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Die Welt · 1913-09-09 · Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
Date
1913-09-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVIL JAHRG. WIEN, 9. September 1913 — rjnn WR!T? t 01' .iU'll Kongreß-Ausgabe V. ZEHN JAHRE MUSKELJUDENTUM Das Turn- und Sportfest auf der „Hohen Warte“ Das glanzvolle Fest der bewußtjüdischen Tumerschaft, das Sonntag auf der Hohen Warte begangen wurde und Montag in sportlichen Wettkämpfen seine Fortsetzung fand, ist beileibe kein alltägliches Ereignis. Wer das unvergleichliche Bild des Aufmarsches genoß, an dem sich 1450 Turner und Turnerinnen, Sportsleute, Pfadfinder, Jugendwanderer beteiligten, die Vertreter des jungen Muskeljudentums aus aller Herren Länder, wer den Jubel des Publikums hörte, das an die zehntausend Menschen zählte, wer diesen unvergeßlichen, von einem tiefblauen Himmel begnadeten, von Sonnenlicht durchfluteten Nachmittag miterlebte, der wird es weitertragen und weitersagen, in Ost und West, in jedem Winkel der jüdischen Diaspora: Der Zionismus hat dem jüdischen Volke eine neue starke Jugend gegeben. Mit mächtiger Stimme, die den riesiegen Platz souverän beherrschte, wies Rechtsanwalt Greifenhagen auf die in straffer Manneszucht wie angewurzelt stehenden Männer und Frauen, Jünglinge, Mädchen und Kinder hin und sagte zu den Kongreßdelegierten: „ Nimmer erlöschender Lebenswille und die Kraft des nationalen Gedankens, die uns mit Ihnen vereint, hat diese große Zahl hierhergeführt. “ Diese mächtigen Triebkräfte der jüdischen Moderne, der Lebenshunger und die große Idee mögen unsere Jugend auch weiterleiten. Vor zehn Jahren, als sich in Basel dem jüdischen Parlamente das erste Mal bewußt-jüdische Turner präsentierten, waren es nur dreißig Männer. In stillem, ungehörtem Ringen, in heiligster Arbeit, die Spott und Hohn mit adeligem- Blick von sich wies, haben die Ersten gearbeitet und gearbeitet, haben gebrochene Seelen aufgerichtet, haben schlaffe Arme gestählt, haben die Kinder des Ghetto gelehrt, die Höhenluft der Berge zu atmen und dem Echo des Waldes ihre Stimmen zu vermählen. Lawinenartig ist die Bewegung angewachsen. Gestern und vorgestern durften wir das anmutige Kräftespiel von fast 1500 gestählten jüdischen Menschenleibern bewundern, Sendlingen unserer Turnerschaft aus der ganzen Welt, die in Deutschland wie in Palästina, in Tarnopol wie in Sarajevo, in Wien wie in Konstantinopel, durch einen einheitlichen Willen erzogen wird. Angesichts dieses grandiosen Schauspieles selbstsicherer von der Liebe zu ihrem Volke beflügelter und veredelter Jugendschönheit kann man das Gefühl des Dankes für diese Jungmannschaft nicht unterdrücken. Es war eine unvergängliche Tat, als die Jünglinge und Männer der „Bilu“ hinauszogen und die verkrustete Erde des Heimatbodens gleichsam mit ihrem Blute düngten, bis sich die harten Schollen zu neuer, farbensprühender, fruchttragender Schönheit erschlossen. Man darf nicht Kleines an Großem messen, und doch: Die Pioniere des Turnens und Sporttreibens auf bewußt-jüdischer Grundlage haben Aehnliches für die Judenheit der Verstreu ung geleistet. Ihr unbeirrtes, eisernes Wirken hat in dem zermürbten Volke der Goluthländer einen Funken geschlagen, der immer heller glimmt, bis allenthalben jene Flamme aufschießen wird, deren wir noch immer harren, damit sich unser Werk zu voller Größe aufrichtet: Der Gemeindrang. An der freudigen Erregung der Abertausend Zeugen ihres Ehrentages mögen sich unsere Muskeljuden belohnt sehen und man kann ihnen nicht besser danken, als es unser Schmarjahu Lewin in bewegten Worten tat: Bei solchem Anblick beseelt uns der Wunsch, noch einmal jung zu werden. Der einzelne kann es nicht — aber ein ganzes Volk kann sich verjüngen! Das Volk wird jung, denn unsere Jungen tragen es mit starken Schultern in die Zukunft. Theodor Herzl sagte, ein Volk müsse vorerst eine Fahne haben und er gab uns eine herrliche mit dem Davidssterne geschmückte Standarte. Aber ein solches Banner wiegt schwer in den Händen und es bedarf starker Arme, die es zu schwingen vermögen. Meister, die Jugend ist da, die deine Fahne tragen kann, sie ist gestern vor deinem Grabe defiliert und sie hat sie vor dir in Glück und Liebe gesenkt. Dr. O. A.

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