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Die Welt · 1913-08-29 · 35 (29.8.1913) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 24)
Language
German
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1148 Nr. 35 DIE1§KELT eine großangelegte Gedächtnisfeier. Dem vorbereitenden Komitee gehörten auf Einladung des zionistischen „Comite Central“ Vertreter folgender Vereine an: Esra, Bikur Choilim, Chewra Kadischa, Talmud-Thora „Viamonte", Talmud-Thora „Dr. Herzl“, Talmud-Thora Flores“, Talmud-Thora „Max Nordau“, Biblioteca „Dr. Herzl“, Dorsche Zion, Tifereth Zion, Juventud israelita, Centro estudiantil hebreo, Union israelita, Jüdische Jugend, Bora-Barracas. Die Beteiligung an der Feier war eine überaus starke. Mehr als tausend Personen füllten den großen Saal und die Galerien. Kantor C h i d e k e 1 trug in Begleitung eines Knabenchors das „El mole rachamim“ vor. Darauf sprachen der erste Vorsitzende des Comite Central, J. Joselevich, das Mitglied des C. C., Herr N. Gesang, und Gesinnungsgenosse M. Rubin jüdisch, ferner Dr. N i s e ns o n spanisch. Etwa 90 Oelbäume für den Herzlwald waren der unmittelbare Erfolg des Abends. Außerdem sind mehrere größere Spenden für die jüdische Universität in Palästina gezeichnet worden, falls aer Kongreß die Errichtung einer solchen beschließen sollte. — . Aut Veranlassung des „Comite Central“ haben auch in den Provinzen zahlreiche Herzl-Feiem stattgefunden. — In den Tagen vom 6.—8. September soll hier die erste zionistische Landeskonferenz zusammentreten, von der wir viel für die Organisation und die Neuhelebung des argentinischen Zionismus erhoffen. f M LITERARISCHE RUNDSCHAU (Nf <!=ä*P ry [\ __i) Znpyn rrrn. „Und das Krumme soll eben werden . . Erzählung von Sch. J. Agnon. Jaffa, Verlag J. Ch. Brenner (Hebräisch). Dieses kleine Büchlein dürfte in der hebräischen literarischen Produktion unserer Tage eine ganz eigenartige Stellung einnehmen. Wüßte ich nicht, daß sein Verfasser ein junger galizischer Jude ist — ich hätte keinen Moment daran gezweifelt, daß es von einem gläubigen Juden der alten Generation zur Erbauung anderer niedergeschrieben worden sei und dem sündigen, leichtfertigen Geschlecht von heute vorgelegt, auf daß es sehe, wie wunderbar Gottes Wege sind ... So sicher hat der Verfasser den Ton versunkener Tage getroffen. Weiß man aber, daß die Naivetät dieser Erzählungsweise eine bewußte ist, dann muß man sie noch mehr bewundern. In köstlicher Weise, mit episch-breiter Behaglichkeit, erzählt uns Agnon: „Es war ein Mann, mit Namen Menasche Chajim, von den Bewohnern der heiligen Gemeinde B u c za cz; der kam um sein Vermögen. Und die Armut — Gott hüte uns vor ihr! — ließ ihn sündigen wider den Willen seines Schöpfers und er verunglimpfte den Namen Israels, und ward verworfen, verstoßen, hin- und hergetrieben. Aber er verging sich nicht gegen das Leben anderer und erwarb sich so doch noch Namen und Erinnerung. Wie dies Buch hier ausführlich erzählt. Und von ihm und seinesgleichen sagt der Vers: „Dann werden sie wettmachen ihre Sünden. Was erklärt wird: sie büßen ihre Sünden durch ihre Leiden . . . .“ So ungefähr lautet der Untertitel des Buches, der einen Begriff geben mag von Agnons Erzählungsart. Wie der Verfasser eine Geschichte in die andere schiebt, wie er immer wieder den Faden der Erzählung verläßt, um breit ausholend über das Erzählte nachzudenken und sittliche Betrachtungen anzustellen, wie er keine Gelegenheit versäumt, erbauliche Zitate aus Talmund und Midrasch, Sohar und den chassidischen Schriften anzuführen, wie er Geschichten vom Kosnitzer Maggid oder von Reb „Pinchasl“ aus Koritz einfügt, wie in köstlicher Weise sein zum Bettler herabgesunkener Menasche Chajim am fremden Tische den Hausherrn durch einen ausführlich erzählten gelehrten Vortrag erheitert, um