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Die Welt · 1913-07-25 · 30 (25.7.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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DIE3§KELT Nr. 30 962 PALÄSTINA-RUNDSCHAU Palästina als Einwanderungsland (Von unserem Berichterstatter.) In letzter Zeit wurde in der palästinensischen Presse angeregt, die Juden zweier voneinander weit entfernter und in vielen Beziehungen verschiedener Gebiete auf Palästina als ein für sie geeignetes Einwanderungsgebiet hinzuweisen. Es handelt sich um die Juden der Buchara und der ehemals türkischen Gebiete der Balkanhalbinsel. Bezüglich der bucharischen Juden berichtet A. L e w i n - Jerusalem, der zu der Jerusalemer bucharischen Kolonie Beziehungen unterhält, im „Hacheruth“. Er erzählt, daß unter den Juden der Buchara eine Auswanderungsbewegung Platz gegriffen hat, die in der erneuten heftigen Ausweisungspraxis der russischen Regierung ihren Grund hat. Die dortigen Juden denken jetzt an Amerika, an Aegypten — und an Erez Israel. Nach Jeruschalajim, wo die bucharischen Juden ein eigenes schönes Stadtviertel erbaut haben, pflegen alljährlich zahlreiche Familien aus Buchara zum Peßachfest zu kommen. Leider beschränkte sich ihr Interesse bisher fast ausschließlich auf Jerusalem selbst. A. L e w i n meint, daß es nicht schwer fiele, die bucharischen Juden, die zum Teil Pflanzer großen Stils sind, für den palästinensischen Pflanzungsbau zu interessieren. Auch für größere Unternehmungen industrieller und kommerzieller Art wären sie leicht zu gewinnen. Soweit sie sich für die städtische Siedlung interessieren, sollten sie auch zur Niederlassung in anderen Städten Palästinas, wo auch der Häuserbau lohnender als in Jerusalem ist, herangezogen werden. Unsere leitenden Männer in Rußland, die wohl über mancherlei Beziehungen zu den bucharischen Juden verfügen, sollten dieser Frage ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Aehnliche Vorschläge macht bezüglich der Juden des Balkans Herr David Elnecave aus Konstantinopel, der seit einigen Wochen hier weilt und über die Eindrücke, die er in den jüdischen Kolonien empfangen, in begeisterten Worten schreibt. Elnecave, der den Balkan aus eigener Anschauung kennt, ist um die Zukunft der Juden, die jetzt durch die politischen Ereignisse von der Türkei losgelöst worden sind, besorgt. Sowohl Serbien wie Bulgarien, ganz besonders aber Griechenland, gelten ihm als wenig judenfreundlich. Er fordert daher diese Juden auf, nach Palästina überzusiedeln. „Erez-Israel hat eine große Zukunft . . . Kommt hierher mit Euren Familien und mit Eurem Kapital. Hier werdet Ihr reine Luft atmen, von niemandem bedrückt. Die Tore Palästinas, das ein Teil des ottomanischen Reiches ist, stehen Euch offen. Die türkische Regierung, die Eure Tätigkeit und Eure Treue kennt, wird Euch mit offenen Armen empfangen.“ Stellungnahme zum kommenden Kongreß Je näher der Kongreß heranrückt, um so intensiver wird das Interesse, das unsere hiesigen Freunde seinen Aufgaben entgegenbringen. Obadja K a m c h i, ein Beamter der „Banque Ottomane“ in Jerusalem, will die Aufmerksamkeit des Kongresses auf die industriellen Möglichkeiten Palästinas lenken. In seinen Aufsätzen sucht er nachzuweisen, daß die Vernachlässigung der industriellen Arbeit auf Mangel an Unternehmungsgeist, nicht aber auf objektive Gründe zurückzuführen sei. Aus seiner Konstantinopeler Heimat