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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Nr. 38 1310 =■■ --- - - DIEffiELT Von diesen Gründen ausgehend, beantrage ich die entgegenzutreten. Leider liegen die Verhältnisse nicht folgende Resolution: so. Es bleibt uns also nichts übrig, als unsere Positionen 7. Der Kongreß ist der Ansicht, daß der Lehrerverband, der seit zehn Jahren in Palästina Kulturarbeit leistet, die berufene Organisation ist, die Interessen der nationalen Erziehung im Lande wahrzunehmen. Der Kongreß betrachtet es daher als Pflicht der zionistischen Organisation, zur gedeihlichen Entwicklung dieser Organisation moralisch und nateriell beizutragen. Von größter Bedeutung für das Schulwesen wäre auch die Herausgabe von Lehrbüchern über verschiedene Lehrdisziplinen und für die verschiedensten Schulen und Lehranstalten. Nach dieser Richtung hat das E. A. C. bereits einen Anfang gemacht, indem es für diesen Zweck einen größeren Beitrag bewilligte. Ich lege aber Gewicht darauf, daß der Kongreß dem E. A. C. einen entsprechenden ausdrücklichen Auftrag gibt. Ich empfehle Ihnen daher, folgende Resolution anzunehmen: 8. Eine unserer wichtigsten Aufgaben auf dem Gebiete nationaler Erziehung und nationaler Kultur ist nach Ansicht des Kongresses die Herausgabe von Lehrbüchern über verschiedene wissenschaftliche Disziplinen und Lehrfächer, die Gegenstand des Unterrichtes in Elementar-, Mittel- und Hochschulen sind. Der Kongreß macht es der zionistischen Organisation zur Pflicht, zur Erfüllung dieser Aufgabe vermittels des Lehrerverbandes und berufener Fachmänner beizutragen und die hierzu erforderlichen Mittel zu bewilligen. Noch mehr aber als auf alle Lehrbücher, ist auf die lebendigen Lehrbücher — d. h. auf ein geeignetes Lehrpersonal Gewicht zu legen. Auch nach dieser Richtung wurde bereits ein Anfang gemacht, indem das A. C. das von dem Odessaer Palästinakomitee gegründete Lehrerinnenseminar zu Jaffa auf den Namen des verewigten Lewinsky tatkräftig förderte. Dieses Seminar erscheint geeignet, das Bedürfnis an geeigneten Lehrerinnen nicht nur in Palästina, sondern auch in der Diaspora zu befriedigen. Ich schlage Ihnen daher folgende Resolution vor: 9. Der Kongreß stellt fest, daß das von den Chowewe- Zion gegründete Lehrerinnenseminar auf den Namen Lewinskys von großer Bedeutung für die nationale Erziehungsarbeit im Lande ist und erblickt in der Befestigung, Erweiterung und Ausgestaltung dieses Instituts eine überaus wichtige Aufgabe. Der Kongreß beschließt daher, daß die zionistische Organisation für diese Anstalt sorgen und das Budget derselben gemeinsam mit den Chowewe-Zion zu gleichen Teilen bestreiten soll. Haben wir bereits in Palästina ein ganzes System von Schulen verschiedener Stufen, als da sind: Kindergärten, Elementar- und Mittelschulen, Spezialschulen; wächst nun hier in der günstigen Atmosphäre des neuaufkeimenden jüdischen Lebens ein neues Geschlecht ganzer Juden heran, so ist es nun Zeit, daß wir an jenes Werk denken, das die Krone unserer Kulturarbeit bilden soll; es ist Zeit, daß wir an die Gründung der Universität in Jerusalem denken. (Stürmischer, lange anhaltender Beifall.) Ich verhehle mir nicht, daß es zahlreiche Gegner dieses Gedankens gibt, wiewohl diese Gegnerschaft nicht der Idee selbst gilt, sondern von der Ansicht ausgeht, daß der Zeitpunkt hierfür noch nicht reif ist. Demgegenüber bin ich der Ansicht, daß es wohl an der Zeit ist, an diese große Aufgabe heranzutreten. Wir stehen vor einem großen, entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Orients. Die folgenschweren Ereignisse der letzten Zeit lassen schließen, daß die Entscheidung über das Geschick des Orients, Palästina mit einbegriffen, in nicht allzu ferner Zukunft fallen wird. Vom Norden und Süden her, von französischer und englischer Seite, rücken jene Mächte heran, die Palästina ihrem Einfluß unterwerfen