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Die Welt · 1913-09-05 · Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. III DIES^ELT Ausführungen kleiner Kästen, Brieflöscher etc., in denen feine, kleine Perlmutter- und Ebenholzfiguren in poliertes Zedernholz eingelegt sind, ist man schon bis zu einer Technik der Einlegearbeit vorgeschritten, bei der das ganze Stück — ein Teller, eine Vase oder ähnliches — von plattiertem Holz wie mit Ranken durchzogen ist. Sehr schön sind auch einige der Metallarbeiten — was man mit dem einfachen Motiv des Davidssternes doch für vielfache Variationen schaffen kann! Ein besonderes Prachtstück ist ein Teller, bei dem ein kühn entworfener silberner Stern in Kupfer eingelegt ist. Schön und neu sind die kleinen Bronzeampeln mit bunten Steinen verziert, während die Schmucksachen ein wenig schwer wirken. Die Kupferarbeit der Jemeniten ist durch die feine, filigranartige Klopfarbeit kenntlich. Die Gold- und Silberfiligranarbeiten sind in reicher Auswahl vothanden und erfreuen mehr durch ihre Zierlichkeit als durch besondere Originalität der Entwürfe. Diese spricht sich dagegen wohltuend in den gemalten Seidentüchern aus den Schülerwerkstätten aus; hier finden sich feine, mit Liebe empfundene Motive aus der Bibel, in Farbtönen gehalten, wie nur die Bewohner des Bibellandes sie kennen und wiedergeben können. Auch die Gobelinarbeit weist, von einiger Unbeholfenheit in der Ausführung abgesehen, schon hübsche Einfälle auf. Das Hauptstück der im Bezalel gefertigten Arbeiten ist aber der Ein band zum neuen Goldenen Buch des Nationalf o n d s. Der Entwurf stammt von Erich Goldberg: in der Mitte des Elfenbeingrundes, mit sehr feinen Schnitzereien erhebt es sich wie eine mit Halbedelsteinen verzierte Pforte aus dunklem, getriebenem Metall, und inmitten dieser Pforte das in Gold ausgeführte Bild eines Bauern am Pfluge. Ein mit Liebe erdachtes und mit Liebe ausgeführtes Werk! Die Arbeiten der Spitzenateliers, in denen gleichfalls Sterne und Leuchter-Zeichnungen geschmackvoll verwertet sind, kommen am schönsten an einem großen Kissen zur Geltung. Auch an den Toiletten zweier geschmackvoll gekleideter Modellpuppen sind Palästina-Spitzen geschickt verwertet. Unter den Kunstblättern sind einige schöne Reproduktionen von Herzl-Porträts, Bilder von palästinensischen Landschaften und Kolonien, von der Jugend des hebräischen Gymnasiums und von interessanten Jemeniten-Typen; auch einige prachtvolle Kunstphotographien von Truppen, die inmitten einer palästinensischen Landschaft lebende Bilder nach biblischen Stoffen stellten. Die Ausstellung des Jüdischen Verlags gibt einen interessanten Ueberblick über die modernste, von Juden geschaffene, und Beiträge zum Verständnis des jüdischen Lebens liefernde Literatur. Neben Werken allgemein jüdischen Inhalts findet sich eine reiche zionistische Literatur und zahlreiche Proben der zionistischen Presse, vom Protokoll des I. Kongresses bis zum neuesten Heft des „Freistatt“! Auch hier lassen sich also interessante Entwicklungen verfolgen! Es sind lauter Anfänge erst, die wir da sehen, noch nichts Vollkommenes, aber kräftige und frische Anfänge, die wieder einmal gegen die Vorjahre künstlerisch und technisch offenbare Fortschritte verraten und uns mit Hoffnung auf eine Entwicklung jüdicher Volkskunst erfüllen. H. H. C. „Die Arbeiter-Zeitung“. .Der Wiener Arbeiter hatte gestern bei der Lektüre der „Arbeiter-Zeitung“ — sofern er sie überhaupt liest — einen köstlichen