den Wert und die Verdienstlichkeit der Gastfreundschaft zu beweisen — all das ist entzückend gemacht. Zudem handhabt Agnon in virtuoser Weise den hebräischen Stil der guten alten Zeit mit all seinen tausend Anspielungen, Kürzungen und gelehrten Finessen. Das Buch ist so sehr jüdisch, daß es mir schlechthin unübersetzbar scheint. Das ist schade — und ist doch wieder gut. Prag. Dr. Hugo Bergmann. John Spargo: Karl Marx, sein Leben und Werk. Autorisierte deutsche Ausgabe. Leipzig 1912, Verlag Felix Meiner. Eine Biographie von Karl Marx ist auch für uns von Interesse; nicht nur darum, weil Marx selber Jude war und als solcher noch immer geschmäht oder erhoben wird, sondern auch darum, weil die sozialistische Bewegung ungemein häufig mit der zionistischen verglichen wird. Ueber das Judentum Marx’, dessen Vater, einem Rabbinergeschlecht entstammend, noch selbst zum Rabbiner bestimmt war, spricht das erste Kapitel des vorliegenden Buches; entgegen der Darstellung des bekannten Sozialisten Liebknecht, daß Marx die Beleidigung seiner Rasse, auf die er so stolz war, und die Nötigung seiner Eltern zum Uebertritt bitter empfunden habe, Und „sein ganzes Leben die Antwort und die Revanche“ dafür gewesen sei, meint Spargo vielmehr, Karl sei seinen Eltern fast dankbar gewesen, daß sie ihn „vom Joch des Judentums“ befreit haben. Unzweifelhaft ist in Marx’ Persönlichkeit das jüdische Temperament sehr stark und in seiner ganzen widerspruchsvollen Eigenart ausgeprägt; die Einzelheiten seines Lebens, die diese Biographie schildert, beweisen das in vielfacher Weise, so gewagt es natürlich auch wäre, einzelne Charakterzüge als „jüdisch“ hinzustellen. In die revolutionäre Bewegung hat Marx eher ein besonnenes Element gebracht, er hat stets einen nüchternen Wirklichkeitssinn bewahrt und ist z. B. den leidenschaftlichen Plänen des enthusiastischen Georg Herwegh mit überlegener Klugheit entgegengetreten, ebenso wie den verschiedenen anarchistischen Richtungen, wobei er z. B. im Kampf gegen Michael Bakunin in der Wahl der Mittel recht skrupellos war. Die großartige Konzeption der materialistischen Geschichtsauffassung, die die theoretische Grundlage des Marxismus bildet, hat durch die Aufnahme des Evolutionsgedankens diesen Sozialismus seines revolutionären Charakters entkleidet, was jüngst ein uns nahestehender Denker, Gustav Landauer, in seinem herzerfreuenden „Aufruf zum Sozialismus“ (Berlin 1911, Verlag des Sozialistischen Bundes) gezeigt hat. Wenn wir daher den Zionismus zum Sozialismus in Parallele setzen, um die „Gesetze einer Bewegung“ abzuleiten, dürfen wir nicht übersehen, daß der Zionismus nicht in erster Linie eine Parteisache, sondern in weit höherem Maße eine das Leben des einzelnen revolutionierende Forderung, eine Sache des Willens, und sonach im tiefsten Sinn ein persönliches Problem ist. — Die Lektüre dieses Buches, das viel informatives Material zur Entstehungsgeschichte der modernen sozialistischen Bewegung enthält (auch auf die vielen Porträts sei als willkommene Beigabe hingewiesen), ist anregend und von Nutzen. Prag. Robert Weitsch. „Unsere Stellung in der Welt.“ Unter diesem Titel erschien im Verlage des „Zentralverbandes der galizischen Toynbehallen in Lemberg" die erste Nummer der „Toynbehalle-Bibliothek“. Die Broschüre ist von Dr. Osias Thon in jüdischer Sprache geschrieben und beschäftigt sich mit der ökonomischen, politischen und sozialen Lage der Juden in der Welt. — Die Broschüre ist populär gehalten und gibt ein allgemeines Bild der jetzigen Lage der Juden in allen Ländern. — In sämtlichen Angelegenheiten, welche die „Toynbeehalle-Bibliothek“ betreffen, wolle man sich wenden an: Adv.-Kand. Israel Taubes, Lemberg, Szajnochagasse 3. Schluß des redaktionellen Teiles

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