wollen. Nun gilt es auf der Hut zu sein. Könnten wir in kurzer Zeit den palästinensischen Boden erwerben, so wäre dies gewiß der sicherste Weg, unseren Einfluß zu stärken und jenen Gelüsten im Lande auf anderem Wege zu befestigen. Es ist dies der Weg der kulturellen Vorherrschaft. Wenn wir es dahin bringen, daß das höchste Institut im Lande für Kultur und Wissenschaft unser ist, so ist unser Einfluß gesichert. Und ich verkenne die Schwierigkeiten der Sache durchaus nicht. Wir haben weder das Geld, noch das geeignete Lehrpersonal, das in hebräischer Sprache unterrichten könnte, noch auch die Genehmigung der türkischen Regierung. Was aber all diese Schwierigkeiten aufwiegt, das ist die eherne Notwendigkeit und der Wille. Bisweilen werden große Dinge nicht durch kalte und nüchterne Berechnung, sondern durch glaubensstarken Enthusiasmus geschaffen. Es geht zurzeit der Ruf durch die jüdische Diaspora: Schaffet eine Heimstätte für eure Kinder, damit sie nicht dazu verurteilt sind, immer im Exil zu leben und fremde Weinberge zu hüten haben. Wenn wir nicht für die Schaffung dieser Heimstätte sorgen, werden es die anderen tun, die diese Heimstätte in der Diaspora errichten werden. Wir haben bereits schwierigere Leistungen vollbracht als die Gründung einer Hochschule. Der Keim eines jüdischen Gemeinwesens, wie er in unserer bisherigen Palästina-Arbeit gegeben ist, ist eine solche Leistung. Daß die Idee der Gründung einer Universität auf die wärmsten Sympathien weiterer Kreise rechnen darf, beweist die Tatsache, daß diese Idee in der kurzen Zeit, seitdem die Frage angeschnitten wurde, großen Anklang gefunden hat. Während des Kongresses haben mein Freund Weizmann und ich versucht, hier für die Universität zu werben. Die erzielten Erfolge waren recht bedeutend. So hat ein Berliner Herr, der ungenannt bleiben will, 60 000 Frcs. gezeichnet, Herr Julius Simon, Dr. Isaak Straus und ihre Freunde 50 000 Frcs., Dr. Benderski (Kiew) 20 000 Frcs., N. N. aus Moskau 25 000 Frcs., S. Brazlawsky 10 000 Frcs., N. N. aus England 100000 Frcs., N. N. aus Deutschland 100000 Frcs. (Enthusiastischer Beifall des ganzen Kongresses.) Ich zweifle nicht, daß, sobald der Kongreß beschlossen haben wird, die Sache in die Hände zu nehmen, unser Ruf überall willige Ohren und Herzen finden wird. (Stürmischer Beifall.) Ich beantrage daher folgende Resolution: 10. Der Kongreß ist der Ansicht, daß eine Hochschule — eine hebräische Universität — in Palästina einen nationalen und politischen Machtfaktor allerersten Ranges bilden würde und erblickt in der Gründung der Universität eine unserer wichtigsten und vornehmsten Aufgaben. (Stürmischer Beifall.) 11. Der Kongreß beschließt, an die Vorarbeiten zur Gründung der Universität zu schreiten. 12. Der Kongreß beschließt, daß die Universität in Jerusalem gegründet werden darf, daß ferner die Unterrichtssprache für alle Lehrfächer ohne Ausnahme vom ersten Jahre ab ausschließlich das Hebräische sein darf. 13. Der Kongreß setzt eine Spezialkommission ein, die gemeinsam mit dem E. A. C. all die Vorarbeiten und Vorstudien hinsichtlich der Gründung der Universität besorgen soll. Diese Aufgabe involviert drei Gebiete: a) die politische resp. die Konzessionsfrage; b) Beschaffung der für die Vorarbeiten erforderlichen Mittel; c) Ausarbeitung des Lehrplanes, wie auch Führung von Unterhandlungen mit den in Betracht kommenden Dozenten für die verschiedenen Disziplinen, eventuell auch die Sorge für eine entsprechende Vorbereitung derselben, sei es hinsichtlich der hebräischen Sprachkenntnisse, sei es hinsichtlich der nötigen speziellen Fortbildung in dem in Aussicht genommenen Fach. 14. Das Ergebnis ihrer Arbeit unterbreitet die Kommission der nächsten Sitzung des Zentralkomitees, das vom Kongreß bevollmächtigt wird, über die Fortsetzung der Arbeit nach dieser Richtung zu beschließen.

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