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Die Welt · 1913-09-05 · Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE WELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. yGp ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV1L JAHRQ. WIEN, 5. September 1913 — ybx Tb': Dl’ .SJ’ll Kongreß-Aasgabe III. Generaldebatte — Zweiter Tag Angriffe gegen die Leitung — Wahl von Generalrednern Am zweiten Tage der Generaldebatte kam die Opposition in mehreren ihrer Hauptführer zu Wort. Nicht ganz zu dieser Richtung kann man den ersten Redner, Herrn Chasanowitz, rechnen, der den Poalei-Zion angehört und wohl viele Einwände gegen die Arbeit der Leitung zu machen hatte, aber im ganzen doch eine gewisse Anerkennung für die Tätigkeit des jetzigen Aktionskomitees, besonders in Palästina, übrig hatte. Dagegen kam nach einer temperamentvollen Verteidigung, mit der Richard Lichtheim einige Angriffe auf die „Welt“ zurückgewiesen hatte, der Oppositionelle schärfster Observanz, Jean Fischer, zu Wort, der sich und seinen engeren Gesinnungsgenossen einen Ruhm daraus machte, nichts gelernt und nichts vergessen zu haben. Doktor Leon Reich sprach im Sinne der Leitung, und Oberrabbiner Dr. Gaster beschloß die Vormittagsitzung mit einer eindringlichen Mahnung an den Kongreß. Am Nachmittag kam dann die große Generaldebatte, an die wir von unseren früheren Kongressen her leider schon so gewöhnt sind, daß uns die parlamentarische Anomalie kaum mehr stört. Und doch ließe sich durch Annahme einer entsprechenden Geschäftsordnungsbestimmung — die der X. Kongreß leider mit geringer Mehrheit abgelehnt hat — den Mißbräuchen leicht steuern, zu denen der gestrige Usus direkt herausfordert. Es begann also die Generaldebatte der Generalredner, und die richtige „Kongreßstimmung“ fand sich rasch ein, jene schwer in Worten zu charakterisierende Gemütsverfassung, die teils Begeisterung, teils Kampflust ist, die Gesinnungsgenossen für Stunden und Tage zu heftigen Gegnern macht, die einander weit weniger sanft behandeln, als die meisten unsere schärfsten jüdischen Feinde anzufassen pflegen. Den Anfang machte Aronowitsch von der palästinensischen Arbeiterpartei HapoSl Hazair, der das E. A. C. aufforderte, die Leitung nur dann wieder zu übernehmen, wenn ihr auch die Finanzinstitute übergeben würden. Herrn Syrkin, dem zweiten Generalredner ist die Bewegung und besonders der Nationalfonds zu „merkantil“ geworden, und wir werden also in Zukunft, um ihm gerecht zu werden, dem Nationalfonds Ideen statt des Geldes spenden müssen. Dr. Tschlenow erklärte als dritter Generalredner seine Freude, jetzt für die Leitung sprechen zu können, die viele Beschlüsse früherer Kongresse erst zur Durchführung gebracht habe. Die Sitzung schloß mit einer Rede David Wolffsohns, des früheren Präsidenten des A. C. und jetzigen Kongreßpräsidenten, der die schärfsten Angriffe gegen das E. A. C. richtete und erklärte, nicht für die Entlastung dieses Aktionskomitees stimmen zu können. Wolffsohn drückte den Männern des gegenwärtigen E. A. C. sein weitgehendes Mißtrauen in allen finanziellen Angelegenheiten aus und drohte unverhohlen mit dem Rücktritt seiner Freunde von der Leitung der Finanzinstitute, wenn den Anträgen des Aktionskomitees entsprochen würde. Die Kampfansage Wolffsohns wird natürlich in der Fortsetzung der Generaldebatte, in der noch Motzkin und Weizmann sprechen werden, ihr Echo finden, und wer etwa auf ein gütlich vereinbartes Kompromiß rechnete, weiß nun, daß wieder einmal Kampf die Losung ist. In einer Partei, für die gemeinsame Idee können gegen den gemeinsamen Gegner zwei verschiedene Richtungen sehr wohl arbeiten, und das sollen sie natürlich. Aber maßgebend sein kann schließlich nur eine Richtung. Sonst wird der Karren nach vom und nach hinten gleichzeitig gezogen — der XI. Kongreß hat die Entscheidung, welche Zugkraft er abspannen will. Vierte Sitzung Mittwoch, am Vormittag des 4. September Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags: Präsident Wolffsohn: Ich eröffne die Sitzung. Es sind hier wieder Beschwerden eingelaufen, wegen der Verteilung der Plätze. Es haben insbesondere die auswärtigen, überseeischen Landsmannschaften, Amerikaner, Kanadier und die andern, die der deutschen Sprache nicht ganz mächtig sind, sich darüber beschwert, daß sie als Gäste ganz hinten sitzen müssen, während die Inländer, die Europäer, die besten Plätze vorne eingenommen haben. Ich finde das auch unrecht, leider liegt es momentan aber nicht in meiner Macht, eine Aenderung zu schaffen. Wir wollen aber Nachmittag das möglichste für eine Remedur in der Richtung tun, daß jede Landsmannschaft auch einige Plätze vorne erhalte. Ich erteile nunmehr das Wort Herrn Chasanowitz. Chasanowitz: Geehrter Kongreß! Der Bericht über die Tätigkeit des A.C. ist meiner Ansicht nach solange nicht vollständig, als uns nicht auch ein Bericht über die Arbeit des Palästinaamtes und der anderen Institutionen vorliegt, welche direkt der Aufsicht des A. C. unterstehen. Dieser Bericht ist notwendig für diejenigen, welche ein allgemeines Urteil über die Tätigkeit des A. C. abgeben sollen und ich glaube, daß wir unser Vertrauensvotum für das A. C. erst dann aussprechen können, wenn uns dieser Bericht vorliegt und wir ihn prüfen können. Die Arbeit des A. C. besteht aus zwei Teilen: Aus der Arbeit i n Palästina und aus der Arbeit f ü r Palästina. Was Palästina anbelangt, so können wir zu unserer Freude feststellen, daß die Arbeit dort besser gewesen ist, als in den

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