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Die Welt · 1913-11-14 · 46 (14.11.1913) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
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NIr. 46 1573 - — DIE^ELT- ■ " - DEUTSCHE UND JUDEN IN PALÄSTINA Interessantes aus dem deutschen Konsularbericht für Jaffa Die englischen und österreichischen Konsularberichte aus Palästina enthalten seit vielen Jahren in steigendem Maße Notizen über die jüdische Entwicklung im Lande, die ja audh auf die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse daselbst von erheblichem Einfluß ist. — Die deutschen Konsularämter haben erst zu allerletzt begonnen, ihre Wahrnehmungen in dieser Hinsicht zu veröffentlichen, obwohl die Deutschsprachigkeit der großen Mehrzahl der ansässigen und ein wandernden Juden gerade dem deutschen Handel am meisten Nutzen gebracht hat. Auf diesen Umstand haben die vorerwähnten nichtdeutschen Konsulate denn auch wiederholt und nachdrücklich aufmerksam ge- Dagegen enthält der soeben erschienene neueste „Handelsbericht des kaiserlichen Vizekonsulats in Jaffa für das Jahr 1912“ eine Fülle informativen Materials über die Bedeutung des jüdischen Elementes in Palästina sowohl von allgemeinen wie von deutschen Gesichtspunkten aus, wovon das Hauptsächlichste im nachstehenden wiedergegeben sei. Zuerst wird erwähnt, daß die überaus verwahrloste Hauptverkehrsstraße im Norden Jaffas „unter Aufsicht des Kaiserlichen Vizekonsulats durch einen deutschen Reichsangehörigen repariert wurde, mittelst einer Summe, die die Bewohner eines jüdischen Stadtviertels *), die Bauern des Dorfes Sarona und die Stadtverwaltung Jaffas zusammengeschossen haben“. Dann heißt es von den Bewässerungsanlagen: „Kürzlich hat sich ein jüdisches Syndikat, die in Charlottenburg eingetragene Bewässerungsgesellschaft Palästina m. b. H., die mit einem Kapital von 100000 M. arbeitet, der Sache insofern angenommen, als sie am Oberlaufe des Flusses, unweit der Quelle, eine durch einen Sauggasmotor von 30 Pferdekräften betriebene Pumpanlage aufgestellt hat, die die zu dem 2500 Einwohnern zählenden jüdischen Dorfe Pethach Tikwah gehörigen Gärten, soweit sie nicht eigene Brunnenanlagen haben, bewässern soll. Sie hat bisher 3 km Röhren gelegt, und weitere Anschlüsse sind zu erwarten . . . Die Gesellschaft bezog für ihre Installationsarbeiten im Jahre 1912 aus Deutschland Waren im Betrage von mehr als 60 000 M.“ Auf die Schädigung des Handelsverkehrs durch die politischen Wirren des Vorjahrs eingehend, die zum ersten Male seit vielen Jahren statt kräftiger Aufwärtsbewegung ein Minus der Einfuhrziffern zeigte, sagt der Bericht: „Der Ausfall wäre noch bedeutend größer gewesen, wenn nicht an der wirtschaftlichen Durchdringung Palästinas ein ideeller Faktor mitarbeitete in Gestalt des Zionismus. Es ist dies bekanntlich die nationaljüdische Bewegung, welche um 1870 unter der Einwirkung politischer Verfolgung in Rußland zunächst theoretisch entstanden ist und von dem 1904 verstorbenen Wiener Theodor Herzl durch Einberufung des I. Baseler Kongresses im Jahre 1897 in die Praxis umgesetzt wurde. Es wurde ein Programm angenommen, wonach dem jüdischen Volke eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina geschaffen werden sollte, und alsbald mit der Bereitstellung von Geldern begonnen. Die Bewegung, die im September 1913 in Wien ihren XI. Kongreß abgehalten hat, fand in allen Kreisen der Welt begeisterte Anhänger, und Mittel flössen - ihr in reichlichen Mengen zu. Unter dem Namen Anglo-Palestine Co. wurde in London eine jüdische Bank gegründet, die an den wichtigen Plätzen Palästinas Niederlassungen enthält; ein im Jahre 1901 auf dem V. Zionistenkongresse zu dem Zwecke, ,in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben* gestifteter jüdischer Nationalfonds hat bereits eine Höhe von 3 500000 M. erreicht, daneben bestehen noch zahlreiche andere Stiftungen zur Förderung kultureller und wirtschaftlicher Aufgaben, und von Jahr zu Jahr wachsend ist die Beteiligung privaten Kapitals. *) Gemeint ist Tel Awiw* bei Jaffa. Daß die Juden hier an erster Stelle erwähnt werden, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß sie bezüglich der Initiative oder des Beitrags diesen Vorrang verdienen. Als Zentralstelle für die zionistische Tätigkeit in Palästina wirkt das in Jaffa eingerichtete Palästina-Amt, an dessen Spitze ein deutscher