Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRG. BERLIN, 25. jnli 1913 umfcfc T'Onn 'X r>QN '3 Nr. 30. jvt iw * | tt OTTO ABELES: Kongress-Zionismus — FRANZ OPPENHEIM ER: Im heiligen Lande (III) - llN n AL 1 : CHRONIK — Mehr Literatur — DAVIS TRIETSCH: Hilfsverein und Alliance - PALÄSTIN WELT¬ CHRONIK — Mehr Literatur — DAVIS TRIETSCH: Hilfsverein und Alliance — PALÄSTINA-RUND¬ SCHAU — AUS DER BEWEGUNG — Literarische Rundschau — Mitteilungen des Hauptbureaus des Jüdischen N.-F. KONGRESS -ZIONISMUS Zum Todestage Theodor Herzls Zum neunten Male jährt sich der Todestag Theodor Herzls. Seine adelige Gestalt schwebt uns vor, sein unvergeßlicher, strahlender Blick trifft uns mahnend, daß uns keine weichliche Wehmut befallen darf, wenn wir sein gedenken. Die Stunde sei würdig begangen. Wir wollen seine Schöpfung betrachten, den Kongreß-Zionismus. Als der Führer das erste jüdische Volksparlament begrüßte, das er förmlich über Nacht aus dem Boden gestampft hatte, sagte er bedeutsam: „Die Sache ist so groß, daß wir nur in den einfachsten Worten von ihr sprechen sollen." Dieser Satz diene uns als Leitstern, wenn wir es unternehmen, unsere Bewegung in ihren Absichten und in ihren Grundlagen möglichst prägnant und scharf zu umschreiben. Jeder von uns weiß, daß das nicht leicht ist, daß es selten glücken will, in knappe Formeln zu drängen, was Wesen und Inhalt des Zionismus ausmacht. Denn man wird um so unfähiger, eine Angelegenheit in Kürze, Klarheit und Ruhe vorzutragen, je tiefer man von ihr durchdrungen ist. Gleichwohl wollen wir es nach Kräften versuchen und kein Zeitpunkt verpflichtet uns mehr dazu, als der Gedenktag Herzls in dem Jahre, da sich seine Jünger in der Stadt versammeln werden, in welcher er lebte und wirkte. Schon das mit Absicht gewählte Wort „Kongreßzionismus" bringt zum Ausdruck, daß neben, ja innerhalb der durch die Zionistenkongresse regierten Partei Strömungen im Judentum leben, in denen Zion von Bedeutung ist, und die alle den Namen „Zionismus" zu tragen berechtigt sind: Religiöse, kulturelle, wirtschaftliche Bestrebungen, deren Ziel Palästina ist, entweder aus Bedürfnissen des Glaubens oder aus ideologischen Gründen der Erhaltung, Erneuerung, Hochzüchtung jüdischer Eigenart oder aus praktischen Motiven der Errettung einzelner Volksgruppen auf palästinensischem Boden. Der von Herzl geschaffene Kongreßzionismus aber ist jene anders geartete Bewegung, die das eine grandiose Ziel hat: Die Lösung der Judenfrage. .Wohlgemerkt: Alle Bestrebungen, welche die Aktivität der Volkskraft beleben und die Volksseele veredeln wollen, sind Hochziele der zionistischen Juden, und weil sie den Kongreßzionismus selbst nähren und weitern, werden alle Kräfte, die den Judentums fragen dienen, von ihm organisiert und gefördert. Seine weltgeschichtliche Aufgabe aber steht über allen Fragen des Judentums und ist einzig diese: Die Erlösung des jüdischen Volkes von der Judennot und die Befreiung der zivilisierten Welt von der Judenfrage. Drei Triebkräfte bewirkten die Entstehung des Kongreßzionismus und verbürgen seine Fortentwicklung: der äußere Zwang, der innere Drang und das Interesse der nicht jüdischen Umwelt an der Beseitigung des Judenproblems. i Der eiserne Zwang von außen ist und bleibt sein stärkster Antrieb und seine wichtigste, wie uns dünkt, unerläßliche Grundlage. Wir sind gezwungen, mit ganzer Hingabe das jüdische Volk im Zionismus zu sammeln und weiterzuleiten, weil es keinen andern Ausweg aus Not, Entrechtung, Schande gibt. Die einzige Möglichkeit, die Judenfrage einer Lösung zuzuführen ist die Repatriierung eines großen, wenn tunlich des größten Teiles der Judenheit in Palästina und den Nebenländem. Es ist unseres Erachtens die Voraussetzung des Kongreßzionismus, der darauf angelegt wurde, alle Kräfte des Judentumes für den großen Zweck zu mobilisieren und — wie wir jetzt wissen — eine sehr lange Spanne Zeit mobilisiert zu erhalten, daß eine andere Lösung der Judenfrage in absehbarer Zeit nicht möglich, daß insbesondere das völlige Verschwinden der Judenheit durch Assimilation ausgeschlossen ist. Denn wenn es — um das krasseste Exempel vorzuführen — tunlich wäre, Pogromnot, jüdisches Luftmenschentum, Ansiedlungsrayon, politische Knechtung der russisch-jüdischen Millionen durch Assimilierung aus der Welt zu schaffen, dann könnte der Kongreßzionismus, der „das jüdische Volk unterwegs" ist, vor der Weltgeschichte nicht standhalten. Den stärksten nationalen Willen würde das noch stärkere Leben niederzwingen. Die vorhin an-