Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Augabe VI (10.9.1913)
- Date
- 1913-09-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE W ELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ----- ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRG. WIEN, 10. September 1913 — nV n DT Kongreß-Ausgabe VL DAS NEUE ACTIONS-COMITE Warburg, Hantke, Jacobson, Lewin, Sokolow, Tschlenow Protest gegen die Ritualmordlüge Elfte Sitzung Montag, den 8. September, abends. Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung und erteilt das Wort Herrn Slatopolsky, der in Vertretung des erkrankten HermFeldstein dessen Referat über den Kulturfonds „Kedem“ erstattet. Der Vorsitzende bemerkt hiezu : „Ich glaube im Sinne des Kongresses zu sprechen, wenn ich unsere Wünsche auf seine baldige Genesung ausspreche“. Tolkowsky spricht hebräisch. Den Vorsitz übernimmt Dr. G a s t e r. Dr. Nacht spricht hebräisch. Dr. Niemirower beginnt hebräisch und setzt deutsch fort: Geehrter Kongreß! Ich werde deutsch sprechen, weil es unbedingt notwendig ist, daß im Dienste dieser Sache auch für diejenigen, die nicht das Hebräische verstehen, deutsch gesprochen werden soll. Sogar Herr Ussischkin hat mich ersucht, deutsch zu sprechen, weil es viele Leute gibt, die nicht hebräisch verstehen. (Rufe: hebräisch.) Vorsitzender: Der Kongreß ist keine Schule, wo man hebräisch lernt Dr. Niemirower hat ebenso wie jeder Redner das Recht, eine ihm beliebige Sprache zu wählen. Dr. Niemirower: Die kulturelle Tätigkeit des Zionismus gehört zu seinen bedeutenesten Manifestationen. Wenn wir auf ökonomischem Gebiete der Privatinitiative einen freien Spielraum gewähren können, so ist es bezüglich des Kulturellen weniger der Fall. Gewiß soll es auch hier eine Privatinitiative geben. Unsere großen Lenker und Schöpfer, die nicht die ausgetretenen Bahnen gehen sollen, schaffen sich ihre eigenen Wege. Aber es ist doch die Aufgabe der zionistischen Organisation, in kultureller Beziehung eine Direktive zu geben, auf neue Werte hinzuweisen, Neues zu schaffen und Altes vor Untergang zu bewahren. Und da muß ich von vomeherein beginnen, daß es unrichtig war, wenn Herr Böhm hier im Kongresse es getadelt hat, dsß es eine besondere Organisation für die hebräische Sprache und Kultur gibt. Ich glaube, daß der Zionismus indirekt noch mehr wirkt als direkt und es ist unbedingt notwendig, daß eine derartige Organisation bestehen soll. Aber das spricht doch nicht dagegen, daß gerade von dieser Tribüne des Zionismus, von der Organisation des Zionismus neue kulturelle Organisationen geschaffen werden sollen. Darum begrüßen wir es, daß wir heute eine Reihe von Vorschlägen in dieser Richtung hören werden. Sie haben vom „Ke de m“ gehört und gerade hier von Wien aus, wo die große jungjüdische Bewegung begonnen hat, soll diese neue Institution ihren Weg nehmen. Wenn wir vorwärts schreiten wollen, so kann es nur geschehen durch kulturelle Tätigkeit, denn die Kultur ist die Seele eines Volkes; sie ist dasjenige, was unsere Vergangenheit vor Vergänglichkeit bewahrt und zugleich ein Zukunft schafft und darum müssen wir Mittel und Wege suchen, für die Kultur des Judentums einzutreten. Und da die hebräische Sprache das bedeutende Organ, die hervorragende Manifestation des jüdischen Geistes, die Sprache unserer Propheten und Sänger, die Sprache unserer Zukunft ist, muß sie auch in der Gegenwart ihren Wirkungskreis haben. (Beifall.) Es gab daher für diesen Kongreß keine bessere Einleitung, als die hebräische Konferenz. Das war die Weihe des Kongresses, und wenn mein Freund Dr. Nacht es beklagt hat, daß unsere Verhandlungen auf diesem Kongresse nicht in hebräischer Sprache begonnen haben, so verweisen wir darauf, daß gleichsam die hebräische Konferenz die Einleitung für die Eröffnung dieses Kongresses gewesen ist, daß die hebräische Sprache dort in neuer Kraft hat demonstrieren können, der ganzen Welt hat zeigen können, daß sie nicht im alten Heime der Gelehrten lebt, daß sie nicht nur ein trauriges Dasein im Textbuche der Prediger lebt, sondern jung, frei, lebendig, weltlich geworden ist. Es ist unsere Pflicht, überall für die Pflege des Hebräischen einzutreten und ich kann es als das Schönste des Kongresses betrachten, daß wir viel mehr hebräisch hören als sonst immer. Das ist der wahre Zionismus, der lebendige, der sichere der Zukunft. Ussischkin spricht hebräisch. Am Schlüsse liest der Redner deutsch folgendes vor: „Für die Gründung der Universität hat ein Herr aus Berlin, der nicht genannt werden will, 60.000 Frs. versprochen, Herr Julius Simon, Isaak Straus und seine Freunde eine Summe von 50.000 Frs., Herr Dr. Bendersky aus Kiew hat bereits 10.000 Frs., ein Herr aus Moskau, der nicht genannt werden will, 25.000 Frs., Herr Braslowsky 10.000 Frs., ein Herr aus England, dessen Namen Dr. Daiches nennen wird, 100.000 Frs. zugesagt. (Stürmischer Beifall.) Ein Herr aus Deutschland, der anonym bleiben