Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Augabe VI (10.9.1913)
- Date
- 1913-09-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316580--57966-3376474- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 etwas von unserem europäisch jüdischen Geiste einflößen. Was wir heute tun können, sind nur vorbereitende Schritte. Erst müssen wir Institute schaffen, Institute für medizinische und naturwissenschaftliche Fakultäten, dann ein Museum, zu dem die Grundlage da ist, und für die historisch jüdische Fakultät eine Bibliothek. Diese ist von uns in einer Weise vernachläßigt worden, daß ich staune, wie ein Volk, das sich rühmt, von den Arabern das Volk des Buches genannt worden zu sein, so handeln konnte. Der eigentliche Forscher, der weit mehr als der Dozent der Universität die geistige Grundlage gibt, kann nicht arbeiten, wenn er keine Bibliothek hat. Sie kennen alle die Arbeiten, die unser Josef Chasano witsch für die Bibliothek geleistet hat. (Beifall und Händeklatschen.) Sie müssen dazu beitragen, daß sich die Universität so entwickelt, wie er es sich gedacht hat. Die Volkskurse und Arbeiterkurse, die notwendig sind, werden erst dann Rückhalt an der Universität finden, wenn diese eine Bibliothek besitzt. Gewiß, zur Gründung einer Bibliothek gehört viel Geld. Aber denken Sie einmal an eine Nationalbibliothek in Jerusalem, welcher jüdische Schriftsteller, welcher jüdische Buchhändler wird nicht gerne ohne Entgelt seine Bücher dorthin schicken. Haben doch die Deutschen in Posen aus den Spenden der deutschen Buchhändler im Handumdrehen eine Bibliothek von 190.000 Bänden gegründet. Für eine Bibliothek ist eine große Organisationsarbeit nötig. Wir brauchen dazu Ihre Unterstützung. Wir werden die Unterstützung und Sympathie finden in allen Ständen und an allen Orten, sowohl bei Juden wie bei Nicht-Juden. Meine Damen und Herren! Es handelt sich um eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Buch, für die jüdische Kultur. Wenn wir die Bibliothek nicht ernsthaft heute beginnen, werden wir nicht in 20 Jahren mit der Universität etwa, anfangen können. Wir müssen, ebenso weit entfernt vom Nihilismus wie vom Klerikal'smus, unser historisches Judentum, das uns mit der Vorzeit verbindet, unseren Nachkommen überliefern und das können wir nur, wenn wir die jüdische Kulturarbeit aufnehmen und sie im wahrsten Sinne des Wortes in einer jüdischen Universität zu Jerusalem konzentrieren. Diese Universität bedeutet für uns eine Erhöhung der jüdischen Kultur, eine Bereicherung des menschlichen Geistes. (Stürmischer langanhaltender Beifall.) Präsident Woiffsohn: Folgender Antrag ist hier eingebracht worden: „Der Kongreß beschließt, das A. C. zu beauftragen: eine Kommission einzusetzen, zum Zwecke der vorbereitenden Arbeiten für die Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem. — Weizman, Ussischkin.“ Ich lasse darüber abstimmen. Der Antrag wird mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Slatopolski (Schlußwort als Referent des „Kedem“): „Kedem“ ist eine Schöpfung unserer Organisation und darin erblicken wir seinen Wert. Wir haben es endlich erlebt, daß wir vor der Verwirklichung eines unserer sehnsüchtigsten Wünsche stehen; das Technikum in Jaffa wird demnächst eröffnet werden. Aber wie schmerzlich müssen wir es empfinden, wenn uns gesagt wird, daß dort nicht unsere hebräische Sprache die Vortragssprache sein wird. „Kedem“ gibt uns die volle Garantie, daß bei seinen Gründern niemals eine derartige Befürchtung wird platzgreifen können. Es ist hier die Frage aufgeworfen worden, wie sich „Kedem“ zur Tradition verhalte. Und es ist auch gesagt worden: Es genüge nicht, hebräisch zu sprechen; man müsse hebräisch handeln. Ja, unsere Aufgabe ist es gewesen, Ihnen die Ueberzeugung beizubringen, daß, wer hebräisch handeln will, auch hebräisch sprechen muß. (Beifall.) Unser heißestes Bestreben wird es sein, Land, Sprache und Tradition zu vereinigen. (Großer Beifall.) Horr Sokolow (hebräisch): Die hier bestehende Organisation der sephardischen Studenten hat vorgestern eine Versammlung einberufen, auf der beschlossen worden ist, eine allgemeine nationale