Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 971 DIE2$KLT ihrem Gastfreund, einem Bäcker in Glückstadt, eme Partie roher Diamanten gestohlen und flüchteten zur See. Man fing sie aber und unter der Folter gestanden sie. Nun wurden beide zum Galgen Verurteilt. Der eine Dieb nahm sofort den Christenglauben an, um sich von der Todesstrafe zu befreien; „der andere aber, der bis dahin ein frommer Mensch gewesen war und fromme Eltern hatte — er ist von Wandsbek gewesen —, hat seinen Glauben nicht ändern wollen und lieber sein Leben dafür hingegeben. Er muß von dem andern verführt worden sein, der sein Leben lang nichts Gutes gewesen ist. Darum hat sein Ende leider so sein müssen. Gott wird sicher die Heiligung seines Namens angenommen haben, daß er sein Leben für Gott hingegeben hat, während er doch ebenso gut hätte davonkommen können wie sein Genosse; so ist sicher sein Tod eine Sühne für alle seine Sünden gewesen." Hl. Wenn ich noch erwähne, daß in die Erzählung eine ganze Reihe lehrhafter Parabeln eingefügt sind, die literaturgeschicht' lieh großes Interesse haben, und daß Glückei bei aller ernsten und tief religiösen Grundstimmung über einen gesunden, herzhaften Humor verfügt: so glaube ich berechtigt zu sein, das Buch als eine der besten Erscheinungen in der neueren Memoirenproduktion zu nennen, für das jüdische Publikum zweifellos die interessanteste. Dr. Hugo Herrmann. Dr. M. Nordau: Les Juifs et le Judaisme au XIX Si&cle. Paris 1913, Verlag des „Echo Sioniste", 21 Rue de la Tour d’Auvergne. (43 S.) Die zionistische Literatur in französischer Sprache, die bisher sehr vernachlässigt worden ist, hat eine wertvolle Bereicherung erfahren. Der Vortrag, den Nordau gelegentlich des IX. Kongresses in Hamburg mit so großem Erfolg gehalten hat, ist, erweitert und umgearbeitet, als Broschüre erschienen; ein Schlußkapitel, das neu hinzugefügt ist, zeigt den Weg, welchen die zionistische Idee durchlaufen hat, und erhöht die Aktualität der Schrift. Wir finden in der kleinen Broschüre all die glänzenden Qualitäten Nordaus, über die man den Lesern der „Welt" nichts neues sagen kann. Die wenigen kleinen Seiten enthalten eine Fülle geistreicher Apercus, einen konzentrierten Reichtum an Gedanken und neuen Gesichtspunkten. Wir bewundern immer wieder aufs neue die einfache, klare Disposition des Verfassers. ln wenigen Kapiteln wird die Situation des jüdischen Volkes während des Mittelalters skizziert. Von einer „Geschichte“ kann während dieser langen Periode eigentlich keine Rede sein, diese beginnt erst mit der Emanzipation, um das jüdische Volk sofort vor eine furchtbare Krisis zu stellen. „Das 19. und 20. Jahrhundert sind in unserer Geschichte seit der Zerstörung des Tempels die wichtigste Epoche, in der sich das Schicksal des jüdischen Volkes endgültig entscheiden wird." Der erste Abschnitt dieses folgenschweren Zeitraumes ist es, den die Broschüre entwickelt. Den Entwicklungsgang von einer hohen historischen Warte betrachtend, bietet die Abhandlung eine ideale Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert, ein Bild der Irrungen, durch welche die Juden des Westens die große Frage nach der Zukunft des Judentums zu beantworten suchten. Unter all diesen Antworten erscheint der Zionismus als einzige Lösung, die imstande ist, „das dahinsiechende Judentum neu zu beleben und sein historisches Schicksal fortzuführen". Der Erfolg des Zionismus