Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe I (3.9.1913)
- Date
- 1913-09-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. I 13 DIBBELT USS1SCHK1N (Ztt seinem 50. Geburtstage — 1. Elul 5673) Der erste Tag des elften Zionisten - Kongresses fällt mit einem schönen Gedenktag zusammen. Der Tag, an dem die Vertreter des nationalen, zukunftsfrohen Judentums zum elften Male zusammentreten, um über die Wege und die Erfordernisse der Bewegung zur jüdischen Wiedergeburt zu beraten, bedeutet für einen unserer Besten und Größten eine wichtige Etappe des Lebens. Ussischkin, der Mann, dessen Name, wie selten einer, ein Programm bedeutet, begeht am Mittwoch, den 1. Elul, seinen fünfzigsten Geburtstag, unter Umständen, die seinen reichbewegten und schaffensfreudigen Lebensweg treffend symbolisieren: in Wien, auf dem Kongreß, mitten in der machtvollen Kundgebung des zionistischen Gedankens und der zionistischen Tat, im Kreise zahlreicher Freunde und Mitstreiter, von denen manche seit einem Menschenalter an seiner Seite für die große Volkssache kämpfen. Die zionistische Tätigkeit Ussischkins schildern, hieße den Werdegang und die Entwicklung der Bewegung von der ersten Stunde an in allen ihren Phasen verfolgen. Denn Ussischkin gehört zu den markantesten Typen der neuen aktiven Juden. Seitdem die historische Volkssehnsucht nach der „Erlösung“ moderne Formen als zielbewußtes Streben nach nationaler und politischer Wiedergeburt angen:mmen hat, steht Ussischkin unbeirrt auf den exponiertesten Posten der Bewegung. Es wird sich daher verlohnen, in einer der nächsten Nummern unseres Blattes auf die Bedeutung und die Leistungen Ussischkins im Zusammenhang mit der Entwicklung der Bewegung des Näheren einzugehen. Hier aber sollen nur die wichtigsten Momente und die charakteristischsten Züge seines Lebensganges kurz angedeutet werden. Geboren am 1. Elul 5623 (1868) in der Stadt Dubrowno, Gouvernement Mohilew, wuchs Ussischkin in den Traditionen eines lamdonisch-ehassidischen Hauses sogenannter chabbadischer Richtung auf. Mit fünf Jahren trat er in den Cheder ein, wo er Bibelunterricht und später auch Anfangsunterricht im Talmud genoß. Als er acht Jahre alt war, übersiedelten seine Eltern nach Moskau, wo er weitere fünf Jahre den traditionellen Cheder besuchte. Erst im Jahre 1876 bezog der dreizehnjährige Ussischkin die Realschule, setzte aber seine hebräischen und talmudischen Studien unter der hingebungsvollen Leitung seines lithauischen Lehrers, eines begeisterten Anhängers der neuhebräischen Literatur, fleißig fort. So wurde der nachmalige Vorkämpfer der nationalen Bewegung in lebendigem Kontakt mit dem nationalen Judentum erzogen. Als es im Frühling 1881 innerhalb des russischen Judentums zur Revolution der Geister kam, war Ussischkin für seine Aufgabe innerlich bereits vorbereitet. Pinsker und Lilienblum fanden in ihm einen feurigen Apostel, der von nun ab die ganze Kraft und Energie seiner reichen Persönlichkeit in den Dienst der „Autoemanzipation“ und der „Wiedergeburt des jüdischen Volkes im Lande seiner Väter“ stellte. Die Moskauer Ortsgruppe der „Bilu“, ebenso auch der Moskauer Chowewe-Zion-Vere i n, einer der ersten und bedeutendsten Vereine dieser Art — das war das erste Arbeitsfeld Ussischkins, wo er sehr bald dank seiner seltenen Willens- und Arbeitskraft eine führende Stellung einnahm. Aus der Moskauer BilugTuppe entwickelten sich nach kurzer Zeit die nachmals historisch gewordenen „Bne-Zion“, die auf die theoretische Vertiefung der nationalen Probleme besonderes Gewicht legten. Auch hier zählte Ussischkin zu den tätigsten und einflußreichsten Mitgliedern. Ussischkin, der Mann der Tat, hatte immer Sinn und Verständnis für theoretische Probleme. Seine Vorliebe für das theoretisch - ideelle Moment führte ihn auch später in die Reihen der „B n e- Moschd“, jenes von A c h a d H a a m gegrünpraktisch Ordens, organisatorische Form des geistig -kulturellen Zionismus darstellen sollte. Sehr bald trat Ussischkin in seiner öffentlichen Tätigkeit vor ein erweitertes Forum. Es war dies anläßlich der denkwürdigen Drusgeniker - Konferenz der Chowewe-Zion (Juni 1887), wo Ussischkin sich bereits als ebenso temperamentvoller, wie praktisch gerichteter Wortführer der aufstrebenden Elemente hervortat. In die Moskauer Zeit fällt auch der Beginn der publizistischen Tätigkeit Ussischkins. Seit 1887 veröffentlichte er ab und zu im „Hameliz“, dem damaligen Organ der nationalen Intelligenz, Artikel über verschiedene Tagesfragen der Bewegung. Er schrieb auch bisweilen in Birnbaums „Selbstemanzipation“ und im Loewe-Bambus’schen „Zion“. Diese Artikel atmen echt Ussischkinschen Geist. Sie sind frei. von aller gemachten Schriftstellerei, immer sachlich kurz, klar und bündig. Die eigentliche öffentliche Tätigkeit Ussischkins in der organisierten Bewegung beginnt indes erst im Jahre 1890, wie man denn von einer organisierten Bewegung überhaupt erst von jener Zeit an sprechen kann. Die einzelnen und vereinzelten Chowewe - Zion-Vereine waren recht unzulängliche Organisationsformen und erst Menachem Ussischkin