Organisation der Sephardim zu begründen- Nr. VI Dies ist ein Lieblingsgedanke der Zionisten, der ihnen seit langem bekannt ist und es gereicht uns zur Freude, daß dieser Gedanke jetzt einer Verwirklichung entgegengeht. (Beifall.) Dr. Weizmann: Im Namen des Permanenzausschusses habe ich Ihnen die Wahl einer Budgetkommission vorzuschlagen, die jetzt über den zukünftigen Etat beraten soll. Wir schlagen vor : Dr. Heymann, Levite, Rosow, Dr. Emil Margulies, C o w e n, Dr. H a 1 p e r n, Dr. Klee. Ich bitte um die En bloc- Annahme. (Wird angenommen.) Goldberg: Die Palästina-Kommission hat eine Reihe von Anträgen besprochen und beraten und dann den Beschluß gefaßt, diese Anträge dem A. C. zur Entscheidung zu übergeben, jedoch dem Kongreß zur Kenntnis zu bringen: Antrag Dr. M a s e (Jerusalem): In Palästina wird ein spezielles technisches Büro errichtet, welches die Möglichkeit gewerblicher und industrieller Unternehmungen in Jerusalem studieren und fördern soll. Das A. C. wird beauftragt, systematisch Wege und Einrichtungen zur Stärkung der jüdischen Arbeit in Palästina zu finden und die hiefür nötigen Mittel in seinem Budget vorzusehen. Antrag Farbstein: In Anbetracht der schweren Arbeit der jüdischen Arbeiter in Palästina wird beantragt, daß der N. F. jedem jüdischen Arbeiter, der fünf Jahre in Palästina gearbeitet hat, eine Parzelle Boden für 99 Jahre in Erbpacht geben und einen gewissen Betrag für Gebäude und Inventar gegen 20jährige Abzahlung gewähren soll. Auch hierüber hat die Kommission keinen Beschluß gefaßt, sondern diesen Antrag nur als Material dem N. F. zur Kenntnis empfohlen. Der N. F. wird ersucht, spezielle Maßregeln zu ergreifen, um die Heranbildung jüdischer Landarbeiter zu fördern. Der N. F. wird ersucht, in der Nähe der jüdischen Kolonien Arbeiteransiedlungen zu errichten. Antrag T r i e t s c h : Die Palästinakommission ersucht das Direktorium des N. F., spätestens bis zur Jahreskonferenz ein System der Wirksamkeit des N.F. in Palästina auszuarbeiten und seine gründliche Diskussion auf der Jahreskonferenz zu veranlassen. Julius Simon: An diesem Tage, da wir einen neuen Impuls für die kulturelle Arbeit in Palästina erleben durch die Proklamierung der Idee der Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem, glaube ich, ist es unsere Verpflichtung, derjenigen zu gedenken, die den Anfang zu diesem Werke durch die Gründung der Gymnasien in Palästina gelegt haben, vor allem aber jenes Mannes, der durch seine Hochherzigkeit die Existenz des jüdischen Gymnasiums in Jaffa erst ermöglicht hat, des Herrn Moser. (Lebhafter Beifall.) Aber es ist nicht nur die Dankbarkeit für Vergangenes, es ist auch die Dankbarkeit für etwas Gegenwärtiges, die wir Herrn Moser bezeugen müssen. Herr Moser hat während dieses Kongresses sich bereit erklärt, sämtliche Restkosten des Baues des Gymnasiums im Betrage von 31.200 Franks zu übernehmen, so daß das Gymnasium jetzt schuldenfrei dasteht. Außerdem hat Herr Moser zur Unterstützung der weiteren Arbeit des Gymnasiums sich bereit erklärt, für die nächsten] fünf Jahre weitere 5000 Franks zu bezahlen, wenn auf diesem Kongresse die gleiche Summe von anderer Seite zustande kommt. Durch die Bemühungen unseres Freundes Dr. Lewin und mit Unterstützung zweier anderer Freunde ist diese Bedingung erfüllt Wir beglückwünschen uns, wir beglückwünschen die jüdische Jugend, die in Palästina erzogen wird, und wünschen, daß sich in unseren Reihen viele Nachahmer finden mögen. (Stürmischer Beifall.) Moser dankt dem Kongreß für die Ovationen. Präsident Woiffsohn teilt mit, daß die Mitglieder der Poale Zion erklären, sie hätten vollzählig gegen den Antrag auf die Errichtung der Universität gestimmt, wenn sie im Saale gewesen wäre. Herr Lipsky stellt folgende Anträge. Der XI. Kongreß möge eine Kommission zur Reform der Geschäftsordnung im Sinne des englischen Parlamentarismus wählen. 2. Die redaktionelle Leitung der Welt solle dem Großen A. C. übergeben werden und nach dem Prinzipe der freien Besprechung aller internen zionistischen Fragen geführt werden. 3. Die Anzahl der Schekelzahler, welche einen Delegierten zu wählen haben, DIE2$KELT