Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Nr. III - -D1ESEELT - Sitzungen der Landsmannschaften und Sonderverbände. Misrachi Um 5 Uhr eröffnet Herr Referendar Möller aus Altona in Vertretung des erkrankten Herrn Dr. Ludwig Frank den Delegiertentag. Nachdem er die Anwesenden im allgemeinen willkommen geheißen hatte, begrüßte er insbesondere die Herren Rabbiner: den Altmeister der misrachistischen Föderation, Herrn Reines, den Vertreter des orientalischen Judentums, Herrn Oberrabbiner Jakob Meir aus Saloniki, den Vertreter unserer amerikanischen Gesinnungsgenossen, Herrn Prof. Schecliter, und den berühmten Dichter, Herrn Bialik, welche Begrüßungen mit stürmischen Akklamationen entgegengenommen wurden. Prof. Schecliter begrüßte in hebräischer Sprache die Delegierten. Sodann erteilte der Vorsitzende das Wort dem Mitglied des E. A. C., Herrn Dr. Schemarja Lewin: „Ich war im .Lande* viele Male und ich kenne genau, was wir haben und was uns fehlt. Ich sah die Schulen derjenigen, die Ihr Freisinnige nennt, sah, wie sie für die Jugend im Lande soryen. Meine Herren! Segnen würde ich die Stunde, wo ich auch den Misrachi im Lande arbeiten sähe. Leider ist es bisher nicht möglich gewesen. An Euch liegt die Pflicht, Schulen zu begründen im Geiste des Misrachi.“ Nachdem Herr Lewin die heutigen Zustande, insbesondere das Schulwesen im Hl. Lande beklagt, schließt er: „Ich begrüße Sie nochmals und wünsche Ihnen fruchtbare Arbeit.“ (Beifall.) Der Vorsitzende dankt Herrn Lewin für seine Ausführungen, indem er entgegnet, daß Herr Lewin versichert sein kann, daß sich der Misrachi wie bisher die Begründung von Schulen und Landankauf angelegen sein lassen wird, aber der Unterstützung aller Zionisten bedarf. Oberrabbiner Jakob Meir (Saloniki) begrüßte die Anwesenden aufs herzlichste. Herr Rabbiner Fischmann sprach im Namen der palästinensischen Misrachisten. In das Bureau wurden gewählt: Oberrabbiner Reines, Ehrenpräsident; Herrman Struck, Präsident; W o 1 f f (Antwerpen), zweiter Vorsitzender; Rabbiner Kramer, Vizepräsident; Is. Austerlitz, Hochmann. Graus, Referendar Möller, Beisitzende; Dr. Nacht (Berlin), Schriftführer. Deutsche Landsmannschaft In der zweiten Sitzung, am Dienstag, den 2. September, wurden zunächst die Herren Leopold Landau, RA. Victor und Dr. IsakStraus in das Präsidium gewählt. Herr Dr. Halpern berichtete, daß das Zentralkomitee mit einer kleinen Mehrheit beschlossen habe, Herrn Dr. Tschlenow zum Kongreßpräsidenten zu wählen. Es entspann sich hierüber eine eingehende Debatte. Auf Grund derselben wurde auf Antrag von Herrn Motzkin angenommen, dem Zentralkomitee den Wunsch zu unterbreiten, die Herren David Wolffsohn und Dr. Tschlenow als gleichberechtigte Präsidenten zu wählen. Galizische Landsmannschaft. Sonntag, am 31. August d. J„ trat das Zentralkomitee der Zionisten Galiziens zu einer Sitzung im Beethovensaal zusammen. Um 5 Lhr tagte die Sitzung der galizischen Landsmannschaft, die 55 Delegierte zählt Zum Vorsitzenden wurde Stand, zu Stellvertretern Dr. Ringel, Dr. Thon, zu Schriftführern Dr Geyer und Herrisch gewählt. Die allgemeine Diskussion über die Kongreßfragen wurde von Dr. Hausmann mit einem ausführlichen Referate eingeleitet, in dem er die Fragen der bisherigen Tätigkeit des A. C., der Finanzinstitute, des Nationalfonds, der politischen, palästinensischen und kulturellen Arbeit ausführlich besprochen hat. In der Diskussion, die Sonntag, Montag und Dienstag vormittags geführt wurde und an der sich Frostig, Dr. Waldtnann, Di. Rosmarin, Bornstein, Horwitz, Wechsler, Dr. Pölz