Morgen. Jeder Leser deutet den unrichtigen Titel des spaltenlangen Artikels „Der Zionisten- Kongreß in Wien“ prompt in die richtige Ueberschrift um: Die getauften und ungetauften Juden der „Arbeiter-Zeitung“ ärgern sich spaltenlang über die zionistische Bewegung und ihre gewaltige Emanation und die Arbeiter Wiens wissen: Die arischen Genossen, vor allem der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Pernerslorfer, der ihnen näher steht als Austerlitz, Bauer und Großmann, denkt über unsere große Sache anders, und der Dichter Alfons Petzold nannte just in der nämlichen „Arbeiter-Zeitung“ den Zionismus „den Sozialismus der Juden“. Sie wissen, daß die jüdischen Redakteure von der „Arbeiterzeitung“ mit Galle schreiben, wenn sie überblicken, was ihnen der „Journalist Herzl“ mit seinem Weckrufe angetan hat, daß ihnen keine Lüge zu lächerlich ist, um eine Bewegung zu begeifern, die ihnen das Leben in der — deutschen Sozialdemokratie so sauer macht. Herr Austerlitz möge sich nur über die Sprache erheitern, in der er während der Reichsratswahlen seineAgitationsplakate abfaßte, über d ie o ffizi eile Geschäftssprache großer sozialdemokratischer Organisationen, z. B. der Poale-Zion, des „Bundes“ und der „Seymisten“. Die Herren aus dem Presseghetto werden - es schon zu spüren kriegen, was es bedeutet, wenn sie, die Wortführer der national organisierten Sozialdemokratie Oesterreichs, einem ganzen Volke das Recht auf die eigene Nation absprechen. Die „Separatisten“ aller Zungen, die in der „Arbeiter-Zeitung“ ärger behandelt werden als Austerlitz im „Leichenschänderblatt“, werden es den schwarz-rot-goldenen jüdischen Genossen schon beibringen. Eines finden wir allerdings begreiflich: Daß die jüdischen Redakteure der „ Arbeiterzeitung“ Herzls Idealismus belächeln. Idealismus ist für sie ein unbrauchbarer Artikel, den sie nicht führen dürfen, weil sonst ihre Falschmeldung deklariert ist. .. . Die zionistischen Meetings. Das erste große Meeting anläßlich der Tagung unseres Parlamentes in Wien fand Mittwoch, den 3. d. M., im Sofiensaale statt. In der Zusammensetzung des zahlreichen Publikums erwies sich die propagandische Kraft des Zionistenkongresses. Es waren fast durchaus Teilnehmer erschienen, die sonst nicht Teilnehmer zionistischer Versammlungen sind. Das Mitglied des Präsidiums unseres Kongresses, Dr. Ehrlich, führte den Vorsitz. Die Referate unserer bedeutenden Gesinnungsgenossen Dr. Gronemann (Berlin), Dr. Gaster (London) und Stand (Lemberg) standen auf der Höhe. Die ausgezeichnete Stimmung im Saale wirkte auf die von den Kongreßverhandlungen ermüdeten Redner zurück und sie gaben ihr Bestes. Die drei Vorträge wurden mit großem Beifalle aufgenommen. Isidor Löwenbein. Mittwoch, den 3. September 1913, trugen die Wiener Zionisten einen treuen Gesinnungsgenossen zu Grabe. Isidor Löwenbein, der unserer Bewegung seit dem Auftreten Herzls angehörte, war einer unserer Treuesten und Aufopferndsten. Besondere Verdienste hat er sich um die jüdische Turnsache erworben. In den Tagen, da der politische Zionismus in der Stadt seinen Kongreß abhält, in der Löwenbein so unablässig für die große Sache wirkte, mußte er sterben . . . Am offenen Grabe hielt Dr. Georg Weiner namens der Zionisten Österreichs einen wannen Nachruf. Für die verwaiste Turnerschaft dankte dem Toten Herr Lamberg. Auch von der Kongreßtribüne wurden dem Verblichenen Worte des Gedenkens gewidmet. Schluß des redaktionellen Teiles.

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