Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 35 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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1147 Nr. 35 DIE3§gELT Lokalkomitees einberufene Volksversammlung zwecks Stellungnahme zu den Fragen des XI. Kongresses statt. Der Versammlung präsidierte Herr Dr. H. Suümann und als Redner fungierten außer dem Schriftsteller Adler aus Jaffa die in der Versammlung anwesenden fünf Kongreßdelegierten. Delegierter Dr. Anselm H a 1 p e r n sprach der Uebersiedlung der kapitalskräftigen Zionisten nach Palästina und der Investierung ihrer Kapitalien in palästinensischen Werten das Wort. Die nächsten Redner, Dr. Samuel Schur und Dr. Herz Ha Ipern befaßten sich u. a. mit den Fragen der Bank, des Nationalfonds und der Universität. Bedeutsam waren die Ausführungen des Distriktskommissärs Meier H e n i s c h. Er sprach über das Wesen des politischen und praktischen Zionismus, aus denen sich die gegenwärtige Synthese herausgebildet habe. Er berührte ferner die Fragen der Banken und des Nationalfonds und kritisierte auf Grund von Ziffern die Verwaltung der ersteren. In bezug auf die Errichtung einer besonderen Nationalfonds-Sammelstelle für Galizien sprach der Redner seine ernsten Bedenken aus. Nach dem Scnlußworte des Vorsitzenden gelangte die von Herrn H e n i s c h vorgeschlagene Vertrauenskundgebung für die gegenwärtige Leitung zur einstimmigen Annahme. Es wurde überdies eine Resolution angenommen, wonach für die zukünftige Parteileitung der entscheidende Einfluß auf sämtliche Finanzinstitute der Partei verlangt wird. Nach Schluß der Versammlung wurde für zionistische Zwecke gesammelt. Gurahumora. Am 3. August fand der Gründungskommers der jüd.-akad. Ferial-Veromdung „Libanonia" statt. Die Gründung dieser Verbindung im Süden der Bukowina wurde nicht nur von der Studentenschaft, sondern auch von der jüdischen Bürgerschaft in Gurahumora lebhaft begrüßt. Auf dem Kommers waren u. a. erschienen: als Vertreter der Gemeinde Vizebürgermeister Schieber und die Vertreter der jüdischen Studentenverbindungen Emunah, Hasmonaea, 1 v r i a (Wien), Jordania(\v ien), Mensa judaica (Wien), Tikwah (Suczawa) und. Zephirah. Die Festrede hielt Herr Schöhner. Ungarn Ein Legat für den Jüdischen Nationalfonds (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Die zionistische Bewegung in Ungarn hat durch das am 8. d. M. erfolgte Ableben des Herrn Dr. Albert S i k 1 ö s i in Bares einen großen Verlust erlitten. Der Verblichene nahm eine angesehene soziale Stellung ein, war Arzt der königl. ung. Staatseisenbahnen und der k. k. priv. Donau-Dampfschitffahrtsgeseüschaft, sowie Mitglied des Munizipalausschusses des Komitats Somogy. Jüdische und speziell zionistische Institutionen verlieren in ihm einen freigebigen Förderer, ln seinem Testament bestimmte er für jüdische Wohlfahrtszwecke 30 000 Kronen, hiervon 10 000 Kr. für den Jüdischen Nationalfonds. Während der Lebenszeit seiner Witwe und seiner Schwester fallen die Zinsen des Legates diesen zu. Ehre seinem Andenken! Rumänien Braila. Die hiesigen Gesinnungsgenossen haben sogleich nach dem Friedensschluß die während der Mobilisierung im ganzen Lande unterbrochene Propagandatätigkeit mit erhöhtem Eifer wieder aufgenommen. Am Vorabend des 9- Ab hielten wir in der hiesigen Synagoge eine große zionistische Versammlung ab, bei der wir das Vergnügen hatten, Herrn Schein aus G a 1 a t z begrüßen zu können. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn Schein sprach der Vizepräsident unseres Cercul Zionist „Israe 1“, Herr Albert Wechsler, über die Bedeutung des Tages und forderte die Versammelten zur Beitragsleistung für die zionistischen Institutionen auf. Herr S. Bleicher wies in längerer Rede nach, daß die zionistischen Bestrebungen mit der Anhänglichkeit der rumänischen Juden an ihr Geburtsland wohl vereinbar seien und daß die von gewisser jüdischer Seite in dieser Hinsicht gegen die rumänischen Zionisten erhobenen Beschuldigungen gänzlich unbegründet sind. Der unmittelbare Erfolg dieser überaus wirkungsvollen Versammlung war eine größere Stiftung des Herrn Salomon Rosenblatt aus Braila, die sich aus folgenden Einzelbeträgen zusammensetzt: Lei 547.50 für 73 Oelbäume anläßlich des 73. Geburtstages des Spenders; Lei 500.— zu seiner und seiner Gattin Eintragung ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds; Lei 200.