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Die Welt · 1913-10-31 · 44 (31.10.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
44 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE SIELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG — ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRO. BERLIN, 31- Oktober 1913 tfniW? n"Dnn 'S ntWl Nr. 44. EIN GEBOT DER SELBSTERHALTUNG Wir sind in peinlichster Weise durch einen Beschluß überrascht worden, den das Kuratorium des Haifaer Technikums in seiner letzten in Berlin abgehaltenen Sitzung bezüglich der künftigen Unterrichtssprache dieser Anstalt gefaßt hat. An einer anderen Stelle dieses Blattes werden die Leser die Einzelheiten dieses Beschlusses finden. Unsere Stellung zu der gefaßten Resolution ist zwar schon durch den Austritt unserer Gesinnungsgenossen und durch ihre aus diesem Anlaß abgegebene Erklärung gekennzeichnet; trotzdem erscheint es uns angebracht, hier noch einige Streiflichter auf diese Frage, hauptsächlich von unserem prinzipiellen Standpunkte aus; zu werfen. Für uns ist die Wiederbelebung des Hebräischen in Palästina ein Gebot der Selbsterhaltung. In Palästina muß das hebräische Wissen nicht nur erhöht und vertieft werden, auch in die Breite muß es wachsen, es darf nicht ausschließlich Besitztum der Forscher, der Gelehrten sein, es muß zum Gemeingut breiter Volksmassen werden. Unsere palästinensischen Brüder müssen die Pioniere und Bannerträger dieses Strebens sein, sie müssen das große zusammenfassende Band, das alte nationale Einigungsmittel der hebräischen Sprache stärken und immer fester knüpfen. Diese geistige Kraft muß dort unaufhörlich wachsen und sich entfalten. Das Streben nach höchster Ausprägung wahrhaft eigenen Wesens, die Autonomie des Willens, die vollkommene innere Harmonie, eine eigene Kultur, d. h. eine Kultur, die nicht mechanisch, künstlich und zufällig von außen hineingetragen, sondern sich von innen heraus lebendig entwickelt, setzt eine eigene und einheitliche Sprache voraus. Ohne eigene Sprache schweben alle Kulturbestrebungen völlig haltlos in der Luft und verlieren sich in tausendfacher Zersplitterung und Zerfahrenheit. Es ergibt sich daher mit zwingender Notwendigkeit die unabweisliche Pflicht, die hebräische Sprache in allen Schulanstalten als Unterrichtssprache einzuführen, ihre Entwicklungsfähigkeit zu fördern, ihren Wortschatz zu mehren, ihr Ansehen zu heben und ihre Volkstümlichkeit zu steigern. Wir hegen die durch nichts zu erschütternde Ueberzeugung, daß die Nationalisierung und Hebraisierung der palästinensischen Juden auch von einem allgemein zivilisatorischem Standpunke als eint Fortschritt bezeichnet werden muß. Alle wahrhaft wertvolle Kultur und Erziehung hat nationalen Charakter. Das International-Farblose ist zugleich das Formalistisch-Wertlose. Unsere hebräischen nationalen Werte haben auch für die gesamte Menschheit Kulturbedeutung, sofern sie Originale und keine Nachahmungen sind. Der Untergang irgendeiner Nationalität, die über eigene Kulturwerte verfügt, würde eine Beeinträchtigung des Kulturbesitzes der Menschheit bedeuten. Die Abschleifung des Nationalen führt durchweg zur Auflösung der Persönlichkeit; die wahre Individualität ist eben national bestimmt und kann dieses Gepräge nicht ohne innere Schädigung ver- Hat irgendein Volk in der Welt das Recht, seine nationale Eigentümlichkeit zu wahren, so ist es das jüdische. Durch eine ruhmvolle Geschichte, durch einen harten Kampf ums Dasein hat sich in ihm auch ein starkes Bewußtsein seiner inneren Kraft und seines großen Berufs im Völkerleben ausgebildet. Dieses nationale Bewußtsein ist seine geschichtliche Ehre und hat ein Recht darauf, gewürdigt und anerkannt zu werden. Und kann ein Volk auf seine Sprache stolz sein, so ist es wiederum das jüdische. Dieser Stolz darf und wird nie in einen Dünkel ausarten. Das jüdische Volk wird nie den Weg der nationalistischen Chauvinisten beschreiten. Es ist bestrebt, mit allen Kulturnationen Hand in Hand zu gehen, aber es verwirft die widersinnige Assimilationssucht. Nur wo aus Sympathie, aus hochherziger Selbstverleugnung, aus der Gemeinsamkeit der Interessen und Bedürfnisse sich freie Völker die Hand zum Bunde reichen und im freien Entschlüsse so viel von ihrer Eigentümlichkeit aufgeben, daß das Ganze dadurch bestehen und daraus sich bilden kann —, da kann auch eine dauernde Einheit gedeihen. Das jüdische Volk ist immer den Weg der Selbstverleugnung gegangen, hat für die allgemeinen Interessen der Menschheit die größten Opfer gebracht, und so reichliche Saaten des Undanks, des Neides, der Verleumdung und Verlästerung es auch geerntet hat, es wird auch ferner den Weg der edlen Besonnenheit gehen und seinen Blick auf das große Ganze fest gerichtet halten, unbeirrt durch Fanatismus und Leidenschaft oder durch die Maßlosigkeit unbegründeter Ansprüche. Aber es wird auch mit sicherem Bewußtsein seine nationale Würde behaupten und sich seine Individualität nicht verkümmern lassen. Wir müssen daher für die hebräische Sprache mit aller Bestimmtheit und Tatkraft einstehen, denn in ihr liegt unser nationales Existenzminimum beschlossen. Wir haben uns nie darüber getäuscht, daß wir Gegner und sehr entschiedene Gegner unserer nationalen Auf-

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