Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 30 LT 967 Südafrika Kapstadt. (Telegraphischer Bericht der „Welt“.) Die hier am 15. Juli vorgenommenen Wahlen der Delegierten zum XI. Kongreß hatten folgendes Resultat: Ingenieur M. Ussischkin, Dr. Joseph Klausner (beide Odessa); Dr. V. Jacobson (Konstantinopel); Dr. Artur R u p p i n und Bezalel J a f f e (beide Jaffa); Tolkowsky (Rechoboth); Frau Professor Warburg (Berlin); Kretschm a r (z. Zt. Johannesburg); Dr. Nathan (Johannesburg); Bernstein (Kapstadt). Kapstadt. Nachdem wir jetzt auf Monate intensivster zionistischer Tätigkeit zurückblicken können, kann man mit gutem (Gewissen sagen, daß die erste Cape Provincial Zionist Conference das beste praktische Werk seit vielen Jahren gezeitigt hat. Die Einführung des Shillingfonds und des Propaganda-Komitees haben sich als vorzügliche Neuerungen erwiesen. Das Propagandakomitee, das sich aus einigen unserer eifrigsten Gesinnungsgenossen zusammensetzt, hat in der Reorganisierung älterer und in der Gründung neuer Vereine große Erfolge erzielt. Bloemfontein. Hier verschied unser eifriger Gesinnungsgenosse Mr. H. Goldberg. Der Verstorbene nahm sehr lebhaften Anteil an allen jüdischen, und besonders zionistischen Angelegenheiten. Er war eine Zeitlang Vorsitzender der Bloemfontein Zionist Association und auch nach Niederlegung dieses Amtes für unsere Sache hervorragend tätig. Bloemfontein.' Nach Eingang eines Schreibens des Präsidenten der Federation betreffs Gründung einer südafrikanischen Farm in Palästina berief die Bloemfontein Zionist Association sofort eine Versammlung zur Besprechung dieses Plans ein. Derselbe wurde mit großem Beifall aufgenommen, und nach einer kurzen Diskussion wurde beschlossen, eine Reihe von Anteilen dieser ersten palästinensischen Farm der südafrikanischen Zionisten zu erwerben. Bronkhorstspruit. Am 2. Juni besuchte Herr Kretschmar-Israeli unsere Stadt. Die Juden von Bronkhorstspruit lauschten mit großem Interesse den Schilderungen des illustren Gastes von dem neuen Leben in Palästina. Mr. T. Schlosse rg und Mr. J. Schlosberg erwarben gemeinsam eine Parzelle in Palästina im Werte von M. 9200, und Mr. B. Marcus ein anderes Terrain zum gleichen Betrage. Wenige Tage vorher hatten Mr. J. Schlosberg und Mr. B. Marcus einen ansehnlichen Betrag für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem gesammelt und Mr. E. Michelowsky hatte bei der Schekelpropaganda gute Erfolge zu verzeichnen. Ein Pegasus-Reitschüler Die von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland unter der Redaktion von Dr. Caesar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M., herausgegebene Monatsschrift „Liberales Judentum“ bringt in Nr. 6—7 unter der Ueberschrift „Einkehr und Abwehr“ sogenannte Gedichte eines deutschen Juden von Emil Spiegel- Prag. Alles, was über den Zionismus nachgelogen oder leichtfertig nachgesprochen worden ist, wird hier in „poetischen“ Sinnsprüchen aufgetischt. „Neueste Lehre. Das Judentum: Nationalität, Nicht Glaube, so wird jetzt behauptet, Was gäb’s, wenn's nur nicht in der Thora steht, Was Ihr, Juden von heute, nicht glaubtet?“ Herr Spiegel gehört zwar zu unseren jugendlichen Poeten, aber er ist bereits von vollendeter Unverständlichkeit. Seine Klangphantasien hat er wahrscheinlich in der geheimen Erwartung veröffentlicht, daß er vielleicht eines Tages von seinen Kritikern erfahren würde, was er damit gemeint hat. Er gehört außerdem zu denjenigen, die sich nicht bloß vom Reim, sondern auch vom Rhytmus emanzipiert haben und in Stücke gehauene Prosa bieten, die mit einem Gedicht nur eine äußere typographische Aehnlichkeit hat. Man lese die folgenden Zeilen: „Zionistischer Pantheismus. Du fragst, wie sich zum Glauben denn stellt Als solcher (!) der Zionist? Ich glaube, er ist, was diesen betrifft (!), Im Grunde, ein Pantheist, Du meinst, das wäre Vermutung nur Und Zeugnis hätte ich keins? Das ist es ja: in diesem Punkt Ist jenem (!) alles eins!“ Dieses triviale Geplapper neben albern wirkender Ernsthaftigkeit bringt den Dämon, der im Busen des Dichters haust und der den Zionismus niederschmettern soll, zu schwächlich zum Ausdruck. Mit der richtigen Guillotine köpft er die Zionisten, wenn er singt: „Die neue Ideologie. Wie ist doch das Alte wie weggefegt, De Juden (!) bestellen ganz neu ihr Haus, De Thora haben sie weggelegt Und legen jetzt Herzl’s Schriften aus!“ Das ist die stachlige Art der „Satire“. Sinnsprüche, klingend, schwirrend, melodisch, die sich dem Ohre einschmeicheln — nicht wahr? Klingende Pfeile sollen es sein; es sind aber Gedanken-Karrikaturen, strotzend vor Uebertreibung, schief und fehl als Ganzes, Betrachtungen, nicht aus der Vogel-, sondern aus der Regenwurm-Perspektive. Pour la bonne bouche — die letzte Leistung: „Golus-Psychologie. Ich frage: Wie konnte es nur geschehen, Daß uns durch Mose solch Heil widerfuhr? Denn schließlich war er, bei Lichte besehn Doch auch ein Golus-Jude nur!“ Man braucht nicht zu fragen, wie sich das zusammenreimt: es ist wohl nur ein verfrühter Beitrag für eine Purim- Nummer. N. 1 i i i i i f i ---1 i Die tendenziöse j Berichterstattung j gegnerischer Blätter ist von uns immer gerade bei den Kongressen besonders störend empfunden worden. Wir haben daher ein schwerwiegendes Interesse daran, den objektiven und zuverlässigen Kongreh-Bericht der „Welt" in den weitesten Kreisen zu verbreiten. Jeder Zionist sollte sich daher mit Energie der Propaganda für die Kongreh-Ausgabe der „Welt" widmen. Propagandamaterial stellen wir reichlich zur Verfügung Die Kongreb-Ausgabe der .Welt" kostet bet tSglich freier Zustellung M. 2.40, Kr. 230, RbL 1,30, sh. 2/10. Hfl. 1.70. DolL 0,70, Frcs. 3.60, fttr Abonnenten der .Welt' die HSlfle. 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