Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIElpELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG — ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRQ. BERLIN, 22. August 1913 12N1^7> T'Dnn 2S 2"' Nr. 34. INHAI T. BERG3IANN: Die Grundlagen nationaler Erziehung — WELTCHRONIK — HENRY UNNA: LTcVL. 1 l Die Jüdische Tnrnerschaft 1903-1913 — RODOLFO LUPU: Die Schriften Gino llacahs — M. GLÜCK¬ SOHN : Das Problem der Gegenwartsarbeit — Ein Schritt nach vorwärts - PALÄSTINA-RUNDSCHAU — AUS DER BEWEGUNG — Der XL Kongress in Wien — Geschäftliche Nachrichten — Mitteilungen des Hauptbureans des J. N.-F. DIE GRUNDLAGEN NATIONALER ERZIEHUNG Dr. Hugo Bergmann Je stärkere Wellen das nationale Leben unseres vviedererwachten Volkes schlägt, je weitschichtiger und verzweigter die Formen und Möglichkeiten nationaler Betätigung werden, desto dringender wird es für uns Zionisten, die Frage zu entscheiden: ob wir alle diese Möglichkeiten, soweit sie nur wirklich dem Streben nach Erneuerung entspringen, in unserer Organisation zur Verwirklichung bringen wollen oder ob wir uns bescheiden müssen, einen Teil — wenn auch den wichtigsten Teil — der Erneuerungsarbeit zu übernehmen: die Aktion in Palästina. Es ist die alte Frage der „G e - genwartsarbei t", die immer wieder neu gestellt werden muß, wenn wir von der Organisation eine Ausdehnung ihrer Tätigkeit auf neue Gebiete verlangen. Theoretisch ist ja die Frage ganz klar: Niemand von uns will im Zionismus, auch nicht im parteimäßig organisierten, bloß eine unter vielen Strömungen der jüdischen Wiedergeburt sehen. Wir alle sind überzeugt, daß der Zionismus das Judentum und die zionistische Organisation der verkörperte Wille dieses lebendigen Judentums ist. Aber aus dieser Theorie (die ja doch auch vor allem ein Wille ist) gilt es, die Konsequenzen zu ziehen. Wenn unsere Organisation der Judenstaat en miniature, wenn sie für uns die werdende jüdische Gemeinschaft ist, so müssen wir verlangen, daß uns da nach und nach alle Möglichkeiten eines wirklich allseitigen bürgerlichen Lebens gewährt werden. Dann gehört im Prinzip alles in die zionistische Organisation, was lebendiges Judentum ist. Wir sind freilich nicht so töricht und blind, die Tatsache zu übersehen, daß es auch außerhalb unserer Gemeinschaft reiche Möglichkeiten lebendiger jüdischer Arbeit gibt. Im Gegenteil! Der letzte Kongreß hat z. B. von den Zionisten „ernste Mitwirkung“ an der Arbeit der Organisationen für die Regelung der jüdischen Wanderung verlangt. Aber jede solche Teilung zionistischer und „anderer“ jüdischer Arbeit hat für uns nur zeitliche Bedeutung und kann an der grundsätzlichen Gleichstellung von Zionismus und Judentum nichts ändern. Wenn dennoch auf dem oder jenem Gebiete die Zusammenarbeit mit Nichtzionisten möglich und wünschenswert ist, so kann doch e i n Probiemkomplex in seiner Gänze nur in und durch die Organisation gelöst werden: die nationale Erziehung. Denn in Fragen der Erziehung können wir auf die Dauer mit keiner jüdischen Partei Zusammengehen, weder mit den Assimilanten noch aber auch mit den nichtzionistischen Nationaljuden, die nicht gleich uns eine völlige Erneuerung, sondern eine „organische“ Fortentwicklung der Volkskräfte wünschen. Hier ist also des Zionismus ureigenste Domäne. Kein Wunder, daß der Ruf nach Kulturarbeit in unserer Organisation immer wieder erhoben wird, wenn entscheidende Augenblicke in der Bewegung nahen. Auch diesmal steht die Kulturfrage im Vordergründe der Kongreßdiskussion der russisch-jüdischen Presse. Im „Rasswjet“ hat Jabotinski ein weitgreifendes Programm für die KuTfüfarbeTfder russischen Zionisten entworfen; im „Haolam“ hat eine lebhafte Erörterung über das Verhältnis zwischen den zionistischen Organisationen und der hebräischen „Histadruth“ stattgefunden, in welcher sehr wesentliche und grundsätzliche Fragen erörtert worden sind. Es scheint nämlich das Bestehen der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur“ (Histadruth) eine besondere Kulturarbeit in der zionistischen Organisation überflüssig zu machen. Daß die Histadruth nicht funktioniert hat, liegt vielleicht an zufälligen Umständen; wird sie organisiert, dann kann sie uns diese schwierige und verantwortungsvolle Kulturarbeit abnehmen. So könnte man meinen. Demgegenüber weist Dr. M. Glücksohn („Haolam“ Nr. 26) darauf hin, daß gerade wegen der innigen Verwandtschaft, die das Arbeitsziel der Histadruth mit dem unsern hat, es nicht angeht, die Kulturarbeit aus der zionistischen Organisation auszuschalten und einer ihr nicht verantwortlichen Histadruth zu übergeben. „Die Kulturarbeit ist ein organischer Teil unserer Bewegung und kann nicht mechanisch von ihr abgetrennt werden. Das Problem der nationalen Wiederbelebung ist das Problem der Wie-