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Die Welt · 1913-10-01 · 40 (1.10.1913) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
40 (1.10.1913)
Date
1913-10-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1372 Nr. 40 Sekretariat, die Vertretung der Poale Zion in Palästina und das Arbeitsvermittlungsbureau. (ebenfalls in Jaffa) ins Leben gerufen. Das Bureau stand in engem Kontakte mit allen Landesparteien und unterhielt freundliche Beziehungen zur zionistischen Organisation. Der Bericht bespricht eingehend die Stellung der poalezionistischen Fraktion auf dem X. Zionistenkongreß. Viele Arbeiten konnten wegen Mangel an Geldmitteln nicht ausgeführt werden. Eine reiche Tätigkeit haben in der Berichtsperiode die einzelnen Landesparteien entfaltet. Die russische Landespartei, die unmittelbar vor der Weltkonferenz ihre VI. Parteikonferenz abhielt, befindet sich im Zustande des Wiederauflebens. Die Partei leistet eine rege gewerkschaftliche, politische und kulturelle Tätigkeit und schreitet nunmehr an die Herausgabe einer periodischen Presse. Trotz der unmenschlichen polizeilichen Verfolgungen, denen die besten Kämpfer zum Opfer gefallen sind, besitzt die Partei in vielen Orten festgefügter Organisationen. In der letzten Zeit fand der Zusammenschluß der im Auslande lebenden Parteigenossen durch die Gründung der ausländischen Poale-Zion Liga statt. Auf Kosten der russischen Partei erscheint in Jerusalem die Zeitschrift „Das Land" in jüdischer Sprache, die den Zweck hat. die breiten jüdischen Massen im Golus über Palästina zu informieren. Die Landespartei Oesterreichs führt einen unermüdlichen Kampf für die nationale Gleichberechtigung der jüdischen Massen und ist besonders im Volkszählungskampfe sowie in der Wahlreformationskampagne im Vordertreffen gestanden. Die gewerkschaftliche Arbeit der Partei begegnet großen Störungen von seiten der polnischen Sozialdemokratie (P. P. S.) und der in ihrem Schlepptau befindlichen Z. P. S., die ihre einstigen bundistischen Losungen verraten hat. Der von der Partei gegründete Handelsangestelltenverband entwickelt sich trotz der unglücklichen wirtschaftlichen Verhältnisse in befriedigender Weise. Die der Partei angeschlossene Jugendbewegung leistet eine große Erziehungsarbeit unter den jugendlichen Arbeitern. Gut entwickeln sich auch die Organisationen der Mittelschüler und Akademiker. Die amerikanische Partei zeichnet sich durch ihre Initiative auf dem Gebiete der Palästina-Arbeit aus. Neben der energischen Tätigkeit für den Palästina-Arbeiterfonds, Nationalfonds, „Haachduth" usw. ist die Gründung der Gesellschaft „Achwah" zu erwähnen, die den Zweck hat in Palästina eine Gartenstadt auf landwirtschaftlich- und industriell-genossenschaftlicher Basis zu errichten. Außerdem hat die Partei den „jüdisch-nationalen Arbeiterverband" begründet, eine Versicherungsgesellschaft, die zwar nicht offiziell parteiisch ist. aber mit großem Eifer für die Ziele der Partei, besonders für Palästina tätig ist. Gemeinsam mit diesem „Orden" wurden zwölf „nationalradikale" Volksschulen gegründet, in denen die Kinder in ihrer jüdischen Muttersprache erzogen werden. Natürlich hat die hebräische Sprache und Literatur ebenfalls den gebührenden Platz. Die Partei unterstützt energisch die gewerkschaftliche Bewegung der jüdischen Arbeiter und führt eine äußerst rege kulturelle Tätigkeit. Auch politisch ist sie oft hervorgetreten, um den sozialistischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. In Palästina liegt jetzt das Schwergewicht der Poale Zion in den Kolonien. In den Städten ist die Arbeit erschwert, einerseits infolge der sprachlichen Zersplitterung der jüdischen Arbeiter, andererseits infolge des traurigen Umstandes, daß die große Mehrheit der städtischen Arbeiter einen Teil ihrer Einkünfte von der „Chalukah" bezieht, die einen sehr demoralisierenden Einfluß auf dieselben ausübt. Die Partei steht in sehr freundlichen Beziehungen mit der Wächterorganisation „Haschomer", die von Parteigenossen begründet wurde und eine unschätzbare Bedeutung für die Kolonisation gewonnen hat. Auch die Landarbeiterorganisationen in Galiläa und Jehudah sind von Poale Zion geschaffen worden. Die Partei gibt ein eigenes Wochenblatt ,^Haachduth" heraus, das einzige sozialistische Blatt in hebräischer Sprache. In England hat die Partei sich unlängst reorganisiert. In Argentinien zeigen sich neue Anfänge, in Westeuropa ist es zu einer Zentralisierung der Arbeit gekommen, die großen Erfolg verspricht. Der Bericht des Palästina-Arbeiterfonds konstatiert eine befriedende Entwicklung. Die Einnahmen betrugen in dieser Berichtsperiode 12 500 Kr. gegen 7000 Kr. in der früheren