— für den Bezalel und drei Aktien des J. C. T. für den Jüdischen Nationalfonds. Belgien Antwerpen. Die hiesigen Zionisten sind durch das Hinscheiden zweier treuer und hingebungsvoller Gesinnungsgenossen in tiefe Trauer versetzt worden. Am 5. Juli d. Js. starb in Hannover im Alter von 4S Jahren Herr Ludwig M e r 1 ä n d e r. Wir verlieren in ihm einen unserer führenden Männer und den glänzendsten zionistischen Redner Antwerpens. Deutscher Jude von Geburt und durch Erziehung völlig assimiliert, hat er sich schließlich zur national-jüdischen Erkenntnis durchgerungen. Er war einer der Zurückgekehrten, die so außerordentlich wertvoll für die Bewegung sind. Er verfügte über ein ausgebreitetes, vielseitiges Wissen, und es ist typisches Judenschicksal, das aus diesem geborenen Dozenten einen Kaufmann machte. Mit seiner Broschüre gegen die „Ito" hat er sich einen Platz in der Geschichte des Zionismus erworben. Mit wunderbarem Verständnis paßte sich dieser westlichste der westlichsten Juden dem Antwerpener Emigrantenkreis polnisch-russisch-türkischer Juden an. Den Antwerpener Gesinnungsgenossen werden seine geistreichen populär-wissenschaftlichen Vorträge über Kunst und Kultur unvergeßlich bleiben. Dem Hamburger Kongreß hat er als Delegierter beigewohnt. Einen weiteren empfindlichen Verlust haben die Antwerpener Gesinnungsgenossen durch den Heimgang des Herrn Abraham T olkowsky erlitten. Der Verstoroene war einer der Begründer des ersten Zionistenvereins in Antwerpen „Agudatn Zion" und ihrer Bibliothek, und war das Haupt der beannten Zionisten-Familie Tolkowsky. Es zeugt von dem echten national-jüdischen Geist, der in seinem Hause waltete, daß sein Enkel, Herr Semy Tolkowsky, seinen Wohnsitz und Wirkungskreis nach Palästina verlegt hat. Herr A. Tolkowsky hat ein Alter von 71 Jahren erreicht. Auch allen jüdisch-philanthropischen Instituten Antwerpens ist er stets ein warmherziger Helfer gewesen. Tunesien (Von unserem Berichterstatter.) Tunis. Im Jahre 1910 wurde hier der erste zionistische Verein des Landes unter dem Namen „Agoudath Sion" begründet. Der Verein wurde im Januar 1911 von den tunesischen Regierungsbehörden genehmigt und zählt gegenwärtig über 400 Mitglieder, die sich meist aus den Kreisen des jüdischen Kleinbürgertums rekrutieren. Im Dezember 1912 wurde ein weiterer zionistischer Verein in B e j a ins Leben gerufen, dem jetzt über 90 Mitglieder angehören. Ein zionistischer Verein von 100 Mitgliedern ist vor kurzem in Sfax gegründet worden. Ferner ist je eine zionistische Ortsgruppe in S o u s s e und in Z a r z i s im Entstehen begriffen. Die Zahl der Schekelzahler in Tunesien betrug im Jahre 1911 3S0, im Jahre 1912 657 und ist in diesem Jahre auf 920 gestiegen. Auf dem bevorstehenden Wiener Kongreß werden die tunesischen Zionisten durch die Herren Dr. Nahum Slousch, Dozent der hebräischen Sprache und Literatur an der Pariser Sorbonne, und M. E. Torczyner aus Wien vertreten sein, die den hiesigen Gesinnungsgenossen persönlich bekannt sind. Dr. Slousch weilte in einer wissenschaftlichen Angelegenheit wiederholt in Tunesien; er zählt zu den besten Kennern der Geschichte und der gegenwärtigen Lage der nordafrikanischen Judenheit. Auch Herr Torczyner befand sich einigemal hier und hielt im Juni d. Js. einen überaus beifällig aufgenommenen hebräischen Vortrag in der hiesigen „Agoudath Sion". Indien (Von unserem Berichterstatter.) Rangoon (Britisch-Birma). Auch hier hat der Zionismus seinen Einzug gehalten. Vor kurzem wurde eine zionistische Vereinigung ins Leben gerufen, die über eine stattliche Mitgliederzahl verfügt und eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Es gibt in Rangoon eine zur Hälfte aus englisch sprechenden Juden bestehende jüdische Gemeinde von mehreren hundert Personen. Der Gründer der zionistischen Vereinigung von Rangoon, Herr J. Sternberg, weilt gegenwärtig in C a 1 c u 11 a , wo er gleichfalls mit gutem Erfolg für die zionistische Sache tätig ist. Auch in anderen Städten Indiens wird die Gründung zionistischer Ortsgruppen vorbereitet, die späterhin zu einem zionistischen Landesverband zusammengefaßt werden sollen. Argentinien Herzl-Felern (Von unserem Berichterstatter.) Buenos-Aires. Wie alljährlich veranstalteten die hiesigen Zionisten auch in diesem Jahre am Todestage Dr. Herzls