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Die Welt · 1913-10-23 · 43 (23.10.1913) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
43 (23.10.1913)
Date
1913-10-23
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 43 1473 DIE^TELT König Konstantin gegen die Blutlüge Saloniki. Am 11. Oktober erhielt der Großrabbiner von Saloniki, Jakob Meir, vom König Konstantin eine Einladung zum Frühstück an Bord seiner Jacht „Amphitrite". Da diese Einladung jedoch gerade am Versöhnungstage erfolgt war, mußte Rabbi Meir sich entschuldigen lassen und begab sich statt dessen nach Schluß des Gottesdienstes am Versöhnungstage an Bord der königlichen Jacht. In seiner Unterredung mit dem König äußerte sich der Großrabbiner folgendermaßen: „Majestät, ich habe die Ehre und das Vergnügen, in einer feierlichen Stunde vor Sie hinzutreten. Ich komme soeben aus dem Tempel, wo meine Gemeinde und ich — wie dies in allen Tempeln und Gebetsstätten dieser Stadt geschah — während 25 Stunden des Fastens und Betens um die Erhaltung des kostbaren Lebens Eurer Majestät gefleht haben." Der König dankte dem Großrabbiner und der ganzen jüdischen Bevölkerung für ihre Treue und kam dann sofort auf die Ritualmord-Angelegenheit zu sprechen: „Sie können der ganzen jüdischen Bevölkerung versichern, daß eine derartige niederträchtige Blutbeschuldigung in meinem Reiche niemals Aufkommen wird. Die griechischen Behörden wissen, daß es sich hierbei um eine mittelalterlich anmutende Verleumdung handelt. Vielleicht gibt es noch einige Dummköpfe und Fanatiker, die daran glauben, aber die griechischen Behörden werden niemals eine Ritualmord-Beschuldigung annehmen. Ich bin überzeugt, daß in dem augenblicklich so viel besprochenen Beilis-Prozeß in Rußland das russische Gericht schließlich der Wahrheit zum Siege verhelfen wird.“ Ueber den Patriotismus der griechischen Juden äußerte sich der König folgendermaßen: „In der griechischen Armee haben die jüdischen Soldaten immer als Patrioten, oft sogar wie Helden gekämpft. In den verschiedenen Kämpfen gegen unsere Feinde haben die griechischen Juden häufig gegen Glaubensgenossen gekämpft, die im feindlichen Lager standen und haben damit eine deutliche Probe ihres aufrichtigen Patriotismus abgelegt." Der König erkundigte sich sodann beim Großrabbiner, ob die jüdische Bevölkerung von Saloniki mit dem Verhalten der griechischen Behörden zufrieden sei. Der Großrabbiner erwähnte darauf, daß die Behörden etwas weniger streng mit Personen verfahren sollten, welche das Gesetz aus Unwissenheit und nicht aus Mangel an gutem Willen übertreten. Darauf erwiderte König Konstantin, daß die griechischen Behörden die jüdische Bevölkerung von Saloniki sicherlich künftig mit dem größten Wohlwollen behandeln werden. o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o Lan deskonf erenz der argentinischen Zionisten (Von unserem Berichterstatter.) Buenos-Aires, 12. September 1913. Vom 6. bis 9. September d. J. tagte in Buenos-Aires die erste Landeskonferenz der Partido Sionista en Argentina. Ihr Verlauf und Erfolg übertrafen bei weitem unsere Erwartungen. Am Sonnabend, den 6. September abends fand die Eröffnungssitzung statt. Es waren 14 Delegierte der Vereine in den Provinzen und 9 Delegierte der Vereine in Buenos- Aires erschienen. Der Vorsitzende des Comtie Central, Herr Jacobo Joselevich, eröffnete die Konferenz mit einer längeren Rede, in der er auf den gleichzeitig in Wien tagenden XI. Kongreß und auf seine Bedeutung hinwies. Er betonte, daß der Zionismus seine Anhänger nicht hindere, gute Staatsbürger zu sein, und gab unseren Gefühlen der Loyalität und Ergebenheit gegenüber der argentinischen Republik Ausdruck. Es folgte die Verlesung eines Begrüßungsschreibens des E. A. C. Weitere Begrüßungsschreiben hatten u. a. die Herren Professor Warburg, Wolffsohn, Ussischkin, Justizrat Dt. Bodenheimer und das Palästina-Amt gesandt. (Ein Begrüßungsschreiben von Dr. Max N o r d a u traf leider erst nach Schluß der Konferenz ein.) Außerdem waren zahlreiche Begrüßungstelegramme und Schreiben aus allen Teilen der Republik eingetroffen. Das Mitglied des Comtie Central, N. Gesang, sprach über „Die Renaissance des Judentums“. Seine wirkungsvollen Worte wurden oft von brausendem Beifall unterbrochen. Die darauffolgende Wahl des Präsidiums und des Bureaus ergab, gemäß dem Vorschlag des Vorsitzenden der Vorbereitungskommission Udo Moses, als Präsidenten: Herrn Jacobo Joselevich (Buenos-Aires), als Vizepräsidenten: die Herren N. Gesang (Buenos-Aires) und S. Epstein (Medanos), als Sekretäre: die Herren M. Feinstein, H. Malimovski und L. Wattesmann, sämtlich aus Buenos-Aires. Im Anschluß an die Wahlen erstattete das Mitglied des Comite Central, Herr Udo Moses, einen Bericht über „Die Lage des. Zionismus", in dem er besonders die Arbeit und Erfolge des bisherigen E. A. C. würdigte. Einstimmig wurde darauf beschlossen, ein Telegramm an den XL Kongreß zu senden, in dem die Landeskonferenz sich mit dem Kongreß, seinen Arbeiten und Zielen solidarisch erklärt. Am folgenden Tage, Sonntag, den 7. September, hörte die Konferenz den Bericht des Generalsekretärs, Herrn S. Kaufmann, die Berichte über Finanzen, Nationalfonds, Schekel und schließlich die Berichte der einzelnen Vereine an. Am Nachmittag fand eine Sondersitzung statt, zu der Vertreter fast aller jüdischen Vereine von Buenos-Aires erschienen waren, und in der Herr N. Gesang über „Gemeindefragen"' und der Delegierte von Moiseville, Herr Fleischer, ein Referat über „Erziehungsfragen" hielt. Zum besseren Verständnis sei bemerkt, daß Buenos-Aires trotz seiner etwa 40 000 Juden einer eigentlichen Gemeinde entbehrt und ebenso in den Provinzen organisierte Gemeinden fehlen. Herr Gesang legte in seinen Ausführungen die große Wichtigkeit der Schaffung einer Gemeinde in Buenos-Aires und eines Gemeindebundes in Argentinien dar. An der Diskussion hierüber beteiligten sich auch lebhaft die Vertreter der nichtzionistischen Vereine. Schließlich wurde durch einen Beschluß das Comite Central beauftragt, die Initiative in dieser Frage zu ergreifen und nach Beendigung der Konferenz nochmals die Vertreter aller jüdischen Vereine von Buenos-Aires zur Beratung über die vorbereitenden Arbeiten zusammenzuberufen. Die Darlegungen des Herrn Fleischer über „Erziehungsfragen“ behandelten die jüdische Erziehung unserer Jugend, die sowohl in den Städten, als auch in den Kolonien, trotz der I. C. A.-Schule sehr im argen liegt. Nach Schluß dieser Sondersitzung wurde in die Debatte über die Berichte eingetreten, deren Fortsetzung auf den nächsten Tag verschoben wurde.

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