof. Stern und Ludwig Steiner gestellte Antrag auf Erteilung des Absolutoriums und Dank an das D. K. wird mit allen gegen 8 Stimmen angenommen. Zu Beginn der Nachmittags-Sitzung erstattet Dr. Hugo Bergmann („Bar Kochba", Prag) das Referat über die Kulturarbeit. Das einstündige Referat, sowie die Persönlichkeit des Referenten, dessen Anschauungen den Lesern der „Welt" aus zahlreichen Beiträgen bekannt sind, hielten die Versammlung in atemloser Spannung, die sich schließlich in lauter, begeisterter Zustimmung auslöste. Die Erziehungsarbeit, sagt Redner, darf nicht wie bisher andern überlassen werden, denn die Zionisten können niemand die Erziehung der Jugend anvertrauen, sie müssen sie selbst übernehmen; und zwar darf sie auch nicht einzelnen überlassen bleiben, sondern muß unter die Kontrolle der Partei gestellt werden, die wirklich das Volk, einen lebendigen Organismus darstellen; muß. Unter allen Problemen der Gegenwartsarbeit ist die Kulturarbeit das wichtigste; der Zionismus muß im Leben des einzelnen einwirken, muß in die Stube der Familie hineingetragen werden. Das ist die wichtigste, dringendste Aufgabe, denn unseren Kindern müssen wir etwas Jüdisches geben können. Es soll ein Kultur-Rat für Böhmen geschaffen werden, der 1. die Propaganda besorgen, 2. die Ausführung der Beschlüsse des Distriktstages überwachen und 3. eine Art theoretischer Leitung der Kulturarbeit innehaben soll. — Redner beantragt neun Resolutionen, wozu noch zwei des Pilsner Volksvereins kommen. In der Kulturdebatte spricht Dr. Schemarja Levin mit herzerfreuender Wärme seine Uebereinstimmung mit den Grundsätzen des Referates und seine Freude über die Unbedingtheit des nationalen Radikalismus aus. Er betont, daß zwischen Kulturarbeit und Palästinaarbeit kein Gegensatz besteht, denn die Juden müssen erst mit jüdischer Energie erfüllt werden, innere Würd«> finden, bevor die Auserlesenen aus ihrer Mitte erstehen, die nach Palästina gehen. Nach der Debatte wurden die neun Anträge des Referenten angenommen, auf die wir noch zurückkommen werden. Darauf erstattet Herr Leo Herrmann. Sekretär des E. A. C., das Referat über die organisatorischen Aufgaben. Er entwickelt die Arbeitsprinzipien des A. C.. das in engstem Kontakt mit jeder Distrikts- und Einzelorganisation zu bleiben strebt. Dadurch soll von oben her ein einheitlicher nationaler Geist in alle Glieder der Organisation getragen werden, die zu einem Bewußtsein höherer Verantwortlichkeit erzogen werden müssen. Nach der Organisationsdebatte wird auf Vorschlag des Referenten der Wahlkommission, Herrn Ludwig Steiner (Teplitz') für das Distrikts-Komitee folgende Liste gewählt : Dr. Ludwig Singer, Richard Brand eis, Alexander Feig, Prof. Viktor Freud, Dr. Emst Gütig, Norbert Meißner, Emil Thein. Für das westösterreichische Z.-K. werden präsentiert: Frau Elis. Perutz, Dr. Margulies, Dr. Singer, Dr. Gütig, Soudek, Dr. H. Hirsch. Namens des neugewählten Distriktskomitees, das mit minutenlangem Beifall begrüßt wird, dankt Prof. Viktor Freud für die Wiederwahl, und spricht ferner den ausscheidenden zwei Arbeitsgenossen, Prof. Wertheimer und Ing. Hofmann. die infolge technischer Veränderungen und persönlicher Verhältnisse die Leitung des N. F. nicht weiter führen können, den Dank aus. Sodann kommt folgender Antrag des D. K. zur Annahme: „Der Distriktstag erklärt es für die nächste Aufgabe der böhmischen Zionisten, dem Zionistischen Zentralfonds feste Jahresbeiträge nach dem Prinzip der Selbstbesteuerung zuzuführen. Die Vereine und Vertrauensmänner werden auf gef ordert, sofort mit einer groß angelegten Agitation einzusetzen, die eine tatkräftige Förderung durch persönliche Arbeit von Mitgliedern des D. K. finden soll.