Rechtsanwalt steht. Die jüdischen Einwanderer sind zum großen Teil Landwirte und betreiben als solche in ihren über ganz Palästina verstreuten Kolonien hauptsächlich Orangenkultur und Feigenbau**), daneben in letzter Zeit in steigendem Maße Mandel- und Olivenzucht; auch dem Körnerbau und der Viehwirtschaft widmen sie sich an einzelnen Plätzen, doch scheint es, daß ihrer Begabung und Neigung mehr der Betrieb der das kaufmännische und industrielle Gebiet streifenden Kulturen (als Weinbau und Orangenzucht) liegt. Der Aufschwung, den unter zionistischer Propaganda die Landwirtschaft nimmt, befruchtet das gesamte Wirtschaftsleben, indem der Bedarf an landwirtschaftlichen Geräten, an Düngemitteln, Baumaterialien und anderen Artikeln die Einfuhrziffem erhöht und verschiedene Handel- und Gewerbetreibende beschäftigt werden. So nimmt auch die jüdische Bevölkerung in den Städten zu, und Jaffa besitzt ein ganz neues jüdisches Viertel namens Tel Awiw, dessen saubere Anlage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der jüdischen Einwanderer alle Ehre macht.“ Mit Bezug auf den Orangenexport heißt es: „. . . So haben die deutschen Orangenbauern im Jahre 1912 eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, die 38 000 Kisten verschifft hat; zwei jüdische Gesellschaften haben je 150 000 bis 200 C00 Kisten abgesetzt und eine dritte jüdische Gesellschaft ist im Entstehen. Die arabischen Orangenzüchter haben sich bisher nicht zusammengeschlossen. Bei den Versuchen, das Orangengeschäft zu fördern, hat das jüdische Kapital insofern die Initiative ergriffen, als die Jewish Colonisation Association Anfang 1912 einen Experten nach Kalifornien entsandte, der von dort allerhand Anregungen mitbrachte, die sich namentlich auf die Verpackung und schnelle Expedition der Früdite beziehen, aber in diesem letzten Punkte für Jaffa mit seinen kümmerlichen Verkehrsverhältnissen nicht in die Praxis umgesetzt werden können. Später haben die jüdische Anglo-Palestine Co. und die Deutsche Palästina-Bank gemeinsam einen Sachverständigen nach Liverpool, Hamburg und den Niederlanden gesandt, um die Lage der dortigen Märkte zu studieren.“ Von vereinzelten Bemerkungen usw. noch folgendes: „Die Hauptkellerei befindet sich in der jüdischen Kolonie Rischon I e Zion; erheblich kleiner, aber gleichfalls bedeutend, ist die Kellerei des Deutschen Weinbau-Vereins in Sarona. . . . Die jüdischen Produzenten haben ihren Handel durch Schaffung von Verkaufsstellen an den größeren Plätzen Europas und Amerikas sehr gut organisiert, und auch der Deutsche Weinbau-Verein der in Stuttgart, Kairo und Alexandrien Agenten hat, kommt gut auf seine Kosten. . . . Für die Olivenkultur, die seit alters in Palästina heimisch ist, wird von jüdischer Seite durch eine besondere Oelbaumspende Propaganda gemacht, aus deren Mitteln der Jüdische Nationalfonds auf den Gütern Chulda und Ben Schemen neue Waldungen anlegt . . . Während die Eingeborenen ihre Feldwirtschaft noch gänzlich roh betreiben, bedienen sich die eingewanderten Kolonisten in ausgedehntem Maße moderner Hilfsmittel; auf dem Mustergute Ben Schemen des Jüdischen Nationalfonds befand sich ein ganzes Warenlager landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte teilweise neuester Konstruktion, aber auch die deutschen Bauern sind in dieser Hinsicht gut ausgerüstet. Die deutsche Industrie hat hier ein lohnendes Absatzfeld, auch Amerika und Großbritannien sind mit landwirtschaftlichen Maschinen beteiligt, Rußland führt u. a. Pflüge ein ... Neuerdings hat der Zionismus die industrielle Tätigkeit der jüdischen Bevölkerung mit einigem Erfolge zu heben gesucht. Die jüdische Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem fördert die Teppichweberei, Steinhauerei und Möbelschnitzerei. In Ben Schemen bei Jaffa werden aus dem Jemen eingewanderte Juden mit Silberfiligranarbeiten beschäftigt, in Jaffa selbst ist eine jüdische Spitzenklöppelei, in der einige 33 Mädchen beschäftigt werden ***). Die Arbeiten sind sehr geschmackvoll . . .“ **) Soll heißen Weinbau. Auch sonst wäre an Einzelheiten manches zu berichtigen, aber im allgemeinen ist diese Darstellung so interessant, daß es uns besser scheint, sie im Original wiederzugeben. ***) In Jaffa ist nur die Zentrale. Im ganzen Lande arbeiten über 400 Jüdinnen an diesen kunstvollen Nadel- (nicht Klöppel-) spitzen.

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