Periode. Ueber beide Berichte entwickelten sich längere Debatten, die den ganzen Tag in Anspruch nahmen. Schließlich wurde dem Wiener Verbandsbureau und der Zentralverwaltung des P. A_ F. das Vertrauen ausgesprochen. (Der Schluß des Berichtes folgt in der nächsten Nummer.) Der XL Kongress im Spiegel der Presse Wir setzen heute die in voriger Nummer begonnene Veröffentlichung von Pressestimmen über den XI. Kongreß fort und bemerken dabei, daß wir hier selbstverständlich nur die eigenen kritischen Bemerkungen der Blätter abdrucken, während wir alles rein Berichtmäßige weglassen. „Osmanischer Lloyd“, Konstantinopel Der elfte Zionistenkongreß, der am Abend des 2. September in Wien zusammengetreten ist, hat Mittwoch abend seine Arbeiten beendet. Bei der immer wachsenden Bedeutung der zionistischen Bewegung und bei der Beachtung, deren sie insbesondere in diesem Lande sicher sein kann, lohnt es sich wohl, einen Blick aut den Verlauf der soeben beendeten Tagung zu werfen. Der Eindruck, den der Fernstehende von den Verhandlungen erhält, läßt sich wohl dahin zusammenfassen, daß die Bewegung an Kraft und Zielbewußtsein, sowie an Anhängern in der ganzen Welt, wo immer Bekenner des alten Testamentes leben, gewonnen hat, und daß die Begeisterung für einen Gedanken, der in den Anfängen der Bewegung nicht am wenigsten von den Glaubensgenossen ihres Urhebers bekämpft und verhöhnt wurde, nicht nur nicht nachläßt, sondern stetig zunimmt. Dieser Gedanke hat in dem Baseler Programm der zionistischen Bewegung prägnanten Ausdruck in dem Satze gefunden: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Die Zionisten täuschen sich nicht darüber, daß sie von dem in diesem Satz gesteckten Ziel noch sehr weit entfernt sind. Aber die Führer der Bewegung haben es sich angelegen sein lassen, aut die Beseitigung der Hemmnisse hinzuarbeiten, die sich der jüdischen Einwanderung in Palästina entgegenstellen und weitgehende Rechte in bezug auf Bodenerwerb und Kolonisation zu erlangen. Es ist bekannt, daß die türkische Regierung in früherer Zeit jede Bestätigung des Zionismus in Palästina mit starkem Mißtrauen betrachtete und jedenfalls nichts tat, was als Förderung der Bewegung hätte gelten können. Der frühere Sultan Abdul Hamid hatte zwar den Vater des zionistischen Gedankens, Dr. Theodor H e r z I, wiederholt mit besonderen Ehren empfangen, ihm die höchsten Orden verliehen und ihn mit den schönsten Hoffnungen entlassen. Aber es hatte bei der platonischen Bekundung des Wohlwollens sein Bewenden. In neuerer Zeit hat sich in der Türkei in der Beurteilung und Behandlung des Zionismus ein bemerkenswerter Wandel vollzogen, nachdem eine antijüdische Bewegung unter der arabischen Bevölkerung überwunden worden war, und man darf wohl behaupten, daß die öffentliche Meinung und die maßgebenden Kreise der Türkei von dem friedlichen und kulturfördernden Charakter der zionistischen Bewegung überzeugt sind. Der Berliner Universitätsprofessor Dr. W a r b u r g durfte deshalb in seiner Eröffnungsrede der Hoffnung Ausdruck geben, daß mit den wachsenden Leistungen des Zionismus in Palästina, die Vorurteile, die sich diesem entgegenstellten, immer mehr weichen werden. „Diese Ueberzeugung," so bemerkte Professor Warburg, „stützt sich nicht nur auf das Vorhandensein von Sympathien oder aut einige erreichte Zusagen, sondern vor allem aut die Logik der notwendigen Entwicklung. Die Türkei will leben, will sich erneuern. Aber was ihrem Verjüngungsprozeß Leben und Inhalt gibt, das ist die beschleunigte Aufschließung und Besiedlung des Landes, die Nutzbarmachung der heimischen Bodenkräfte und Hilfsquellen, die Urbachmachung der Oedcn. die Heranziehung von Kapital und Intelligenz. Eben dies sind die Bestrebungen, die unserer Arbeit in Palästina zugrunde liegen. So werden wir durch unser Werk zu der Entwicklung des türkischen Staates Bedeutendes beitragen." Was Professor Warburg hier für die zionistische Bewegung in Anspruch nimmt, gilt für jede kulturelle Arbeit, die aut türkischem Boden von Angehörigen anderer Nationen mit fremden Kapitalien geleistet wird, gilt insbesondere auch für die landwirtschaftliche Arbeit, mit der vor mehr als vierzig Jahren deutsche Ansiedler im heiligen Lande ein rühmliches und nachahmungswürdiges Beispiel gegeben haben, vor dem jede mißgünstige Kritik verstummen muß. Die bisherige praktische Arbeit des Zionismus in Palästina hat sich überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich aut wirtschaftlichem Gebiete vollzogen und selbstverständlich, vor allem dem Acker- und Gartenbau gegolten, während die Förderung von Handel und Industrie mehr der Privat-

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