er, Dr. Rosenkranz beteiligten, wurden die wichtigsten Angelegenheiten berührt und speziell die Stellung zum abtretenden b. A. C erwogen. Bukowinaer Landsmannschaft. Die aus den Bukowinaer Kongreßdelegierten gebildete Landsmannschaft hielt'ihre erste Vorberatung ab. Die Konstituierung ergab die Wald des Herrn Dr. Mayer Ebner (Czernowitz) zum Obmann, des Herrn Dr. Josef B i e r e r (Radautz) zum Obmannstellvertreter, des Herr Dr. Simon Holdengräber (Suczawal zum Schriftführer. In den Permanenzausschuß wurde der Herr Delegierte Dr Josef Bieter (Czernowitz) entsand'. Weiters wird für die Bukowina als Mitglied des Hochschulausschusses Dr. Josef Bie rer, als Mitglied der Kulturkommission Fräulein Klara Klinget, und als Mitglied der Palästinakommission Dr. Markus Krämer nominiert werden. Es wurde schließlich nach Beratung anderer Parteifragen einhellig beschlossen, der abtretenden Leitung das Vertrauensvotum auszudrücken. Die rumänische Landsmannschaft Die rumänische Landsmannschaft hielt unter Präsidium des Herrn H. Schein einige Sitzungen ab. Die Herren Dr. I. Niemirower und H. Schein wurden in den Permanenzausschuß delegiert. Nach einer lebhaften Debatte, an der die Delegierten Grünbeig, Jisu, Reischer, Schein und Dr. Niemirower teilnahmen, wurde beschlossen, der gegenwärtigen Leitung das Vertrauen auszusprechen. RUND UM DEN KONGRESS Während im großen Verhandlungssaal über die künftig in Palästina zu leistende Arbeit diskutiert wird, beherbergt ein benachbarter Saal des Musikvereinsgebäudes die stummen Zeugen von dem Leben und Streben, das sich schon heute in Palästina regt. Wer Leute kennt, die am praktischen Wert unseres palästinensischen Werkes zweifeln, der möge sie in diesen Ausstellungssaal führen. Wir bilden uns nicht ein, daß die Ausstellungsgegenstände, die uns aus Erez Israel geschickt wurden, bereits vollendete Kunstwerke sind; daß man aber heute überhaupt schon Kunsterzeugnisse zu uns herüber schicken kann, deren Anblick auch dem verwöhntesten europäischen Geschmack wohltut, ist merkwürdig genug. Was aber noch mehr ist: während allenthalben im Golus Juden das jüdische Volk für tot erklären und höchstens noch den Begriff der „Staatsbürger jüdischen Glaubens“ gelten lassen, keimt da drüben in Palästina etwas, das unverkennbare Merkmale einer jüdischen Volkskunst trägt. Nun erkläre ein Mensch, wie aus einem Volke, das nicht mehr existiert, eine Volkskunst erblühen kann! „Wir haben aufgeklärt, und dennoch spukt's im Tegel!“ — Die Ausstellungen sind gemeinsam veranstaltet vom Jüdischen Nationalfonds, dem Beza lei, den Spitzenschulen des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und dem Jüdischen Verlag. Dazu kommen die vom Verlag der Jüdischen Zeitung herausgegebenen schönen Kunstblätter: „Palästina im Bild“. Heber die Ausstellung des Jüdischen Nationalfonds, vom Tisch, an dem Herzl seinen „Judenstaat“ schrieb, bis zur neuesten Palästina-Marke, ist an andrer Stelle gesprochen worden. Die Heberzeugung vom Erwachen der „jüdischen Kunst“ geben uns vor allem die Schöpfungen des Bezalel. Da ist das uns wohlbekannte Genre von Teppichen, in denen hebräische Buchstaben zu originellen Arabesken verarbeitet wurden, in denen stilisierte Leuchter und Mogn Davids wirkungsvolle Effekte ergeben. Ein besonders schöner Teppich in mattem Goldgelb und leuchtendem Grau gehalten — Töne, die durch einen palästinensischen Morgennebel schimmern mögen. Eine Entwicklungsgeschichte des Bezalel ist aus den Holzarbeiten herauszulesen: von den ersten, wohlbekannten