“ Der Präsident Dr. Emil Margulies teilt mit, daß die anwesende Delegierte Frau Elisabeth Perutz (Tepütz) einen Betrag von 1000 K zugesichert hat. [ELT Hierauf werden noch mehrere Angelegenheiten organisatorischer Natur, insbesondere die Fragen der Presse und der Agitation im tschechischen Sprachgebiet, verhandelt. Nachdem Dr. Singer dem Präsidium gedankt hat, wird der Distriktstag unter Absingung der „Hatikwah" geschlossen. Außerordentlicher innerösterreichischer Distriktstag Sonntag, den 9. November, fand eine außerordentliche Tagung der innerösterreichischen zionistischen Orgasation statt. Dr. Isidor Margulies hielt das Kongreßreferat und führte aus: Die wichtigste Aufgabe der Kongresse ist, eine Leitung zu schaffen, welche die von der Majorität unseres Parlamentes als richtig anerkannten Grundsätze durchzuführen in der Lage ist. Die Krisen im Zionismus entstanden dadurch, daß dieses einzig gesunde Prinzip durchbrochen wurde und dem vorzionistischen Prinzipe des N otabilitätswesens Platz machte. Nach schweren Kämpfen brachte der sogenannte Baseler „Friedenskongreß" eine neue Leitung, die Bankverwaltung wurde aber so zusammengesetzt, daß die unterlegene Richtung auch weiterhin über die Finanzmittel verfügte. Es war also die vornehmste Aufgabe des Wiener Kongresses, dafür zu sorgen, daß der herrschenden Richtung mit der Leitung auch die Handhabung der Finanzmittel übertragen werde. Die westösterreichische Landsmannschaft blieb dieser Forderung mit eiserner Konsequenz treu und war der Ansicht, daß aus Gründen der politischen Selbsterhaltung der „Ultimatum-Politik" ein Ende gemacht werden müsse. Leider wurde durch den Antrag der Misrachi und der Poale Zion, — wobei insbesondere das Verhalten der letztgenannten Fraktion unbegreiflich war — die Abstimmung über die Bankfrage verschoben und so der Kampf um die Finanzinstitute aus dem Plenum in den Permanenzausschuß verlegt. Trotzdem gerade während der langwierigen Verhandlungen in diesem Ausschüsse die Notwendigkeit immer deutlicher empfunden wurde, die Finanzinstitute der Leitung zu übertragen, endete auch dieser Kongreß mit einem Kompromiß, das wir nicht billigen können. Referent besprach weiter die Wirkung des Kongresses nach außen und betonte, daß heute nicht mehr die Anwesenheit irgendwelcher Einzelnen am Kongresse der Welt imponiere, sondern der Umstand, daß sich während der Kongreßzeit eine ganz unerwartete Entwicklung des jüdischen Lebens in allen seinen Aeußerungen offenbare. Es sei vor allem der Wiener Leitung zu danken, daß der Kongreß in dieser Stadt tagen konnte, und es sei ein Zeichen der Kraft und politischen Reife des Engeren Actions- Comites gewesen, daß es trotz aller unbegründeten Warnungen den Mut und die Einsicht hatte, den Kongreß in einem großen jüdischen Zentrum abzuhalten. Die Wiener Gesinnungsgenossen sind mit ihrem Radikalismus auf gutem Wege, denn radikal sein, heiße in unserem Falle, die Prinzipien der Aufrichtigkeit und Entschiedenheit, des Mutes und der Moral auch auf das politische Gebiet zu verpflanzen. (Lebhafter Beifall.) Die Haltung der westösterreichischen Landsmannschaft am Kongresse wurde einstimmig gebilligt. Ingenieur Rudolf K ö p p 1 sprach eingehend über Organisationsfragen, gab zu, daß die Leistungen des innerösterreichischen D. K. vielfach nicht genügten, und betonte ebenso wie der Obmann des D. K„ Gg. Ludwig Batö, in seiner Eröffnungsrede, daß der Umfang und die Leistung der Wiener zionistischen Partei noch in keinem Verhältnisse zu der großen Bedeutung Wiens für den Zionismus stehe. Aus dem Nationalfondsreferate von Dr. Weiner ist insbesondere die erfreuliche Mitteilung hervorzuheben, daß im letzten lahre für die Jemeniten-Aktion 23 000 Kr. aufgebracht wurden. Die Versendung einer einzigen Nummer der neuen Wiener Nationalfonds-Zeitung hatte 350 freiwillige Anmeldungen zur Uebemahme von Sammelbüchsen zur Folge. An die Referate knüpfte sich eine achtstündige, mitunter sehr erregte Debatte. Dr. Egon Zweig konstatiert einen großen Erfolg der jetzigen Leitung, findet aber, daß die Haltung des E. A. C. am Wiener Kongresse zu wenig energisch gewesen sei. Die Delegierten Glanz, Landau, Stein, Ornstein und W a 1 d m a n n übten an der gegenwärtigen Wiener Leitung und ihren Arbeiten scharfe Kritik. Es traten ihnen u. a. die Delegierten Dr. Weisengrün, Waltuch, Nebenzahl, Oberingenieur Stricker und Dr. Stein entgegen und fanden die Zustimmung der Majorität. Kestenbaum (hebräisch) beantragte eine Protestkundgebung des Distriktstages gegen den Beschluß des

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