entscheidet über Leben und Tod des Judentums. Diese Konklusion ergibt sich mit logischer Folge aus der. Darstellung. In die ernsten Betrachtungen dringt wie ein heller Sonnenstrahl das Bild von dem Leben, das der junge Zionismus in Palästina geschaffen hat, und das uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken läßt. Ohne im entferntesten auf propagandistischen Effekt zugeschnitten zu sein, wirkt die Schrift Nordaus durch ihren Ideengehalt, die strenge Logik des Aufbaues und die meisterhafte Form; sie wird von allen, die am jüdischen Problem Interesse haben, mit Nutzen gelesen werden. Paris. H. B. Schluß des redaktionellen Teiles Bei der Administration „Die Welt“ sind eingegangen: Für das Mikrobiologische Institut: Johann JKremenezky, Wien, „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut" Kr. 10.— M. 8.40 Ing. Josef Seidener, Wien, „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut". M. —.42 Heinrich Lederer, Wien „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut ..M. —.42 Dr. Mirles Samarkand durch die Immobiliengesellschaft Ml 70.— Marie Hoch, Drohobycz .iL 4.24 Bei dem Unterzeichneten Bureau gingen ein: Durch Sammlung von Frau B. Pevsner in Atlanta: Albert Steiner 100.—, Jake Hirsch 25.—, I. Schoen 20.—, Emest Feibelmann, Max Kutz, J. Reginstein, Ralph Rosenbaum mit je 10.—, Otto Schwaf, L. H. Kaufman, B. Goettinger, Milton Klein mit je 5.— Dollar. Ferner Mitgliedsbeiträge: C. H. Rubin in Mitau 3.— Rbl., Pines Erben in Libau 10.— M. Bureau des Vereins „Bezale 1". Lastkähne mit Motorschrauben. Für größere Lastkähne von 30, 40 und mehr Metern hat sich der Motorbetrieb schon sehr eingebürgert nnd er wird sich immer mehr einbürgem, da er die Kühne von den hohen Unkosten nnd dem. mörderischen Zeitverlust des Schleppbetriebes frei macht. Bei kleineren ist dies in vielen Füllen nicht so leicht gewesen, da der geringe Laderaum nicht noch durch einen eingebauten Motor beschränkt werden durfte. Auch anfsteckbare Motoren, die, da hinten stehend, nutzbaren Platz kaum beanspruchen, waren nicht recht verwendbar, da sie bisher nicht groß genug und vielfach auch nicht für eigentlichen Lastbetrieb gebaut wurden Jetzt haben nnn die Cudell-Motoren-Werke Berlin, die seit Jahren ihre aufsteckbaren „ Motorschrauhen“ liefern, ein Sondermodell auf den Markt gebracht, das gerade für derartige kleine La stk ahne gebaut ist. Ks handelt sich um eine 8pferdige, kräftig konstruierte Maschine, die mit Benzin, Benzol, Gasolin, Petroleum und Kerosin betrieben werden kann. Die Abbildung zeigt sie an einem 9 xn langen Kahn, dem sie eine Geschwindigkeit von ungefähr 8 km verleiht. Dieses neue Modell hat sofort viel Verwendung gefunden. Zwei derartige Motorschrauben hat z. B. das^Keichs-Kolonialamt der Neu-Guinea- Expedition mitgegeben, der sie zur Befahrung der kleinen, für den Dampfer unbenutzbaren Nebenflüsse des Kaiserin Angnsta-Flusses dienen. Für seichte Gewässer ist die Motorschraube überhaupt die geeignete Maschine, da ihr Propeller jederzeit aus dem Wasser gehoben werden kann. Das beschriebene Modell ist natürlich auch für Segeljachten, Fäbrboote nud ähnliche Bootskörper ohne weiteres brauchbar. Andere Käufer von Motorsohranben verschiedener Größen sind: das Kolouialwirtsobaftliohe Komitee, eine Anzahl Kolonial-Behörden, die österreichische Armee, die rassische Legierung, die allein im letzten Jahr über 30 Stück bezogen hat u. s. w.