bringt er interessante Analogien vor. In den meisten seiner Vorschläge ist ihm allerdings bereits T r i e t s c h zuvorgekommen, was er nicht zu wissen scheint. Besonders viel verspricht er sich von der Verarbeitung der einheimischen Schafwolle, die jetzt nach dem Auslande ausgeführt wird. — Auch die Frage einer jüdischen Universität in Palästina wird hier viel erörtert. — Besonders rege ist das Interesse für den Kongreß in den jüdischen Arbeiterorganisationen. Man erwartet hier, daß der Wiener Kongreß nicht bloß den Zwecken der Propaganda dienen werde, sondern auch über die Richtlinien unserer Palästina-Arbeit Klärung schaffen wird. Die palästinensische Arbeiterorganisation „Hapoel Hazair“ will mehrere Delegierte zum Kongreß entsenden. Nicht minder rührig sind die palästinensichen „Poale Zion“. In Chederah und Kerkur hielten die Mitglieder der „Poale Zion“ eine Versammlung ab, in der sie eine Resolution faßten, welche der Nationalfonds- Verwaltung nahelegt, stets das Hauptziel des Fonds, die Nationalisierung des Bodens und der Arbeit durch die jüdischen Volksmassen, vor Augen zu haben und die Mittel des Fonds nicht für Kredite an bemittelte Leute zu verwenden. Ferner wird in der Resolution hervorgehoben, daß die Arbeitersiedlungen zwar bloß als Palliativmittel gelten könnten, gegenwärtig aber doch sehr notwendig seien und großen Nutzen bringen könnten, wenn sie auf folgender Grundlage eingerichtet würden: freie und selbständige Wahl der Genossen, gegenseitige Haftung und Erbpacht auf nationalem Boden. Diese Woche fand auch in der sephardischen Synagoge in Jaffa eine Schekelpropaganda-Versammlung statt, in der Herr Elnecave, der Chachambaschi und Dr. Mossinsohn Ansprachen hielten. Ingenieur Kaplan-Kaplansky spricht in den nächsten Tagen im Jerusalemer Beth-Am über den bevorstehenden Kongreß. Fortschritte der Nationalfonds-Sammlungen in Palästina Dem Berichte, den die hiesige Sammelstelle des N.-F. anläßlich des bevorstehenden Kongresses dem Hauptbureau des N.-F. erstattet hat, entnehmen wir folgende Angaben: Eine eigentliche Sammeltätigkeit für den N.-F. begann in Erez Israel erst im Dezember 1908. — Sie wird von dem Palästina-Amt der zionistischen Organisation geleitet. Es wurden gesammelt: im Jahre 1909 (inkl. Dezember 1908) 1844 Frcs. im Jahre 1910 . 1830 „ im Jahre 1911.2108 „ im Jahre 1912 . 4431 „ im 1. Halbjahr 1913 4704 „ Zusammen 14917 Frcs. Die Zahl der verteilten Büchsen ist von 188 im Juni 1911 auf 468, d. h. beinahe auf das dreifache gestiegen. Die erste palästinensische Golden-Buch-Eintragung war die von Elijahu Sapir s. A. Seither macht sich das Bestreben geltend, jeden um unserer Sache hervorragend verdienten Mann ins Goldene Buch des N.-F. eintragen zu lassen. Die jüdische Presse in Jerusalem und Jaffa veröffentlicht alle ihr von der Sammelstelle zur Verfügung gestellten Spendenausweise usw. ohne jede Vergütung und läßt auch selbst keine Gelegenheit vorübergehen, ohne auf die große Bedeutung des N.-F. hinzuweisen. Die „Jüdisch-Medizinische Gesellschaft« gegen Dr. Blieden Die „Jüdisch-Medizinische Gesellschaft“ hat sich veranlaßt gesehen, eine Erklärung zu veröffentlichen, der wir folgendes entnehmen: Im Januar dieses Jahres entstand ' ein Konflikt zwischen Dr. Blieden und Dr Bergert in Tiberias. Beide Aerzte unterbreiteten den Streitfall der palästinensischen „Jüdisch - Medizin!-

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